Veröffentlicht am März 15, 2024

Die Jagd nach „Big Data“ ist für die meisten Schweizer KMU eine teure Sackgasse. Der wahre Hebel liegt in „Smart Data“: dem gezielten Einsatz weniger, aber hochwertiger Daten.

  • Qualität vor Quantität: Saubere, relevante Daten aus Ihren bestehenden Systemen (Kasse, Webshop) sind wertvoller als unstrukturierte Datenberge.
  • Pragmatische Lösungen: Statt teurer Data Scientists können Förderprogramme und schrittweise Integrationen den grössten Nutzen bringen.

Empfehlung: Konzentrieren Sie sich darauf, eine konkrete Geschäftsfrage mit den Daten zu beantworten, die Sie bereits besitzen. Das ist der schnellste Weg zu messbarem Erfolg.

Als Geschäftsführer eines Schweizer KMU werden Sie täglich mit dem Begriff „Big Data“ konfrontiert. Es entsteht der Eindruck, man müsse riesige Datenmengen sammeln und komplexe KI-Systeme einsetzen, um im digitalen Zeitalter nicht den Anschluss zu verlieren. Berater sprechen von „Datengold“ und malen das Bild einer Zukunft, in der Algorithmen jede Geschäftsentscheidung optimieren. Dieser Druck führt oft zu überstürzten Investitionen in teure Software oder zur Einstellung von Spezialisten, ohne eine klare Strategie zu haben.

Die gängigen Ratschläge – „sammeln Sie so viele Daten wie möglich“, „personalisieren Sie jede Kundeninteraktion“ – sind für die Realität der meisten mittelständischen Unternehmen unpraktisch und oft sogar kontraproduktiv. Sie führen zu riesigen „Datenmüllhalden“, die mehr Kosten verursachen als Nutzen stiften, und bergen das Risiko, die datenschutzbewusste Schweizer Kundschaft durch übergriffige Personalisierung zu vergraulen.

Doch was, wenn der Schlüssel zum Erfolg nicht in der Grösse der Daten, sondern in deren Intelligenz liegt? Dieser Artikel bricht mit dem Hype und zeigt einen pragmatischen, auf den Schweizer Markt zugeschnittenen Weg auf. Wir fokussieren uns auf „Smart Data“: die Kunst, aus kleinen, aber sauberen und relevanten Datensätzen konkreten, messbaren Geschäftswert zu generieren. Es geht nicht darum, alles zu wissen, sondern das Richtige zu wissen und darauf zu handeln.

Wir werden gemeinsam erkunden, wie Sie Ihre bestehenden Datenquellen – vom Kassensystem bis zum Webshop – gewinnbringend nutzen, ein verständliches Reporting für schnelle Entscheidungen aufbauen und die Chancen der KI für die Mehrsprachigkeit der Schweiz realistisch einschätzen. Entdecken Sie praxiserprobte Anwendungsfälle, die wirklich einen Unterschied für Ihr KMU machen.

Warum kleine, saubere Datensätze wertvoller sind als riesige Datenmüllhalden

Der Begriff „Big Data“ suggeriert, dass Quantität der entscheidende Faktor für den Erfolg ist. Für Schweizer KMU ist diese Annahme irreführend und gefährlich. Die Realität ist, dass die meisten Unternehmen bereits auf einem Schatz sitzen, den sie nicht nutzen: kleine, aber hochrelevante Datensätze aus dem Tagesgeschäft. Das Problem liegt selten im Mangel an Daten, sondern in deren Qualität und der Fähigkeit, sie zu interpretieren. Eine aktuelle Studie zeigt, dass nur 50% der Schweizer KMU mindestens einmal jährlich eine systematische Datenanalyse durchführen. Dies belegt, dass der erste Schritt nicht das Sammeln neuer Daten, sondern die Nutzung vorhandener Informationen sein muss.

Ein riesiger, unstrukturierter „Datensee“ ist wie ein Keller voller unsortierter Kisten: Man ahnt, dass sich darin Wertvolles befindet, aber die Suche ist zu aufwendig und zu teuer. Im Gegensatz dazu ist ein kleiner, sauberer Datensatz – zum Beispiel die Kaufhistorie Ihrer Top-1000-Kunden – wie eine gut sortierte Werkzeugkiste. Jedes Werkzeug ist sofort griffbereit, um eine spezifische Aufgabe zu lösen. Statt in die Infrastruktur für „Big Data“ zu investieren, sollten KMU ihre Ressourcen in die Daten-Hygiene stecken: die Bereinigung, Standardisierung und Anreicherung ihrer bestehenden Kundendaten.

Konzentrieren Sie sich auf „Smart Data“. Beantworten Sie eine konkrete Frage: „Welche Produkte kaufen unsere treuesten Kunden am häufigsten zusammen?“ oder „In welcher Region ist die Nachfrage nach Dienstleistung X am höchsten?“. Die Antworten darauf liefern sofort umsetzbare Erkenntnisse und einen weitaus höheren Return on Investment als das vage Versprechen, aus Terabytes an unstrukturierten Daten irgendwann einmal „Gold“ zu schürfen. Qualität und Relevanz schlagen pure Masse – immer.

Wie bereiten Sie komplexe Daten so auf, dass der Vertrieb sie nutzen kann?

Die besten Daten sind nutzlos, wenn sie in einer Excel-Tabelle oder einer Datenbank verstauben. Die grösste Herausforderung für KMU ist die „letzte Meile“: die Übersetzung von rohen Daten in handlungsorientierte Erkenntnisse für das Vertriebsteam. Der Schlüssel dazu ist Data Storytelling. Anstatt den Vertrieb mit Zahlen zu überfluten, erzählen Sie eine Geschichte, die direkt in die Verkaufsargumentation einfliessen kann.

Ein herausragendes Beispiel für die Notwendigkeit kontextbezogener Datenaufbereitung ist die Mehrsprachigkeit der Schweiz. Eine pauschale Analyse für das ganze Land ignoriert entscheidende regionale Unterschiede. Die FHNW-Studie ‚Social Commerce 2022‘ zeigt, wie unterschiedlich sich Konsumenten in der Deutschschweiz und der Romandie verhalten. Erfolgreiche KMU nutzen diese Erkenntnis, um ihre Verkaufsargumente regional anzupassen.

Fallbeispiel: Angepasste Verkaufsargumente für Schweizer Sprachregionen

Die Studie zeigt, dass Konsumenten in der Westschweiz stärker auf Argumente rund um Nachhaltigkeit und lokale Produktion reagieren, während in der Deutschschweiz der Preis und die technische Spezifikation oft eine grössere Rolle spielen. Ein Vertriebsmitarbeiter, der mit dieser Erkenntnis ausgestattet ist, kann sein Gespräch gezielt anpassen: In Lausanne betont er die regionale Herkunft der Materialien, in Zürich hebt er die Effizienz und das Preis-Leistungs-Verhältnis hervor. So werden aus abstrakten Daten konkrete, umsatzsteigernde Verkaufshebel.

Um solche Geschichten zu visualisieren, sind interaktive Dashboards ideal. Sie ermöglichen es dem Vertrieb, die Daten selbst zu erkunden und spezifische Fragen zu beantworten. Anstatt eines starren Reports erhalten sie ein dynamisches Werkzeug.

Interaktives Dashboard zeigt Verkaufsdaten nach Schweizer Sprachregionen aufbereitet

Wie dieses Konzept zeigt, geht es darum, dem Vertriebsteam nicht nur zu sagen, *was* passiert, sondern ihnen zu helfen zu verstehen, *warum* es passiert. Ein gutes Dashboard beantwortet nicht nur Fragen, sondern regt auch dazu an, neue, bessere Fragen zu stellen. Es verwandelt Daten von einer reinen Reporting-Last in einen strategischen Gesprächspartner für den Vertrieb.

Data Scientist einstellen oder Agentur beauftragen: Was lohnt sich für KMUs?

Sobald der Wert von Daten erkannt ist, stellt sich die Gretchenfrage: Sollen wir einen eigenen Data Scientist einstellen oder die Expertise extern bei einer Agentur einkaufen? Für viele Schweizer KMU scheint die Festanstellung eines Spezialisten der Königsweg zu sein, doch dies ist oft ein teurer Trugschluss. Ein guter Data Scientist ist auf dem Arbeitsmarkt rar und teuer, und oft ist seine volle Arbeitszeit für die anfänglichen, gezielten Analysen eines KMU gar nicht ausgelastet.

Eine externe Agentur oder ein Freelancer kann hier eine flexiblere und kosteneffizientere Lösung sein. Sie bringen Erfahrung aus verschiedenen Branchen mit, können schnell erste Ergebnisse liefern und das Projekt nach Abschluss ohne laufende Fixkosten beenden. Der Nachteil ist, dass das aufgebaute Wissen das Unternehmen mit der Agentur wieder verlässt. Die Entscheidung hängt stark vom Reifegrad und den Zielen des KMU ab: Geht es um ein einmaliges Projekt zur Analyse des Kundenstamms, ist ein externer Partner oft ideal. Soll Datenanalyse jedoch zu einer Kernkompetenz des Unternehmens werden, führt langfristig kein Weg an internem Aufbau vorbei.

Es gibt jedoch einen pragmatischen dritten Weg, der speziell für den Innovationsstandort Schweiz attraktiv ist: die Zusammenarbeit mit Fachhochschulen. Viele Hochschulen bieten anwendungsorientierte Forschungsprojekte an, die für KMU zugänglich sind. Programme wie die Innosuisse-Innovationsschecks von bis zu CHF 15’000 ermöglichen es KMU, Datenprojekte gemeinsam mit Experten aus der Wissenschaft umzusetzen. Dies ist eine risikoarme Möglichkeit, erste Erfahrungen zu sammeln, Prototypen zu entwickeln und gleichzeitig den Wissenstransfer ins eigene Unternehmen zu sichern. Es ist der perfekte Einstieg in die Welt der Datenanalyse, ohne sich sofort langfristig binden zu müssen.

Das Risiko, durch zu viel Wissen über den Kunden „creepy“ zu wirken

Die technische Möglichkeit, jeden Klick, jeden Kauf und jede Interaktion eines Kunden zu verfolgen, verleitet zu dem Glauben, eine ultra-personalisierte Ansprache sei immer besser. Doch gerade im datenschutzbewussten Schweizer Markt gibt es eine feine Linie zwischen hilfreichem Service und unangenehmer Überwachung – die „Creepy-Schwelle“. Wird diese überschritten, führt das nicht zu mehr Umsatz, sondern zu einem nachhaltigen Vertrauensverlust. Die goldene Regel ist einfach: Personalisierung muss immer einen klaren, erkennbaren Nutzen für den Kunden haben.

Diese Haltung wird von führenden Schweizer Experten bestätigt. Wie Marc K. Peter von der FHNW betont, ist das Bewusstsein für den Datenschutz hierzulande besonders ausgeprägt:

Schweizer Konsumenten sind traditionell sehr datenschutzbewusst. Die goldene Regel lautet: Personalisierung sollte dem Kunden dienen, nicht das Gefühl der Überwachung vermitteln.

– Marc K. Peter, Digitaler Masterplan für KMU, FHNW

Der Unterschied zwischen guter und schlechter Personalisierung lässt sich am besten an Beispielen aus dem Schweizer Handel illustrieren:

Positiv- und Negativbeispiele der Personalisierung

Ein positives Beispiel ist Orell Füssli. Der Buchhändler nutzt die Kaufhistorie, um Kunden online auf neue Bücher von Schweizer Autoren aufmerksam zu machen, die ihnen gefallen könnten. Der Nutzen ist klar: Der Kunde entdeckt relevante Inhalte. Ein negatives Beispiel lieferte ein Elektronikfachhändler, der Kunden im Laden direkt auf Produkte ansprach, die sie sich Stunden zuvor online angesehen hatten. Dies wurde von vielen als übergriffig empfunden und führte zu negativen Reaktionen, da die Verbindung zwischen Online-Tracking und persönlicher Ansprache zu direkt und unerwartet war.

Für KMU bedeutet das: Setzen Sie Daten ein, um das Leben Ihrer Kunden einfacher zu machen, nicht um zu beweisen, dass Sie alles über sie wissen. Eine Empfehlung basierend auf früheren Käufen ist Service. Eine Werbeanzeige für ein Produkt, über das man sich gerade mit einem Freund unterhalten hat, ist „creepy“. Transparenz und ein spürbarer Mehrwert sind die beste Versicherung gegen den Vertrauensverlust.

Wie bringen Sie Kassendaten aus der Filiale mit dem Webshop zusammen?

Für viele Schweizer KMU mit physischen Standorten und einem Online-Shop existieren zwei getrennte Datenwelten: die Transaktionen an der Kasse (POS) und die Bestellungen im E-Commerce. Die grösste Chance für ein 360-Grad-Kundenverständnis liegt in der Zusammenführung dieser beiden Welten. Nur so können Sie erkennen, ob der Kunde, der online recherchiert, derselbe ist, der später im Laden kauft. Die technische Umsetzung muss jedoch kein millionenschweres IT-Projekt sein. Eine pragmatische Integration kann schrittweise erfolgen.

Die Relevanz dieser Integration ist enorm, denn das Kundenverhalten ist hybrid. Wie eine FHNW-Studie zeigt, kaufen 84% der Schweizer Bevölkerung online ein. Diese Online-Aktivität mit dem Offline-Kaufverhalten zu verknüpfen, ist der Schlüssel zur Optimierung des gesamten Kundenerlebnisses. Anstatt sofort eine komplexe „Customer Data Platform“ zu implementieren, können KMU mit einfachen, aber wirkungsvollen Massnahmen beginnen.

Hier sind einige pragmatische Integrationslösungen, die sich für Schweizer KMU bewährt haben:

  • Manueller Start: Beginnen Sie mit manuellen CSV-Exporten aus Ihrem Kassensystem (wie TCPOS oder Vectron) und Ihrem Webshop. Führen Sie diese Daten in einer einfachen Excel- oder Google-Sheets-Tabelle zusammen, um erste Muster zu erkennen.
  • API-Integration: Der nächste Schritt ist der Aufbau einer automatisierten Schnittstelle (API) zwischen Ihrer E-Commerce-Plattform (z.B. Shopify) und Ihrem Warenwirtschaftssystem (ERP).
  • Middleware nutzen: Für eine automatisierte Verbindung ohne aufwändige Programmierung eignen sich Middleware-Lösungen wie Zapier oder Make. Sie können als „Übersetzer“ zwischen verschiedenen Systemen fungieren.
  • Loyalty-Programm als Anker: Der effektivste Weg, Kunden über alle Kanäle hinweg zu identifizieren, ist ein zentrales Loyalty-Programm. Ob mit einer physischen Karte oder einer App – es gibt dem Kunden einen Anreiz, sich bei jeder Transaktion zu identifizieren.

Der entscheidende Punkt ist, klein anzufangen. Schon der einfache Abgleich von E-Mail-Adressen aus dem Newsletter-Verteiler mit den Kundendaten aus dem Webshop kann erste wertvolle Erkenntnisse über das kanalübergreifende Verhalten Ihrer Kunden liefern.

Webseite oder Ladenlokal: Wo entscheidet sich der Schweizer Kunde wirklich?

Die Annahme, dass der Kaufentscheid entweder rein online oder rein offline stattfindet, ist überholt. Für den modernen Schweizer Kunden ist die Customer Journey ein fliessender Prozess, der zwischen digitalen und physischen Berührungspunkten wechselt. Dieses Verhalten wird als „Phygital“ bezeichnet. Insbesondere bei hochwertigen oder beratungsintensiven Produkten dominiert ein klares Muster: Research Online, Purchase Offline (ROPO). Der Kunde informiert sich umfassend online, vergleicht Preise und Modelle, doch die finale Entscheidung fällt erst nach dem haptischen Erlebnis und der persönlichen Beratung im Geschäft.

Dieses Muster ist in der Schweizer Uhrenbranche besonders ausgeprägt. Kunden verbringen Stunden damit, online Spezifikationen und Designs zu studieren, aber der eigentliche Kaufakt findet überwiegend im Fachgeschäft statt.

Fallstudie: Phygital-Verhalten in der Schweizer Uhrenbranche

Analysen zeigen, dass in der Luxusuhrenbranche die finale Kaufentscheidung zu 73% im Fachgeschäft in Städten wie Zürich, Genf oder Basel fällt. Der Grund liegt im Bedürfnis nach dem haptischen Erlebnis – das Gewicht der Uhr am Handgelenk, das Spiel des Lichts auf dem Zifferblatt – und der vertrauensbildenden Wirkung einer persönlichen Beratung durch einen Experten. Die Webseite dient hier als Schaufenster und Informationsquelle, das Ladengeschäft als Bühne für die finale Entscheidung.

Für KMU bedeutet dies, dass die Webseite und das Ladenlokal keine Konkurrenten sind, sondern Partner im selben Team. Die Webseite muss die bestmögliche Vorbereitung für den Ladenbesuch bieten: detaillierte Produktinformationen, hochauflösende Bilder, transparente Preisangaben und idealerweise eine Anzeige der Verfügbarkeit im nächstgelegenen Geschäft.

Visualisierung der Customer Journey zwischen Online-Recherche und Ladenbesuch in der Schweiz

Der Moment der Wahrheit ist oft taktil, eine direkte Interaktion mit dem Produkt. Ihre Online-Präsenz sollte diesen Moment nicht ersetzen, sondern ihn vorbereiten und das Vertrauen schaffen, das den Kunden schliesslich über die Schwelle Ihres Geschäfts trägt. Die Messung des ROPO-Effekts (z.B. durch „Click & Collect“-Optionen oder exklusive Online-Gutscheine für den Laden) ist dabei ein wichtiger Datenpunkt, um den wahren Wert Ihrer Webseite zu bemessen.

Wie bauen Sie ein Reporting-Dashboard, das der CEO in 30 Sekunden versteht?

Für einen vielbeschäftigten Geschäftsführer ist Zeit die knappste Ressource. Ein 50-seitiger Monatsreport ist in der Praxis wertlos, weil niemand die Zeit hat, ihn zu lesen. Die Kunst eines guten Reportings liegt in der radikalen Reduktion auf das Wesentliche. Das Ziel muss sein, ein „30-Sekunden-Dashboard“ zu schaffen – eine einzige Seite, die dem CEO auf einen Blick den Gesundheitszustand des Unternehmens signalisiert und sofort klar macht, wo Handlungsbedarf besteht.

Ein solches Dashboard verzichtet auf Eitelkeitsmetriken („Vanity Metrics“) wie Seitenaufrufe oder die Anzahl der Follower. Stattdessen konzentriert es sich auf eine Handvoll entscheidungsrelevanter Kennzahlen (KPIs), die direkt mit den Geschäftszielen verknüpft sind. Anstatt nur Zahlen zu zeigen, nutzt es visuelle Hilfsmittel wie Ampelsysteme (rot/gelb/grün), Trendpfeile oder einfache Balkendiagramme, um den Status und die Entwicklung sofort verständlich zu machen. Der Fokus liegt auf Vergleichen (z.B. zum Vorjahr oder zum Budget), da eine einzelne Zahl ohne Kontext keine Aussagekraft hat.

Die Erstellung eines solchen Dashboards ist ein Prozess der Priorisierung und erfordert eine klare Definition der wichtigsten Geschäftsfragen. Die folgende Checkliste hilft Ihnen dabei, die wesentlichen Elemente für ein effektives CEO-Dashboard zu identifizieren und zu strukturieren.

Ihr Aktionsplan: Das 30-Sekunden-CEO-Dashboard

  1. Wichtigste KPIs definieren: Wählen Sie maximal 5-7 Kennzahlen, die den Geschäftserfolg direkt widerspiegeln (z.B. Umsatz, Bruttomarge, Neukunden, Cashflow).
  2. Visualisierung festlegen: Ordnen Sie jeder KPI die einfachste mögliche Visualisierung zu. Nutzen Sie ein Ampelsystem für Zielerreichung (YoY-Vergleich), einen Trendpfeil für Margenentwicklung und ein Balkendiagramm für Neukunden pro Kanal.
  3. Regionale Relevanz sichern: Fügen Sie einen Vergleich der Performance zwischen den Schlüsselregionen (Deutschschweiz, Romandie, Tessin) hinzu, um regionale Unterschiede schnell zu erkennen.
  4. Blick in die Zukunft wagen: Ergänzen Sie eine Cashflow-Prognose für die nächsten 90 Tage. Dies ist eine der wichtigsten Kennzahlen für die strategische Planung.
  5. Feedback einholen und iterieren: Präsentieren Sie den ersten Entwurf dem CEO und fragen Sie: „Verstehen Sie in 30 Sekunden, wo wir stehen und wo wir handeln müssen?“ Passen Sie das Dashboard basierend auf dem Feedback an.

Ein solches Dashboard ist mehr als nur ein Reporting-Tool. Es ist ein Kommunikationsinstrument, das sicherstellt, dass die gesamte Führungsebene auf der Basis derselben Fakten diskutiert und Entscheidungen trifft. Es demokratisiert die Daten, indem es sie für jeden verständlich und zugänglich macht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Smart Data vor Big Data: Konzentrieren Sie sich auf die Qualität und Relevanz Ihrer bestehenden Daten, anstatt riesige, unstrukturierte Datenmengen zu sammeln.
  • Pragmatismus als Prinzip: Beginnen Sie mit kleinen, konkreten Projekten und nutzen Sie Förderprogramme, anstatt sofort in teure, komplexe Systeme zu investieren.
  • Respekt vor der Privatsphäre: Nutzen Sie Personalisierung, um einen klaren Mehrwert für den Kunden zu schaffen, und vermeiden Sie jede Form der „gruseligen“ Überwachung, um das Vertrauen Ihrer Schweizer Kundschaft zu wahren.

Wie setzen Sie KI im Schweizer Marketing ein, um die Mehrsprachigkeit effizient zu managen?

Künstliche Intelligenz (KI) ist das nächste grosse Schlagwort nach „Big Data“. Doch auch hier gilt für Schweizer KMU: Statt grossen Visionen nachzujagen, sollten pragmatische Anwendungsfälle im Vordergrund stehen. Eines der grössten Potenziale für den Schweizer Markt liegt im effizienten Management der Mehrsprachigkeit. KI-Tools können hier weit mehr als nur eine simple Übersetzung liefern; sie können helfen, kulturelle Nuancen zu treffen.

Traditionelle Übersetzungs-Tools scheitern oft daran, den richtigen Ton für eine Marketingbotschaft in einer anderen Sprachregion zu finden. Hier setzen moderne KI-Sprachmodelle an. Sie können nicht nur übersetzen, sondern Inhalte adaptieren. Die Studie ‚KMU Digital Pulse 2025‘ zeigt, dass bereits 13% der Schweizer KI-Tools für die Suche nach KMU nutzen, was die zunehmende Relevanz der Technologie unterstreicht.

Ein besonders spannendes Projekt in diesem Bereich kommt direkt aus der Schweiz.

Fallstudie: Apertus, das Schweizer Open-Source-Sprachmodell

Die ETH Zürich und die EPFL haben mit Apertus ein transparentes KI-Sprachmodell entwickelt, das gezielt auf die Bedürfnisse der Schweiz ausgerichtet ist. Trainiert am CSCS-Supercomputer in Lugano, der mit Wasserkraft betrieben wird, bietet es eine nachhaltige und lokal verankerte Alternative zu den grossen amerikanischen Modellen. Erste Tests zeigen vielversprechende Ergebnisse bei der kulturellen Anpassung von Marketingtexten, um beispielsweise den unterschiedlichen Humor oder die verschiedenen Wertvorstellungen in der Deutschschweiz und der Romandie zu berücksichtigen.

Wie Simon Felix von der FHNW erklärt, liegt die Stärke dieser neuen Werkzeuge in ihrer Lernfähigkeit. Anstatt nur Wörter zu übersetzen, können sie lernen, den richtigen Ton zu treffen.

KI-Tools können nicht nur übersetzen, sondern auch den richtigen Ton für jede Sprachregion treffen, indem sie mit spezifischen Inhalten aus der Zielregion trainiert werden.

– Simon Felix, FHNW, Mitgründer Ateleris

Für ein KMU bedeutet dies konkret, dass Produktbeschreibungen, Social-Media-Posts oder Newsletter nicht nur übersetzt, sondern für jede Sprachregion „lokalisiert“ werden können. Dies steigert die Relevanz und die emotionale Verbindung zum Kunden erheblich und stellt einen echten, messbaren Wettbewerbsvorteil dar.

Um das volle Potenzial auszuschöpfen, ist es entscheidend zu verstehen, wie man KI gezielt für die sprachliche und kulturelle Anpassung einsetzt, anstatt sie nur als reines Übersetzungswerkzeug zu betrachten.

Beginnen Sie noch heute damit, Ihre vorhandenen Daten pragmatisch zu nutzen. Der erste Schritt ist nicht die grösste Investition, sondern die klügste Frage, die Sie an Ihre Daten stellen. Analysieren Sie eine konkrete Herausforderung und finden Sie heraus, welche Ihrer bestehenden Informationen Ihnen bei der Lösung helfen können.

Geschrieben von Lukas Zürcher, Data-Driven Marketing Experte und zertifizierter Datenschutzbeauftragter mit Fokus auf nDSG-Konformität und ROI-Messung. Technischer Analyst für digitale Ökosysteme und Tracking-Lösungen ohne Third-Party-Cookies.