
Die Wahl zwischen Briefkasten und Inbox ist keine Kanal-, sondern eine Investitionsentscheidung: Print ist ein Investment in Vertrauen und Wert, E-Mail in Effizienz und Skalierung.
- Physische Mailings erzielen in der digitalen Reizflut eine unerreichte Aufmerksamkeit und schaffen hohes Vertrauenskapital, besonders in der qualitätsbewussten Schweiz.
- Digitale Kanäle ermöglichen präzises Tracking und Automatisierung, bergen aber die Gefahr, in der Masse unterzugehen und ohne klare Strategie als Spam wahrgenommen zu werden.
Empfehlung: Analysieren Sie nicht die Kosten pro Kontakt, sondern den potenziellen qualitativen Kundenwert (Customer Lifetime Value). Weisen Sie Ihr Budget basierend auf dem strategischen Ziel (Markenbildung vs. schneller Abverkauf) zu, nicht basierend auf Kanalpräferenzen.
Als Marketing-Manager in der Schweiz stehen Sie täglich vor einer strategischen Zerreissprobe. Auf der einen Seite predigen digitale Evangelisten das Ende des Papiers und preisen die lückenlose Messbarkeit von E-Mail-Kampagnen. Auf der anderen Seite füllt sich Ihr eigener Briefkasten – und der Ihrer Kunden – weiterhin mit hochwertigen Mailings, die irgendwie mehr im Gedächtnis bleiben als die zehnte Verkaufs-E-Mail des Tages. Die Unsicherheit ist greifbar: Setzt man auf das vermeintlich veraltete, teure Print-Mailing oder auf die schnelle, aber oft ignorierte E-Mail? Ist Print wirklich tot oder erlebt es gerade eine Renaissance als Premium-Kanal?
Die gängige Antwort, man solle einfach „beides machen“, ist zwar nicht falsch, aber strategisch wertlos. Sie lässt die wichtigste Frage unbeantwortet: *Wann* und *warum* ist welcher Kanal die klügere Investition? Die Wahrheit ist, dass die Debatte „Print vs. Digital“ in der Schweiz obsolet ist. Es geht nicht mehr um einen Kampf der Kanäle, sondern um eine bewusste Zuweisung von Ressourcen, um ein spezifisches Ziel zu erreichen. Der Schlüssel liegt darin, die ökonomische und psychologische Rolle jedes Kanals im Schweizer Markt zu verstehen.
Stellen Sie sich Print nicht als Kostenstelle vor, sondern als Investition in Vertrauenskapital und wahrgenommenen Wert. Eine E-Mail hingegen ist eine Investition in Effizienz und die Skalierung von Kundenbeziehungen. Die wahre Frage für smarte Marketer ist nicht „Briefkasten oder Inbox?“, sondern „Welche Art von Kundenwert möchte ich generieren?“.
Dieser Artikel führt Sie durch die entscheidenden strategischen Überlegungen. Wir analysieren, wann ein physisches Mailing seine höheren Kosten durch eine tiefere Wirkung rechtfertigt, wie Sie die Brücke zwischen Print und Digital nahtlos schlagen und wie Sie Ihr Budget so verteilen, dass es maximalen Return on Investment generiert – basierend auf Daten und der einzigartigen Mentalität des Schweizer Marktes.
Um Ihnen eine klare Orientierung zu geben, gliedert sich unsere Analyse in acht Kernbereiche. Jeder Abschnitt beleuchtet eine kritische Facette, die Ihnen hilft, fundierte und profitable Entscheidungen für Ihr Direktmarketing zu treffen.
Inhaltsverzeichnis: Direktmarketing-Strategien für den Schweizer Markt
- Warum ein haptisches Mailing in Zeiten digitaler Überflutung mehr Aufmerksamkeit bekommt
- Wie verbinden Sie Print-Mailings nahtlos mit Ihrer Landingpage?
- Hohe Kosten pro Kontakt oder niedrige Öffnungsrate: Welches Übel wählen Sie?
- Der „Keine Werbung“-Kleber und wie Sie ihn respektieren müssen
- Wie Sie durch Adressbereinigung Ihre Retourenquote halbieren
- Wie verteilen Sie das Budget optimal zwischen Digital, Print und Out-of-Home?
- Rabattcode oder Service-Angebot: Was überzeugt den zögerlichen Schweizer Käufer?
- Wie erstellen Sie automatisierte E-Mail-Workflows, die Leads qualifizieren statt zu nerven?
Warum ein haptisches Mailing in Zeiten digitaler Überflutung mehr Aufmerksamkeit bekommt
In einer Welt, in der der durchschnittliche Büroangestellte über hundert E-Mails pro Tag erhält, ist die digitale Inbox zu einem lauten, überfüllten Marktplatz geworden. Aufmerksamkeit ist die härteste Währung. Genau hier spielt das physische Mailing seine grösste Stärke aus: Es ist ein Ereignis. Das Gefühl von hochwertigem Papier, ein kreatives Format oder sogar eine Warenprobe schafft eine multisensorische Erfahrung, die eine E-Mail niemals replizieren kann. In der Schweiz, wo Qualität und Wertigkeit tief in der Kultur verankert sind, ist dieser Effekt besonders ausgeprägt. Ein durchdachtes Mailing signalisiert Wertschätzung und Seriosität.
Die Zahlen bestätigen, dass der Briefkasten keineswegs verwaist ist. Laut aktuellen Zahlen der Stiftung Werbestatistik Schweiz landen jährlich über 2 Milliarden Werbesendungen in den Briefkästen. Diese beeindruckende Zahl zeigt nicht eine Übersättigung, sondern die anhaltende Relevanz des Kanals. Während viele digitale Nachrichten ungelesen gelöscht werden, wird ein physisches Mailing in die Wohnung getragen. Es liegt auf dem Küchentisch und hat die Chance, von mehreren Personen im Haushalt wahrgenommen zu werden – ein „Shared Media“-Effekt, den digitale Kanäle kaum erzielen.
Luxusmarken nutzen diesen Vorteil seit Langem mit aufwendigen Katalogen. Doch das Prinzip gilt branchenübergreifend. Ein lokaler Bio-Hof, der einen handgeschriebenen Brief auf Recyclingpapier versendet, baut ebenso Vertrauenskapital auf wie ein Finanzdienstleister mit einer edel gestalteten Broschüre. Der Schlüssel liegt in der Relevanz und der kreativen Umsetzung. Ein haptisches Mailing ist in der heutigen Aufmerksamkeitsökonomie kein Relikt, sondern ein Präzisionsinstrument, um aus der digitalen Masse herauszustechen.
Wie verbinden Sie Print-Mailings nahtlos mit Ihrer Landingpage?
Ein häufiges Missverständnis ist, Print als isolierten, nicht messbaren Kanal zu betrachten. Das Gegenteil ist der Fall: Ein modernes Print-Mailing ist der perfekte Startpunkt für eine messbare, digitale Customer Journey. Die Herausforderung besteht darin, die Brücke zwischen der physischen und der digitalen Welt so reibungslos und einladend wie möglich zu gestalten. Das stärkste Werkzeug dafür ist der QR-Code. Einst als Marketing-Gimmick belächelt, hat er sich durch die Pandemie im Alltag der Schweizer Bevölkerung fest etabliert und wird intuitiv genutzt.
Ein strategisch platzierter QR-Code auf Ihrem Mailing kann mehr als nur auf Ihre Homepage verlinken. Er kann den Empfänger direkt auf eine personalisierte Landingpage führen. Stellen Sie sich vor, ein Kunde erhält einen Flyer für ein neues Produkt. Der Scan des QR-Codes führt ihn auf eine Seite, auf der er mit Namen begrüsst wird („Hallo Herr Müller“) und ein Video sieht, das genau die Vorteile hervorhebt, die für sein Kundensegment relevant sind. Technisch lässt sich dies über personalisierte URLs (PURLs), die im QR-Code kodiert sind, einfach umsetzen.

Diese nahtlose Verbindung, wie im Bild dargestellt, macht nicht nur den Erfolg des Mailings messbar (Anzahl der Scans, Verweildauer auf der Seite, Conversion), sondern steigert auch die Relevanz für den Kunden. Sie können verschiedene QR-Codes für unterschiedliche Angebote oder Zielgruppen verwenden, um A/B-Tests durchzuführen und Ihre Print-Kampagne kontinuierlich zu optimieren. Wichtig ist, den Anreiz für den Scan klar zu kommunizieren: „Scannen Sie für ein exklusives Video“, „Ihr persönliches Angebot wartet“ oder „Jetzt teilnehmen und gewinnen“.
Hohe Kosten pro Kontakt oder niedrige Öffnungsrate: Welches Übel wählen Sie?
Die Gegenüberstellung ist klassisch: Ein Print-Mailing kostet pro Kontakt schnell einen Franken oder mehr, während eine E-Mail nur wenige Rappen kostet. Auf den ersten Blick scheint die Entscheidung klar. Doch diese Betrachtung ist gefährlich kurzsichtig. Die entscheidende Frage ist nicht „Was kostet ein Kontakt?“, sondern „Was kostet eine wertvolle Interaktion?“. Eine E-Mail, die mit einer Öffnungsrate von 20 % und einer Klickrate von 2 % im Branchenstandard liegt, wird von 98 % der Empfänger effektiv ignoriert. Die Kosten pro Klick können so schnell die Kosten eines physischen Mailings übersteigen.
Eine Studie von GMX und MindTake zeigt, dass zwar 91,5 % der Schweizer E-Mail täglich nutzen, aber diese Nutzung ist von Effizienz geprägt: schnell scannen, filtern und löschen. Im Gegensatz dazu wird ein physisches Mailing bewusst wahrgenommen. Die „Öffnungsrate“ eines Briefes liegt bei nahezu 100 %. Die wahre Metrik ist hier die „Consideration Rate“ – die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Empfänger inhaltlich mit Ihrer Botschaft auseinandersetzt. Und diese ist bei einem wertigen Mailing ungleich höher.
Die Wahl des „kleineren Übels“ hängt also vollständig von Ihrem strategischen Ziel ab. Geht es um einen schnellen Abverkauf an eine grosse Bestandskundenliste, bei der die Kosten pro Conversion entscheidend sind? Dann ist die E-Mail oft der effizientere Weg. Geht es darum, einen potenziellen A-Kunden mit hohem Customer Lifetime Value (CLV) zu gewinnen, bei dem der erste Eindruck zählt und Vertrauen aufgebaut werden soll? Dann ist der höhere Preis pro Kontakt für ein Print-Mailing ein gut investiertes Präzisions-Investment.
Die folgende Übersicht zeigt eine vereinfachte Kosten-Nutzen-Analyse für typische Schweizer KMU, die verdeutlicht, dass die Kanäle unterschiedliche Stärken haben.
| Kanal | Kosten pro Kontakt | Conversion Rate | ROI-Potenzial |
|---|---|---|---|
| B-Post Mailing (inkl. Druck) | CHF 0.85-1.50 | 2-5% | Hoch bei CLV-Fokus |
| Google Ads Schweiz | CHF 0.50-3.00 | 1-3% | Mittel, schnell messbar |
| E-Mail (gekaufte Adressen) | CHF 0.05-0.20 | 0.5-2% | Niedrig-Mittel |
Der „Keine Werbung“-Kleber und wie Sie ihn respektieren müssen
In kaum einem anderen Land hat der „Bitte keine Werbung“-Kleber eine so hohe Akzeptanz und rechtliche Verbindlichkeit wie in der Schweiz. Ihn zu ignorieren ist nicht nur ein Fauxpas, der das Image schädigt, sondern ein handfester Rechtsverstoss. Das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) ist hier unmissverständlich: Wer unadressierte Werbung in einen entsprechend markierten Briefkasten wirft, handelt widerrechtlich. Dies ist keine graue Theorie, sondern gelebte Praxis, die von Konsumenten und der Lauterkeitskommission ernst genommen wird.
Die potenziellen Konsequenzen sind nicht zu unterschätzen. Gemäss Art. 23 UWG können Verstösse im Extremfall mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden. Auch wenn es selten so weit kommt, zeigen regelmässige Rügen durch die Schweizerische Lauterkeitskommission (SLK), dass die Regeln durchgesetzt werden. Ein professioneller Direktmarketing-Ansatz in der Schweiz beginnt daher immer mit dem Respekt vor diesem Wunsch.
Anstatt den Kleber als Hindernis zu sehen, sollten smarte Marketer ihn als ersten, passiven Qualifizierungsschritt betrachten. Ein Briefkasten ohne Kleber signalisiert eine grundsätzliche Offenheit für kommerzielle Angebote. Dies bedeutet aber nicht, dass der Inhalt beliebig sein darf. Die Toleranz für irrelevante oder billig gemachte Werbung ist auch hier gering. Der Kleber ist somit ein klares Mandat für höhere Relevanz und Qualität in der unadressierten Werbung.
Praxisbeispiel: Massnahme gegen Food Star Zug
Ein aktueller Fall aus dem Jahr 2024 unterstreicht die Ernsthaftigkeit der Lage. Die Schweizerische Lauterkeitskommission verhängte eine Massnahme gegen die Food Star (Schweiz) AG in Zug. Der Grund: Das Unternehmen hatte wiederholt unadressierte Werbeflyer in Briefkästen verteilt, die deutlich mit einem „Stopp Werbung“-Kleber versehen waren. Dieser Entscheid der Lauterkeitskommission macht deutlich, dass die Missachtung des Konsumentenwillens aktiv verfolgt und sanktioniert wird, was den Reputationsschaden für die Marke noch verstärkt.
Wie Sie durch Adressbereinigung Ihre Retourenquote halbieren
Bei adressierten Mailings ist die Qualität der Adressdaten der grösste Hebel für Effizienz und Kosteneinsparung. Jede Retoure ist pures Geld, das Sie für Druck, Porto und Handling aus dem Fenster werfen. Schlimmer noch: Sie verpassen die Chance, einen potenziellen Kunden zu erreichen, und hinterlassen im schlimmsten Fall einen unprofessionellen Eindruck beim neuen Bewohner der Adresse. In der Schweiz mit ihrer traditionell hohen Umzugsrate ist eine regelmässige und professionelle Adressbereinigung daher keine Option, sondern eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit.
Eine professionelle Adressbereinigung geht weit über die simple Korrektur von Tippfehlern hinaus. Sie umfasst mehrere Stufen, um die Zustellbarkeit zu maximieren und die Einhaltung des neuen Datenschutzgesetzes (nDSG), das seit September 2023 in Kraft ist, zu gewährleisten. Das Gesetz fordert den Grundsatz der Datenrichtigkeit, was eine proaktive Pflege der Adressdatenbanken impliziert. Anbieter wie KünzlerBachmann Directmarketing AG bieten mit Systemen wie kbDATA umfassende Lösungen an, die auf jahrzehntelanger Erfahrung und riesigen Datenuniversen basieren, um Dubletten, Umzüge und ungültige Adressen zuverlässig zu identifizieren.
Die Investition in Adressmanagement-Services zahlt sich schnell aus. Eine Senkung der Retourenquote um nur wenige Prozentpunkte kann bei grossen Aussendungen bereits Tausende von Franken sparen. Zudem verbessert eine saubere Datenbank die Segmentierungsmöglichkeiten und stellt sicher, dass Ihre teuer produzierten Mailings auch wirklich die richtigen Personen erreichen. Es ist ein klassischer Fall, bei dem eine kleine Investition im Vorfeld grosse Verluste im Nachhinein verhindert.
Ihr Plan zur Adressqualität nach nDSG
- Dublettenabgleich: Identifizieren Sie mehrfache Einträge derselben Person oder desselben Haushalts in Ihrer Datenbank. Spezialisierte Software nutzt phonetische und fehlertolerante Algorithmen, um auch ähnliche Schreibweisen (z.B. Meier, Meyer, Maier) zu erkennen und zu konsolidieren.
- Umzugsabgleich: Nutzen Sie die offiziellen Umzugsdatenbanken, beispielsweise über Services der Schweizerischen Post. Angesichts der hohen Umzugsrate in der Schweiz ist dies der wichtigste Schritt, um Retouren zu vermeiden und die Daten aktuell zu halten.
- Validierung und Anreicherung: Gleichen Sie Ihre Adressen gegen offizielle Verzeichnisse ab, um die Korrektheit von Strassennamen, Postleitzahlen und Ortschaften zu garantieren. Dies erfüllt nicht nur den Grundsatz der Datenrichtigkeit gemäss nDSG, sondern ermöglicht auch eine Anreicherung mit soziodemografischen Merkmalen für eine präzisere Zielgruppenansprache.
- Robinsonliste prüfen: Stellen Sie sicher, dass Ihre Adressliste gegen die offizielle Robinsonliste der SDV (Schweizer Dialogmarketing Verband) abgeglichen wird, um Personen, die explizit keine adressierte Werbung wünschen, auszuschliessen.
- Prozess etablieren: Definieren Sie einen festen Rhythmus (z.B. quartalsweise) für die Adressbereinigung und machen Sie diesen Prozess zu einem festen Bestandteil Ihrer Kampagnenplanung, anstatt ihn nur als einmalige Aktion zu betrachten.
Wie verteilen Sie das Budget optimal zwischen Digital, Print und Out-of-Home?
Die Frage nach dem perfekten Budget-Split hat keine universelle Antwort. Die optimale Verteilung hängt von drei zentralen Faktoren ab: Ihrer Branche, Ihrer Zielgruppe und Ihrem konkreten Kampagnenziel. Ein Finanzdienstleister, der mit einem hochwertigen Mailing Vertrauen bei vermögenden Privatkunden aufbauen will (Ziel: Markenbildung, Prestige), wird sein Budget anders allozieren als ein urbaner Retailer, der über digitale Anzeigen und E-Mail einen schnellen Abverkauf starten möchte (Ziel: kurzfristige Conversion).
Anstatt in starren Kanal-Silos zu denken, sollten Sie Ihr Budget entlang der Customer Journey verteilen. Out-of-Home (OOH) und breiter gestreute Print-Anzeigen eignen sich hervorragend für die erste Phase der „Awareness“. Hochwertige, personalisierte Print-Mailings und segmentierte E-Mail-Kampagnen sind ideal für die „Consideration“- und „Conversion“-Phase. Digitale Retargeting-Anzeigen und E-Mail-Newsletter dienen der „Loyalty“-Phase, um Kunden zu binden. Die Werbestatistik Schweiz 2025 zeigt, dass allein die Verteilkosten für Direktwerbung einen Wert von 733 Millionen CHF erreichen, was die enorme wirtschaftliche Bedeutung des physischen Kanals unterstreicht.
Die geografische Lage in der Schweiz spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle. In städtischen Gebieten wie Zürich oder Genf mit einer digital-affinen Bevölkerung mag der Digital-Anteil höher sein. In ländlicheren Regionen wie dem Wallis oder Graubünden, wo lokale Printmedien und der persönliche Kontakt eine stärkere Rolle spielen, kann ein höherer Print-Anteil sinnvoller sein. Flexibilität und Testbereitschaft sind hier entscheidend.

Die folgende Tabelle bietet eine grobe Orientierung für branchenspezifische Budget-Splits in der Schweiz, die als Ausgangspunkt für Ihre eigene strategische Planung dienen kann.
| Branche | Digital | Out-of-Home | |
|---|---|---|---|
| Finanzsektor | 40% (Lead Gen) | 40% (Prestige) | 20% (Flughäfen) |
| Lokaler Tourismus | 30% (Buchungen) | 50% (Broschüren) | 20% (vor Ort) |
| Retail Urban (ZH, GE) | 60% | 20% | 20% |
| KMU Ländlich (VS, GR) | 30% | 50% | 20% |
Rabattcode oder Service-Angebot: Was überzeugt den zögerlichen Schweizer Käufer?
Die Schweizer Konsumentenmentalität ist ein entscheidender Faktor, der oft unterschätzt wird. Während in anderen Märkten reine Preisnachlässe und aggressive Rabattcodes starke Treiber sind, reagiert der Schweizer Käufer oft zurückhaltender. Qualität, Langlebigkeit und guter Service werden häufig höher bewertet als der niedrigste Preis. Dies bedeutet nicht, dass Anreize nicht funktionieren, aber sie müssen intelligenter gestaltet sein. Anstatt nur auf prozentuale Nachlässe zu setzen, können wertsteigernde Angebote oft überzeugender sein.
Studien zum E-Mail-Marketing in der DACH-Region zeigen, dass Personalisierung und Datenqualität für Schweizer Unternehmen höchste Priorität haben. Dies spiegelt das Bedürfnis wider, relevante statt nur günstige Angebote zu machen. Ein zögerlicher Kunde im Premium-Segment lässt sich eher von einer kostenlosen Garantieverlängerung, einem exklusiven Beratungsgespräch oder einem Upgrade auf einen schnelleren Lieferservice überzeugen als von „10 % Rabatt“. Diese Angebote unterstreichen den Wert des Produktes, anstatt ihn durch einen Rabatt zu schmälern.
Die Wahl des richtigen Anreizes sollte stark segmentiert erfolgen. Jüngere, urbane Zielgruppen, insbesondere in der Westschweiz, sind tendenziell offener für klassische Rabattcodes und zeitlich begrenzte Sales-Aktionen. Ältere Zielgruppen in der Deutschschweiz oder B2B-Kunden schätzen hingegen oft Angebote, die Sicherheit, Komfort oder einen Wissensvorsprung versprechen. Ein „Value-Added-Service“ wie eine kostenlose Schulung zum gekauften Software-Produkt kann hier eine weitaus höhere Conversion erzielen als ein simpler Preisnachlass. Der Anreiz muss die Sprache und die Werte der Zielgruppe sprechen.
Das Wichtigste in Kürze
- Print ist ein Aufmerksamkeits-Investment: In der digitalen Flut schafft ein physisches Mailing eine unerreichte Wahrnehmung und signalisiert Wertigkeit.
- Digital ist ein Effizienz-Investment: E-Mail und digitale Kanäle ermöglichen Skalierung, Automatisierung und präzise Messbarkeit, erfordern aber höchste Relevanz.
- Strategie schlägt Kanal: Die Wahl des Kanals muss dem Ziel (Markenbildung vs. Abverkauf) und der Zielgruppe folgen, nicht einer pauschalen Präferenz.
Wie erstellen Sie automatisierte E-Mail-Workflows, die Leads qualifizieren statt zu nerven?
Die grosse Stärke des E-Mail-Marketings liegt in der Automatisierung. Einmal aufgesetzt, können E-Mail-Workflows (oder „Drip-Kampagnen“) Leads über Wochen und Monate hinweg bearbeiten, qualifizieren und zur Kaufreife führen – theoretisch. In der Praxis enden viele dieser Automatisierungen als nervtötende Spam-Schleudern, die mehr Abmeldungen als Käufe generieren. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in Relevanz, Timing und dem Respekt vor der Zeit des Empfängers.
Ein effektiver Workflow beginnt mit einem klaren Auslöser (Trigger), z.B. dem Download eines Whitepapers. Die erste E-Mail sollte sofort folgen und den versprochenen Inhalt liefern, mehr nicht. Die folgenden E-Mails dürfen nicht einfach nur Verkaufsinhalte senden. Sie müssen einen Mehrwert bieten: ein Link zu einem weiterführenden Blogartikel, eine Einladung zu einem kostenlosen Webinar, eine Checkliste. Jede E-Mail sollte den Lead auf seiner Wissensreise einen Schritt weiterbringen. Die Frequenz ist dabei entscheidend; das „Schweizer Frequenz-Modell“ – Qualität vor Quantität – bewährt sich auch hier. Besser eine wertvolle E-Mail pro Woche als drei irrelevante pro Tag.
Moderne E-Mail-Systeme ermöglichen zudem eine dynamische Segmentierung innerhalb des Workflows. Hat ein Lead auf einen Link zu „Thema A“ geklickt? Dann erhält er in Zukunft mehr Inhalte zu diesem Thema. Hat er eine E-Mail ignoriert? Dann wird die Frequenz vielleicht reduziert. Diese Verhaltensbasierte Steuerung verwandelt einen starren E-Mail-Fluss in einen intelligenten Dialog. Und vergessen Sie die Stereotypen: Laut der E-Mail-Marktstudie Schweiz nutzen auch satte 98,8 % der 60- bis 69-Jährigen täglich E-Mails. Der Kanal ist also generationenübergreifend relevant, solange der Inhalt stimmt.
Nachdem Sie die strategischen Nuancen beider Kanäle verstanden haben, besteht der nächste Schritt darin, Ihre eigene Strategie zu auditieren und die richtigen Werkzeuge für eine präzise Umsetzung auszuwählen.
Häufige Fragen zu Direktmarketing in der Schweiz
Welche Einwilligung brauche ich für E-Mail-Werbung in der Schweiz?
Grundsätzlich ist eine explizite Einwilligung (Opt-in) des Empfängers erforderlich. Eine wichtige Ausnahme besteht für Bestandskunden: Ihnen dürfen Werbe-E-Mails für ähnliche Produkte oder Dienstleistungen gesendet werden, sofern sie beim ursprünglichen Kauf transparent über diese Möglichkeit informiert wurden und eine einfache Abmeldeoption (Opt-out) besteht.
Wie erfülle ich die Informationspflichten gemäss nDSG?
Ihre Datenschutzerklärung muss klar und verständlich sein. Sie muss mindestens Ihre vollständigen Kontaktdaten, den Zweck der Datenbearbeitung (z.B. „Versand von Marketing-Newslettern“) und die Empfänger der Daten enthalten. Wenn Sie externe Tools wie Mailchimp oder HubSpot verwenden, die Daten ausserhalb der Schweiz verarbeiten, müssen Sie darauf hinweisen.
Welche Frequenz ist für Schweizer E-Mail-Empfänger optimal?
Es gibt keine goldene Regel, aber das „Schweizer Frequenz-Modell“ hat sich bewährt: Qualität vor Quantität. Schweizer Empfänger reagieren tendenziell negativ auf eine zu hohe Versandfrequenz. Beginnen Sie mit einer niedrigeren Frequenz (z.B. einmal pro Monat oder alle zwei Wochen) und bieten Sie in jeder E-Mail einen hohen, klar erkennbaren Nutzwert. Testen Sie dann vorsichtig, ob eine höhere Frequenz zu mehr Engagement oder mehr Abmeldungen führt.