
Eine lebendige Community ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer klaren Strategie: Behandeln Sie sie wie einen Schweizer Verein, nicht wie einen Social-Media-Kanal.
- Passive Follower werden zu aktiven Mitgliedern, wenn sie einen klaren Zweck und eine Struktur erkennen, die über blosse Inhalte hinausgeht.
- Die Plattformwahl und Gamification müssen auf den lokalen „Vereinsgeist“ und Schweizer Werte wie Datenschutz abgestimmt sein, um echte Beteiligung zu fördern.
Empfehlung: Migrieren Sie Ihre Follower gezielt mit einem 4-Wochen-Plan, der Exklusivität und ein Gefühl der Zugehörigkeit verspricht, um von Anfang an eine engagierte Basis zu schaffen.
Sie haben es wahrscheinlich schon erlebt: Mit grosser Hoffnung starten Sie eine Facebook-Gruppe, einen Discord-Server oder ein Forum. Die ersten Tage sind voller Energie, doch dann… Stille. Die anfängliche Begeisterung verpufft, und Ihre Community wird zu einer digitalen Geisterstadt. Sie fragen sich, was Sie falsch gemacht haben. Die üblichen Ratschläge – „poste regelmässig“, „sei authentisch“, „interagiere mehr“ – fühlen sich an wie das Füttern eines bodenlosen Lochs.
Die meisten Marketer scheitern, weil sie eine Community als einen weiteren Kanal betrachten, der mit Inhalten bespielt werden muss. Sie denken in Algorithmen, Reichweite und Engagement-Metriken. Doch das ist der Kern des Problems. Eine Community ist kein Kanal; sie ist ein sozialer Organismus. Es geht nicht darum, Menschen zu unterhalten, sondern ihnen einen Ort zu geben, an dem sie dazugehören und sich einbringen können. In der Schweiz nutzen laut Statista-Daten fast 69% der Bevölkerung täglich soziale Medien, doch dieser Konsum ist meist passiv.
Was wäre, wenn der Fehler nicht in der Frequenz Ihrer Posts liegt, sondern in der grundlegenden Denkweise? Was, wenn die Lösung in einem Konzept steckt, das in der Schweiz tief verwurzelt ist und jeder versteht: dem Verein? Ein Verein hat einen Zweck, Statuten, Mitglieder mit unterschiedlichen Rollen und einen gemeinsamen Geist. Er lebt nicht von einem Entertainer, sondern von der Beteiligung aller. Genau diese Prinzipien lassen sich auf die digitale Welt übertragen.
Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie Sie aufhören, einen leeren Raum zu bespielen, und stattdessen einen lebendigen digitalen Verein gründen. Wir werden die Psychologie hinter der mangelnden Beteiligung entschlüsseln, die richtige Plattform wie ein Vereinslokal auswählen und mit Gamification einen echten „Vereinsgeist“ entfachen, der Ihre Mitglieder motiviert, langfristig dabeizubleiben und Ihre Marke aktiv mitzugestalten.
Um diese Transformation von passiven Followern zu engagierten Mitgliedern zu meistern, haben wir die wichtigsten strategischen Schritte für Sie zusammengefasst. Der folgende Leitfaden führt Sie durch die entscheidenden Phasen beim Aufbau Ihrer digitalen Gemeinschaft.
Inhaltsverzeichnis: Ihr Wegweiser zur lebendigen digitalen Gemeinschaft
- Warum nur 1% Ihrer Nutzer Inhalte erstellen und wie Sie damit umgehen
- Facebook-Gruppe, Discord oder eigene Software: Wo trifft sich Ihre Zielgruppe?
- Regeln durchsetzen oder Freiheit lassen: Wie viel Führung braucht die Community?
- Das Risiko, eine Plattform zu launchen, ohne genug Content-Seeding zu betreiben
- Wie Sie durch Gamification die Beteiligung Ihrer Nutzer verdoppeln
- Wie entschärfen Sie einen Shitstorm auf Social Media, bevor er die Schweizer Presse erreicht?
- Warum Discord oder Telegram für bestimmte Marken wichtiger werden als Instagram
- Wie wandeln Sie passive Follower in eine aktive Community um, die mit Ihrer Marke spricht?
Warum nur 1% Ihrer Nutzer Inhalte erstellen und wie Sie damit umgehen
Die 90-9-1-Regel ist eine ernüchternde Realität im Internet: 90% der Nutzer sind nur stille Mitleser („Lurker“), 9% beteiligen sich gelegentlich, und nur 1% erstellt den Grossteil der neuen Inhalte. Anstatt gegen diese menschliche Natur zu kämpfen, sollten wir sie annehmen und strategisch nutzen. In der Vereinslogik ist das völlig normal: Nicht jeder will im Vorstand sein. Die 1% sind Ihr „harter Kern“, Ihr digitaler Vorstand. Ihre Aufgabe ist es nicht, alle 100% zum Posten zu zwingen, sondern die 1% zu identifizieren, zu fördern und zu feiern.
In der Schweiz hat sich der Beruf des Content Creators fest etabliert. Wie eine Analyse der Content Creator Akademie zeigt, ist dies ein gefragtes Berufsfeld, in dem Profis für ihre Arbeit bezahlt werden. Warum sollte also jemand in Ihrer Community diese Arbeit umsonst leisten? Die Antwort liegt in nicht-monetären Anreizen: Status, Anerkennung und exklusiver Zugang. Machen Sie Ihre 1% zu offiziellen „Community-Experten“ oder „Pionieren“. Geben Sie ihnen frühzeitig Zugang zu neuen Informationen, laden Sie sie zu exklusiven virtuellen Gesprächsrunden ein oder geben Sie ihnen eine sichtbare Rolle, z.B. durch ein spezielles Abzeichen neben ihrem Namen.
Die restlichen 99% sind ebenso wertvoll. Die 9% sind Ihre engagierten Mitglieder, die auf Umfragen reagieren, Kommentare schreiben und liken. Ihre Rolle ist es, die Inhalte der 1% zu validieren und die Diskussion am Leben zu halten. Die 90% bilden das Publikum; sie geben der Community ihre Grösse und Reichweite. Ihre Aufgabe ist es, den passiven Konsum so einfach und wertvoll wie möglich zu machen, sodass sie dabeibleiben und vielleicht eines Tages in die Gruppe der 9% aufsteigen. Akzeptieren Sie diese Rollenverteilung als gesunde Struktur Ihres Vereins.
Facebook-Gruppe, Discord oder eigene Software: Wo trifft sich Ihre Zielgruppe?
Die Wahl der Plattform ist die Wahl Ihres „Vereinslokals“. Sie muss zur Kultur und den Bedürfnissen Ihrer Mitglieder passen. Eine junge Gaming-Community fühlt sich auf Discord zu Hause, während eine Gruppe von B2B-Experten möglicherweise eine geschlossene LinkedIn-Gruppe oder eine eigene White-Label-Lösung bevorzugt. Der Fehler vieler Marketer ist, die Plattform nach eigenen Vorlieben oder der grössten Reichweite auszuwählen, anstatt zu fragen: Wo halten sich meine „Gründungsmitglieder“ bereits auf und welche Funktionen brauchen sie wirklich?
In der Schweiz spielt der Datenschutz eine immer wichtigere Rolle. Während Plattformen wie Facebook eine enorme Nutzerbasis bieten, wächst das Misstrauen gegenüber der Datenverarbeitung. Dienste wie Telegram oder die Schweizer Alternative Teleguard punkten mit einem Versprechen auf mehr Privatsphäre. Die Wahl der Plattform ist daher auch ein starkes Statement über die Werte Ihrer Marke. Kommunizieren Sie proaktiv, warum Sie sich für ein bestimmtes „Vereinslokal“ entschieden haben, insbesondere wenn es um den Schutz der Daten Ihrer Mitglieder geht.

Jede Plattform hat eine eigene DNA. Discord ist chaotisch, lebendig und ideal für Sprach-Chats. Ein Forum ist strukturiert, textbasiert und perfekt für tiefgehende Diskussionen. Eine eigene Software bietet maximale Kontrolle und Branding-Möglichkeiten, erfordert aber den grössten Aufwand, um Mitglieder anzuziehen. Führen Sie eine ehrliche Analyse durch: Dient Ihre Community dem schnellen Austausch, dem tiefen Wissensaufbau oder der sozialen Vernetzung? Die Antwort bestimmt die Wahl des Ortes.
Die folgende Tabelle gibt einen schnellen Überblick über beliebte Plattformen im Schweizer Kontext und hilft Ihnen bei der Entscheidung für das richtige digitale Zuhause Ihrer Community.
| Plattform | Datenschutz | Eignung für Schweiz | Hauptvorteile |
|---|---|---|---|
| Discord | Keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung | Gaming & junge Zielgruppen | Voice-Chat, Community-Features, Bot-Integration |
| Telegram | Server-Client-Verschlüsselung (Standard) | Breite Nutzerbasis | Große Gruppen (bis 200.000), Cloud-Speicher |
| Teleguard (Schweiz) | Ende-zu-Ende-Verschlüsselung | Datenschutzbewusste Schweizer | Schweizer Technologie, DSGVO-konform |
Regeln durchsetzen oder Freiheit lassen: Wie viel Führung braucht die Community?
Ein Verein ohne Statuten versinkt im Chaos. Genauso braucht eine Online-Community klare, faire und konsequent durchgesetzte Regeln. Diese „digitalen Statuten“ sind kein Zeichen von Misstrauen, sondern ein Akt der Fürsorge. Sie schaffen einen sicheren Raum, in dem sich Mitglieder respektiert fühlen und gerne beteiligen. Zu viel Freiheit führt oft nicht zu Kreativität, sondern zur Herrschaft der Lautesten, zu Trolling oder zu Off-Topic-Diskussionen, die den eigentlichen Zweck der Community untergraben.
Der Schlüssel liegt in der Balance. Die Regeln sollten den Zweck der Gemeinschaft widerspiegeln und nicht nur eine Liste von Verboten sein. Formulieren Sie sie positiv: „Wir pflegen einen respektvollen Umgang“ statt „Beleidigungen sind verboten“. Machen Sie die Regeln von Anfang an sichtbar und lassen Sie neue Mitglieder beim Eintritt aktiv zustimmen. Dies schafft ein klares Bekenntnis. Wie die Redaktion von ngin.de in ihrem Guide betont, ist eine gut geführte Community ein entscheidender Wachstumshebel:
Eine aktive YouTube Community ist 2025 der vielleicht wichtigste Hebel für nachhaltiges Wachstum.
– ngin.de Redaktion, YouTube Community Guide für Creators
Die Durchsetzung ist genauso wichtig wie die Erstellung der Regeln. Seien Sie konsequent. Wenn eine Regel gebrochen wird, muss eine sichtbare, aber faire Reaktion folgen. Das kann eine öffentliche Ermahnung, eine private Nachricht oder im Wiederholungsfall der Ausschluss aus der Gruppe sein. Delegieren Sie diese Aufgabe an vertrauenswürdige Moderatoren – den „Schiedsrichtern“ Ihres Vereins. Sie sind das Immunsystem Ihrer Community und sorgen dafür, dass der Raum für alle Mitglieder positiv bleibt. Führung bedeutet hier nicht Kontrolle, sondern das Schaffen und Schützen einer positiven Kultur.
Das Risiko, eine Plattform zu launchen, ohne genug Content-Seeding zu betreiben
Stellen Sie sich vor, Sie eröffnen ein neues Vereinslokal, aber zur Eröffnungsfeier kommt niemand. Oder schlimmer: Es kommen ein paar Leute, aber der Raum ist leer, es gibt keine Musik, keine Getränke, keine Gespräche. Genau das passiert, wenn Sie eine Community-Plattform starten, ohne sie vorher mit Inhalten und Leben zu füllen. Dieser Fehler, das sogenannte „Cold Start“-Problem, ist einer der häufigsten Gründe für das Scheitern von Communities.
Content-Seeding bedeutet, die Plattform vor dem offiziellen Launch strategisch mit wertvollen Inhalten, Diskussionen und Mitgliedern zu bestücken. Es geht darum, den ersten Besuchern das Gefühl zu geben, dass sie an einen belebten Ort kommen, an dem bereits etwas los ist. Niemand will der Erste sein, der auf einer leeren Tanzfläche tanzt. Beginnen Sie damit, selbst die ersten 5-10 Diskussionen zu starten. Stellen Sie interessante Fragen, teilen Sie exklusive Einblicke und erstellen Sie nützliche Ressourcen, die sofort einen Mehrwert bieten.
Erfolgsmodell der Swiss Creator Academy
Ein hervorragendes Beispiel für gelungenes Content-Seeding in der Schweiz ist die Swiss Creator Academy. Anstatt eine leere Plattform zu launchen, haben sie von Anfang an über 25 anerkannte Experten und Creators als „Gründungsmitglieder“ an Bord geholt. Diese haben die Plattform mit ihrem Wissen gefüllt und sofort eine hohe Relevanz und Anziehungskraft für neue Mitglieder geschaffen. Der zusätzliche Anreiz eines HWZ-Zertifikats und die Einladung zu den Swiss Influence Awards zeigt, wie man durch exklusive Vorteile eine starke Sogwirkung erzeugt.
Der wichtigste Schritt ist jedoch das „Member-Seeding“: Laden Sie eine kleine, handverlesene Gruppe von 10-20 loyalen Followern, Kunden oder Branchenkollegen vorab in die Community ein. Behandeln Sie sie wie VIP-Gründungsmitglieder. Bitten Sie sie aktiv um Feedback und ermutigen Sie sie, die ersten Gespräche zu starten. Wenn die Community dann offiziell für alle geöffnet wird, treffen neue Mitglieder nicht auf einen leeren Raum, sondern auf eine bereits aktive und einladende Gruppe. Sie haben das Feuer entfacht, bevor die Gäste eintreffen.
Wie Sie durch Gamification die Beteiligung Ihrer Nutzer verdoppeln
Sobald Ihre Community läuft, stellt sich die Frage: Wie hält man die Mitglieder bei Laune? Die Antwort liegt im „Vereinsleben“. Ein guter Verein bietet mehr als nur Sitzungen; er hat Feste, Wettbewerbe und Ehrungen. Im digitalen Raum heisst dieses Prinzip Gamification. Es geht darum, spielerische Elemente zu nutzen, um die Beteiligung zu fördern und intrinsische Motivationen wie Status, Wettbewerb und Sammeltrieb anzusprechen.
Vergessen Sie generische Punktesysteme. Der Schlüssel zu erfolgreicher Gamification in der Schweiz liegt in der kulturellen Anpassung. Anstatt Nutzer „Level 10“ erreichen zu lassen, können sie den „Pilatus-Gipfel“ erklimmen. Statt globaler Bestenlisten können Sie einen Wettbewerb zwischen „Kantons-Teams“ ausrufen. Nutzen Sie die vertraute Vereinsstruktur, indem Sie aktive Mitglieder zu „Ehrenmitgliedern“ oder zum „Community-Vorstand“ ernennen. Diese Titel kosten nichts, schaffen aber ein enormes Gefühl der Anerkennung und Zugehörigkeit.

Belohnungen müssen nicht teuer sein. Oft sind nicht-materielle Anreize am effektivsten. Exklusiver Zugang zu einem „Experten-Apéro“ (einem Live-Q&A mit Ihnen oder einem Gast), ein persönlicher Dankes-Post oder die Möglichkeit, das Thema des nächsten Monats mitzubestimmen, können Wunder wirken. Materielle Preise sollten ebenfalls einen lokalen Bezug haben – ein Gutschein von Digitec oder Galaxus wird in der Schweiz mehr geschätzt als ein generischer Amazon-Gutschein.
Das Ziel von Gamification ist nicht, die Nutzer zu manipulieren, sondern ihre Beiträge sichtbar zu machen und zu würdigen. Es verwandelt passive Beteiligung in ein unterhaltsames Spiel und schafft einen positiven Kreislauf: Aktivität führt zu Anerkennung, und Anerkennung führt zu mehr Aktivität. So entsteht ein lebendiger und nachhaltiger Vereinsgeist.
Wie entschärfen Sie einen Shitstorm auf Social Media, bevor er die Schweizer Presse erreicht?
Jede Community, jeder Verein, hat auch Krisen. Im digitalen Raum kann aus einer einzelnen negativen Kritik schnell ein ausgewachsener Shitstorm werden. In der Schweiz ist die Gefahr besonders gross, dass Themen von reichweitenstarken Portalen wie 20 Minuten oder Blick aufgegriffen werden und die Krise vom digitalen ins reale Leben überschwappt. Schnelligkeit, Transparenz und die richtige Strategie sind entscheidend, um den Sturm zu entschärfen, bevor er eskaliert.
Der erste Schritt ist Monitoring. Sie müssen wissen, was über Sie gesagt wird. Der grösste Teil des Risikos liegt dabei auf den grössten Plattformen; eine Erhebung von Statista zeigt, dass allein auf Facebook fast 60% des Social Media Traffics in der Schweiz stattfindet. Reagieren Sie schnell, aber nicht überstürzt. Analysieren Sie die Kritik: Ist sie berechtigt? Handelt es sich um einen Einzelfall oder ein strukturelles Problem? Löschen Sie negative Kommentare niemals, es sei denn, sie sind beleidigend oder illegal. Ein gelöschter Kommentar ist wie Öl ins Feuer.
Die richtige Reaktion hängt von der Art der Krise ab. Bei berechtigter Kritik ist eine öffentliche Entschuldigung oft der beste Weg. Übernehmen Sie Verantwortung, erklären Sie, wie es dazu kam, und zeigen Sie auf, welche konkreten Schritte Sie unternehmen, um das Problem zu lösen. Verschieben Sie die Diskussion wenn möglich in einen direkteren Kanal („Bitte schreiben Sie uns eine DM, damit wir das individuell klären können“), aber lassen Sie die öffentliche Entschuldigung stehen. In der Schweiz ist zudem der „Röstigraben“ zu beachten: Ein Problem in der Deutschschweiz erfordert möglicherweise eine andere Kommunikation als in der Romandie. Eine kultursensible Ansprache in den jeweiligen Landessprachen ist hier unerlässlich.
Wenn es sich um Falschinformationen oder Trolling handelt, ist eine ruhige und sachliche Richtigstellung angebracht. Widerlegen Sie die Vorwürfe mit Fakten und Quellen, aber lassen Sie sich nicht auf endlose Diskussionen ein. Manchmal ist die beste Strategie, nach einer klaren Stellungnahme nicht weiter auf Provokationen zu reagieren. Ihre treuen Community-Mitglieder – Ihr „Verein“ – werden oft zu Ihren besten Verteidigern, wenn Sie über die Jahre eine vertrauensvolle Beziehung aufgebaut haben.
Warum Discord oder Telegram für bestimmte Marken wichtiger werden als Instagram
Jahrelang galt Instagram als das Nonplusultra für Markenkommunikation. Doch die Landschaft verändert sich. Für bestimmte Zielgruppen und Marken werden Nischenplattformen wie Discord und Telegram zunehmend wichtiger. Der Grund ist eine fundamentale Verschiebung von öffentlicher Selbstdarstellung hin zu privatem Austausch in geschlossenen Gruppen. Instagram ist eine Bühne, Discord und Telegram sind das Vereinslokal nach dem Training – ungeschminkter, direkter und echter.
Der entscheidende Vorteil dieser Plattformen ist die Tiefe der Interaktion. Während auf Instagram die Kommunikation oft auf Likes und kurze Kommentare beschränkt ist, ermöglichen Discord und Telegram themenspezifische Kanäle, langanhaltende Diskussionen und direkte Sprach-Chats. Marken können hier einen echten Dialog auf Augenhöhe führen, anstatt nur Inhalte in einen Feed zu senden. Es ist der Unterschied zwischen einem Monolog auf einer Bühne und einem Gespräch am Stammtisch. Für Marken, die auf Expertise und Wissensaustausch setzen, ist das Gold wert.
Ein weiterer, besonders in der Schweiz relevanter Faktor ist der Datenschutz. Das Bewusstsein für den Umgang mit persönlichen Daten wächst stetig. Plattformen, die als datenschutzfreundlicher wahrgenommen werden, gewinnen an Vertrauen. Gerade Schweizer Entwicklungen geniessen hier einen Heimvorteil. Wie IRC-Mania.de hervorhebt, positionieren sich lokale Anbieter klar im Markt:
Teleguard wird von der Swisscows AG entwickelt, einem Schweizer Technologieunternehmen, das sich auf datenschutzfreundliche Dienste spezialisiert hat.
– IRC-Mania.de, Vergleich der beliebtesten Chat-Dienste 2025
Für Marken, deren Zielgruppe technikaffin, jung oder besonders datenschutzbewusst ist, kann der Aufbau einer Community auf Discord oder Telegram strategisch sinnvoller sein als der Kampf um Aufmerksamkeit im überfüllten Instagram-Feed. Es ist eine bewusste Entscheidung für Qualität statt Quantität, für tiefes Engagement statt oberflächlicher Reichweite. Man baut vielleicht ein kleineres, aber dafür ein umso loyaleres und aktiveres „Vereinsheim“.
Das Wichtigste in Kürze
- Denken Sie in „Vereinsstrukturen“, nicht in Algorithmen, um eine nachhaltige Community aufzubauen.
- Der Schweizer Kontext (Datenschutz, Vereinsleben) ist Ihr grösster Hebel für Relevanz und Vertrauen.
- Gamification und klare „digitale Statuten“ wandeln passive Nutzer in engagierte Mitglieder um.
Wie wandeln Sie passive Follower in eine aktive Community um, die mit Ihrer Marke spricht?
Die grösste Herausforderung für Marketer ist nicht, Follower zu gewinnen, sondern sie in eine aktive Gemeinschaft zu verwandeln. Ein Follower ist ein passiver Konsument; ein Community-Mitglied ist ein aktiver Teilhaber. Eine Studie der FH Graubünden zeigt, dass zwar bereits über 36,5% der Schweizer KMU Profile in sozialen Medien unterhalten, aber nur die wenigsten eine wirklich sprechende Community haben. Der Schlüssel liegt in einem bewussten Migrationsprozess – der „Vereinsgründung“.
Sie müssen Ihren Followern einen überzeugenden Grund geben, den zusätzlichen Schritt zu gehen und Ihrer geschlossenen Community beizutreten. Dieser Grund ist Exklusivität und Mehrwert. Kommunizieren Sie klar, was Mitglieder in der neuen Community erwartet, das sie auf Ihren öffentlichen Kanälen nicht bekommen: direkterer Zugang zu Ihnen, exklusive Inhalte, die Möglichkeit zur Mitgestaltung oder der Austausch mit Gleichgesinnten in einem geschützten Raum. Framen Sie den Beitritt nicht als einen weiteren Newsletter, sondern als eine Einladung in einen exklusiven Club.
Eine gezielte Migrations-Kampagne über mehrere Wochen kann dabei helfen, Spannung aufzubauen und den Wert der neuen Community zu vermitteln. Anstatt einfach nur einen Link zu posten, erzählen Sie eine Geschichte. Kündigen Sie die „Vereinsgründung“ an, stellen Sie die Vorteile vor und feiern Sie die ersten Mitglieder, die beitreten. Eine persönliche Begrüssung der ersten 100 Mitglieder durch den Community Manager schafft von Anfang an eine persönliche und wertschätzende Atmosphäre. Der Aufwand, den Sie in diese Startphase investieren, zahlt sich durch eine höhere Aktivitätsrate und eine stärkere Bindung um ein Vielfaches aus.
Ihr 4-Wochen-Plan zur Vereinsgründung: Follower zu Mitgliedern machen
- Woche 1: Starten Sie Teaser auf Ihren bestehenden Kanälen. Kündigen Sie etwas Neues und Exklusives an, z.B. mit dem Versprechen eines lokalen Online-Events nur für Mitglieder.
- Woche 2: Erklären Sie den konkreten Mehrwert. Betonen Sie Vorteile wie Datenschutz nach neuem Schweizer Recht (nDSG) oder den direkten, unzensierten Austausch ohne Algorithmen.
- Woche 3: Enthüllen Sie exklusive Vorteile für „Gründungsmitglieder“. Das kann eine Einladung zum Firmen-Apéro in Zürich, ein Rabattcode oder früherer Zugang zu Produkten sein.
- Woche 4: Offizieller Launch der Community. Begrüssen Sie die ersten 100 Mitglieder persönlich mit Namen im Willkommens-Thread, um sofort ein Gefühl der Zugehörigkeit zu schaffen.
Der Aufbau einer lebendigen Community ist ein Marathon, kein Sprint. Doch mit der richtigen Denkweise – der eines Gründers eines Schweizer Vereins – legen Sie das Fundament für nachhaltigen Erfolg. Beginnen Sie noch heute damit, diese Strategien umzusetzen und Ihre passiven Follower in eine engagierte Gemeinschaft zu verwandeln, die Ihre Marke trägt und stärkt.
Häufig gestellte Fragen zum Community-Aufbau in der Schweiz
Wann sollte eine PR-Agentur eingeschaltet werden?
Eine PR-Agentur sollte spätestens dann konsultiert werden, wenn eine Krise das Potenzial hat, von nationalen Medien wie 20 Minuten, Blick oder dem Tages-Anzeiger aufgegriffen zu werden. Sie kann helfen, die öffentliche Kommunikation professionell zu steuern und den Schaden für die Marke zu begrenzen.
Wie geht man mit dem Röstigraben-Problem bei der Kommunikation um?
Der Röstigraben ist eine reale kommunikative Herausforderung. Es ist entscheidend, wichtige Botschaften und insbesondere Krisenkommunikation separat für die Deutschschweiz und die Romandie aufzubereiten. Das bedeutet nicht nur eine reine Übersetzung, sondern eine kultursensible Ansprache, die auf die unterschiedlichen Mentalitäten und Mediengewohnheiten eingeht.