Veröffentlicht am März 11, 2024

Der Erfolg Ihrer B2B-Social-Media-Strategie in der Schweiz misst sich nicht in Likes, sondern in generiertem Vertrauenskapital.

  • Personalisierte Interaktion übertrifft automatisierte Massenansprache bei Weitem, um bei Schweizer Entscheidern Gehör zu finden.
  • Die konsequente Demonstration von Fachexpertise durch gezielte Inhalte auf den richtigen Plattformen schafft die Grundlage für qualifizierte Leads.

Empfehlung: Fokussieren Sie jede Aktion darauf, Expertise zu signalisieren und Beziehungen aufzubauen, anstatt nur Inhalte zu verbreiten.

Zahlreiche B2B-Unternehmen investieren Zeit und Ressourcen in soziale Medien, doch die Ergebnisse bleiben oft hinter den Erwartungen zurück. Der Feed ist voll von Hochglanz-Posts, die zwar Likes sammeln, aber keine qualifizierten Anfragen generieren. Man folgt dem Standardrat, „wertvollen Content“ zu posten und „regelmässig präsent“ zu sein, doch die Nadel bewegt sich kaum. Die Frustration wächst, wenn man sieht, dass die Konkurrenz scheinbar mühelos Leads über LinkedIn gewinnt, während die eigene Strategie im digitalen Lärm untergeht.

Das Problem liegt oft in einer fundamentalen Fehlannahme. Viele Marketing-Strategien behandeln soziale Medien wie einen Werbekanal, auf dem es darum geht, möglichst laut und oft zu rufen. Doch gerade im anspruchsvollen und beziehungsorientierten B2B-Markt der Schweiz ist dieser Ansatz zum Scheitern verurteilt. Entscheider sind immun gegen generische Werbebotschaften und oberflächliche Interaktionen. Sie suchen keine Verkäufer, sondern vertrauenswürdige Experten und Partner.

Was wäre, wenn der Schlüssel zum Erfolg nicht in der Frequenz oder dem Volumen Ihrer Posts liegt, sondern in der Dichte der Relevanz und dem gezielten Aufbau von Vertrauenskapital? Eine erfolgreiche Strategie für den Schweizer Markt setzt nicht auf Masse, sondern auf Klasse. Es geht darum, LinkedIn nicht als Megafon, sondern als präzises Instrument zum Beziehungsmanagement zu verstehen. Statt um Aufmerksamkeit zu buhlen, signalisieren Sie Kompetenz und bauen schrittweise eine Reputation auf, die Entscheider von selbst anzieht.

Dieser Artikel führt Sie durch eine Strategie, die über das blosse Posten von Inhalten hinausgeht. Wir analysieren, wie Sie komplexe Themen greifbar machen, warum authentische Personenprofile Unternehmenslogos schlagen und wie Sie durch gezielte Interaktion nicht nur den Algorithmus, sondern vor allem potenzielle Kunden überzeugen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die spezifische Business-Etikette des Schweizer Marktes respektieren und so eine solide Basis für nachhaltige Geschäftsbeziehungen schaffen.

Die folgenden Abschnitte bieten Ihnen einen detaillierten Fahrplan. Sie erfahren, wie Sie jeden Aspekt Ihrer LinkedIn-Präsenz optimieren, um nicht nur sichtbar zu sein, sondern als unverzichtbare Ressource in Ihrer Branche wahrgenommen zu werden.

Warum TikTok für einen Maschinenbauer Zeitverschwendung sein kann (oder auch nicht)

Die erste und wichtigste strategische Entscheidung ist die Wahl der richtigen Kanäle. Im B2B-Marketing herrscht oft die Angst, einen Trend zu verpassen. Sollte ein Hersteller von Präzisionswerkzeugen auf TikTok tanzen? Die Antwort lautet: Es kommt auf das Ziel an. Während Plattformen wie TikTok oder Instagram primär auf breite Aufmerksamkeit und virale Effekte abzielen, ist LinkedIn das unangefochtene Zentrum für den Aufbau von professionellem Vertrauenskapital. Hier geht es nicht um kurzfristige Unterhaltung, sondern um den langfristigen Aufbau einer Expertenreputation bei einer hochrelevanten Zielgruppe.

Für die direkte Lead-Generierung im komplexen B2B-Umfeld ist LinkedIn die effizienteste Wahl. Die Plattform ist darauf ausgelegt, Fachexpertise zu präsentieren und Geschäftsbeziehungen zu knüpfen. Die Nutzer sind im Business-Modus und offen für professionelle Inhalte. Versuche, B2B-Entscheider auf reinen Unterhaltungsplattformen mit komplexen Produkten zu erreichen, sind oft wie der Versuch, in einer Diskothek ein Geschäftsmeeting abzuhalten: möglich, aber ineffizient und kontextfremd.

Das heisst nicht, dass andere Kanäle nutzlos sind. Sie können komplementäre Ziele wie Employer Branding oder die Humanisierung der Marke unterstützen. Doch wenn das primäre Ziel die Generierung von qualifizierten B2B-Leads ist, muss der Fokus klar auf LinkedIn liegen. Jede Stunde, die in die Erstellung eines TikTok-Videos für ein Nischen-Investitionsgut investiert wird, ist eine Stunde, die nicht in den Aufbau einer tiefgehenden Beziehung mit einem potenziellen Grosskunden auf LinkedIn fliesst. Die Ressourcen sind begrenzt; die Priorisierung entscheidet über den Erfolg.

Fallstudie: Siemens auf TikTok

Ein gutes Beispiel für die strategische Nischennutzung ist Siemens. Das Unternehmen erreichte auf TikTok über 120.000 Follower und eine hohe Engagement-Rate. Das Ziel war hier jedoch klar definiert: Employer Branding und die Ansprache junger Talente. Für die Gewinnung von Industriekunden für eine neue Turbinengeneration bleibt LinkedIn der primäre Kanal. Die Fallstudie zeigt, dass die Plattformwahl vom spezifischen Ziel abhängt. Für die direkte Lead-Generierung im Kerngeschäft ist eine solche Strategie weniger geeignet.

Wie verpacken Sie komplexe Sachverhalte in snackable Social Content?

Entscheider auf LinkedIn haben wenig Zeit. Sie scrollen durch ihren Feed auf der Suche nach relevanten Signalen, nicht nach langen Abhandlungen. Die Herausforderung für B2B-Unternehmen besteht darin, ihre oft komplexen Produkte, Dienstleistungen und ihr tiefes Fachwissen in leicht verdauliche, aber dennoch substanzielle „Snacks“ zu verwandeln. Das Ziel ist nicht die Vereinfachung bis zur Banalität, sondern die intelligente Reduktion auf den Kernnutzen. Es geht darum, Expertise zu beweisen, ohne den Leser zu überfordern.

Anstatt ein ganzes Whitepaper in einem einzigen Post zu erklären, extrahieren Sie die eine, überraschendste Statistik, die eine provokante Frage oder eine prägnante Checkliste. Nutzen Sie visuelle Formate, um Daten verständlich zu machen. Eine gut gestaltete Infografik oder ein kurzes Video, das einen komplexen Prozess visualisiert, kann mehr Vertrauen schaffen als tausend Worte. Die Kunst liegt darin, einen „Appetizer“ zu servieren, der neugierig auf das Hauptgericht macht – sei es ein ausführlicher Blogartikel, ein Webinar oder ein persönliches Gespräch.

Dieser Ansatz demonstriert nicht nur Fachkompetenz, sondern auch Empathie für die Zielgruppe. Sie zeigen, dass Sie den hektischen Alltag von Entscheidern verstehen und ihre Zeit respektieren. Jeder „Content Snack“ sollte ein kleines Problem lösen, eine neue Perspektive eröffnen oder eine nützliche Information liefern. So wird jeder Post zu einem Baustein Ihres Vertrauenskapitals und positioniert Ihr Unternehmen als hilfreichen Experten, nicht als aufdringlichen Verkäufer.

Makroaufnahme von gefalteten Dokumentenseiten die sich zu geometrischen Mustern formen

Wie diese Visualisierung andeutet, geht es darum, aus komplexen Schichten klare, verständliche Strukturen zu formen. Die erfolgreichsten Formate auf LinkedIn folgen genau diesem Prinzip:

  • Karussell-Posts: Ideal, um einen Prozess Schritt für Schritt zu erklären oder eine Checkliste visuell aufzubereiten.
  • Kurze Videos (15-30 Sekunden): Perfekt, um ein Feature zu demonstrieren oder einen Experten-Tipp prägnant zu vermitteln.
  • Umfragen: Regen zur Interaktion an und liefern wertvolle Einblicke in die Denkweise Ihrer Zielgruppe.
  • Dokumenten-Posts: Erlauben es, längere Inhalte wie Präsentationen oder Whitepaper-Auszüge direkt im Feed durchblätterbar zu machen.

Personen oder Logo: Wem vertrauen die Nutzer im Feed mehr?

Eine der fundamentalsten Fragen in der B2B-Kommunikation auf LinkedIn lautet: Soll die Unternehmensseite posten oder die Mitarbeitenden? Die Antwort ist eindeutig: Menschen vertrauen Menschen, nicht Logos. Während eine Unternehmensseite als offizielle „Zentrale“ dient, findet der eigentliche Aufbau von Vertrauen auf der persönlichen Ebene statt. Ein Post vom CEO, einem Fachexperten oder einem Vertriebsmitarbeiter hat eine ungleich höhere Glaubwürdigkeit und Reichweite als dieselbe Nachricht, die von einer anonymen Unternehmensseite geteilt wird.

Profile von Schlüsselpersonen sind die Speerspitze Ihrer Strategie zum Aufbau von Vertrauenskapital. Sie ermöglichen einen authentischen Dialog und schaffen eine persönliche Verbindung. Wenn ein Experte aus Ihrem Unternehmen einen Einblick teilt, ist das keine Werbung, sondern eine Meinungsäusserung. Dies ist besonders im konservativen Schweizer Markt entscheidend, wo persönliche Empfehlungen und etablierte Beziehungen einen hohen Stellenwert haben. LinkedIn ist eine Plattform, auf der 90 Millionen Senior-Level-Influencer und 63 Millionen Entscheider aktiv sind; diese Personen möchten mit anderen Personen interagieren, nicht mit Marketingabteilungen.

Die Rolle der Unternehmensseite wandelt sich dadurch. Sie wird zum „Hub“, der die besten Inhalte der Mitarbeitenden aggregiert, die Unternehmenskultur zeigt und als offizielle Anlaufstelle dient. Die eigentliche Kommunikation und der Beziehungsaufbau finden jedoch über die Profile der „Corporate Influencer“ statt. Eine erfolgreiche B2B-Strategie ermutigt und befähigt daher Schlüsselpersonen im Unternehmen, ihre eigene professionelle Marke aufzubauen. Sie sind die glaubwürdigsten Botschafter Ihrer Marke und die effektivsten Generatoren für qualifizierte Leads, weil sie nicht verkaufen, sondern helfen.

Der Fehler, Kommentare zu ignorieren und den Algorithmus zu enttäuschen

Viele Unternehmen betrachten Social Media immer noch als einen reinen Distributionskanal. Sie posten ihre Inhalte und ziehen sich dann zurück, um auf Leads zu warten. Dies ist einer der grössten Fehler. LinkedIn ist kein schwarzes Brett, sondern ein soziales Netzwerk. Der Algorithmus belohnt Interaktion, und potenzielle Kunden erwarten einen Dialog. Das Ignorieren von Kommentaren ist nicht nur unhöflich, sondern schadet aktiv Ihrer Sichtbarkeit und Ihrem Vertrauensaufbau.

Jeder Kommentar unter einem Ihrer Posts ist ein starkes Signal an den Algorithmus. Er signalisiert: „Dieser Inhalt ist relevant und löst eine Diskussion aus.“ Eine prompte und durchdachte Antwort verstärkt dieses Signal. Eine Analyse zeigt, dass Kommentare mit mehr als 9 Wörtern die Reichweite des ursprünglichen Beitrags um das Dreifache steigern können. Mehr noch: Die Kommentarspalte ist der Ort, an dem echtes Vertrauenskapital gebildet wird. Hier können Sie Ihre Expertise in der direkten Diskussion unter Beweis stellen, auf Bedenken eingehen und eine persönliche Beziehung zu Interessenten aufbauen.

Ein professionelles Community Management ist daher kein „Nice-to-have“, sondern ein zentraler Bestandteil Ihrer Lead-Generierungs-Strategie. Es geht darum, die Konversation zu pflegen, anstatt sie nach dem Posten abzuwürgen. Stellen Sie in Ihren Beiträgen offene Fragen, um Diskussionen anzuregen. Reagieren Sie nicht nur mit einem „Danke“, sondern greifen Sie den Punkt des Kommentators auf und führen Sie die Diskussion weiter. Ein gut geführter Kommentarbereich wird zu einer öffentlichen Demonstration Ihrer Kompetenz und Kundenorientierung – und oft zum Ausgangspunkt für eine private Nachricht und einen qualifizierten Lead.

Ihr Aktionsplan: Community-Management, das den Algorithmus für Sie arbeiten lässt

  1. Goldene Stunde nutzen: Antworten Sie innerhalb der ersten 60 Minuten auf Kommentare, um die algorithmische Reichweite Ihres Posts maximal zu unterstützen.
  2. Diskussionen anstossen: Integrieren Sie in jeden Post eine offene Frage, die Ihre Zielgruppe direkt anspricht und zur Teilnahme einlädt.
  3. Experten einbeziehen: Taggen Sie relevante Personen aus Ihrem Netzwerk in den Kommentaren und bitten Sie sie höflich um ihre Meinung zu einem Thema.
  4. Sprachkompetenz zeigen: Antworten Sie im mehrsprachigen Schweizer Kontext immer in der Sprache des kommentierenden Nutzers (DE, FR, IT), um Respekt und Nähe zu signalisieren.
  5. Brücken bauen: Sehen Sie einen aufschlussreichen Kommentar als Einladung. Nutzen Sie ihn als Anknüpfungspunkt für eine personalisierte Kontaktanfrage oder eine private Nachricht.

Wann ist die beste Zeit zum Posten für Schweizer Business-Kontakte?

Selbst der beste Inhalt verpufft, wenn er zur falschen Zeit veröffentlicht wird. Die Frage nach dem optimalen Posting-Zeitpunkt ist entscheidend, um die hart erarbeiteten Inhalte einem maximalen relevanten Publikum zu präsentieren. Für B2B-Kontakte in der Schweiz gibt es spezifische Zeitfenster, die sich an den typischen Arbeits- und Pendelgewohnheiten orientieren. Ein Post am Sonntagabend wird wahrscheinlich weniger Beachtung bei einem CEO finden als einer am Dienstagmorgen.

Die Analyse von Nutzerdaten zeigt klare Muster. Die Morgenstunden während der Pendlerzeit (ca. 7:00-9:00 Uhr) sind ein erstes wichtiges Fenster. Viele Fach- und Führungskräfte nutzen die Zeit im Zug, um sich über Neuigkeiten in ihrer Branche zu informieren. Ein weiteres starkes Zeitfenster ist die Mittagszeit (ca. 12:00-14:00 Uhr), wenn der Feed während der Pause durchgesehen wird. Auch der späte Vormittag um 10:00 Uhr gilt als Peak-Zeit, da viele nach dem ersten Abarbeiten der E-Mails eine „Informationspause“ einlegen.

Es ist jedoch wichtig, nicht blindlings globalen Statistiken zu folgen. Testen und messen Sie, was für Ihre spezifische Zielgruppe am besten funktioniert. Ein IT-Entscheider hat möglicherweise andere Online-Gewohnheiten als ein Finanzdirektor. Nutzen Sie die Analysetools von LinkedIn, um zu sehen, wann Ihre Follower am aktivsten sind. Eine gute Faustregel ist: Posten Sie dann, wenn Ihre Zielgruppe am wahrscheinlichsten im Arbeitskontext denkt und handelt – und das ist in der Regel während der klassischen Bürozeiten von Dienstag bis Donnerstag.

Geschäftsperson im Schweizer Zug während der Morgenpendlerzeit

Die Daten bestätigen diese Beobachtungen und bieten eine solide Grundlage für die Planung. Wie eine detaillierte Analyse der Posting-Zeiten zeigt, gibt es klare Hotspots für B2B-Engagement.

Optimale Posting-Zeiten für LinkedIn in der Schweiz
Zeitfenster Engagement-Rate Beste Tage Content-Typ
10:00 Uhr Höchste Impressions weltweit Mittwoch, Donnerstag Alle Formate
7:00-9:00 Uhr Hoch (Pendlerzeit) Dienstag-Freitag Inspirierende Inhalte
12:00-14:00 Uhr Überdurchschnittlich Dienstag-Donnerstag Fachartikel
15:00-17:00 Uhr Moderat-Hoch Donnerstag Interaktive Umfragen
Samstag vormittags Überraschend hoch Samstag Thought Leadership

Wie nutzen Sie automatisierte Direktansprache auf LinkedIn, ohne wie ein Spam-Bot zu wirken?

Automatisierungstools auf LinkedIn versprechen Effizienz, doch sie sind ein zweischneidiges Schwert. Falsch eingesetzt, zerstören sie in Sekunden das mühsam aufgebaute Vertrauenskapital. Eine unpersönliche, generische und sofort verkäuferische Kontaktanfrage ist der schnellste Weg, von einem Schweizer Entscheider ignoriert oder blockiert zu werden. Der Grund ist einfach: Solche Nachrichten signalisieren Faulheit und mangelndes echtes Interesse. Sie schreien „Massenversand“ statt „massgeschneiderte Lösung“.

Die Zahlen sind eindeutig: Aktuelle Studien zeigen, dass 90% der B2B-Entscheider nicht mehr auf Kaltakquise per Telefon oder E-Mail reagieren. Dasselbe gilt für plumpe Automatisierungsversuche auf LinkedIn. Der richtige Ansatz ist die „Mensch-zuerst-Strategie“. Automatisierung sollte niemals für den Erstkontakt verwendet werden. Die erste Nachricht muss immer zu 100 % manuell, personalisiert und relevant sein. Beziehen Sie sich auf einen aktuellen Beitrag der Person, einen gemeinsamen Kontakt, die Teilnahme an derselben Veranstaltung oder einen Artikel, den sie veröffentlicht hat. Zeigen Sie, dass Sie Ihre Hausaufgaben gemacht haben.

Wo kann Automatisierung also sinnvoll sein? Hauptsächlich im Hintergrund. Sie kann bei der Identifizierung potenzieller Zielprofile nach bestimmten Kriterien (Branche, Position, Unternehmensgrösse in der Schweiz) helfen. Sie kann auch für Follow-ups nach einer bereits erfolgten Interaktion eingesetzt werden – zum Beispiel, um einige Tage nach dem Download eines Whitepapers nachzufragen, ob es Fragen gibt. Aber auch hier gilt: Die Nachricht muss wertorientiert sein und darf nicht verkaufen. Fragen Sie, ob Sie helfen können, anstatt Ihr Produkt anzupreisen. Diskretion und Relevanz sind die Währungen, die bei Schweizer Entscheidern zählen.

Der schmale Grat zwischen Effizienz und Spam ist real. Um ihn erfolgreich zu meistern, ist es unerlässlich zu wissen, wie man automatisierte Ansprache nutzt, ohne wie ein Spam-Bot zu wirken.

Das Wichtigste in Kürze

  • Fokus auf Vertrauen: Jede Aktion auf LinkedIn sollte darauf abzielen, Vertrauenskapital aufzubauen, nicht nur Metriken zu steigern. Authentizität und Expertise sind der Schlüssel.
  • Mensch vor Marke: Entscheider vernetzen sich mit Menschen. Stärken Sie die persönlichen Profile Ihrer Experten; sie sind Ihre glaubwürdigsten Botschafter.
  • Dialog statt Monolog: Engagieren Sie sich in Kommentaren und Diskussionen. Der Algorithmus belohnt Interaktion, und potenzielle Kunden schätzen den Austausch.

Der Fehler, LinkedIn wie Facebook zu nutzen und die Business-Etikette zu verletzen

Ein weit verbreiteter Fehler ist die Annahme, alle sozialen Netzwerke funktionierten gleich. LinkedIn ist kein Klon von Facebook für das Berufsleben. Es hat eine eigene Kultur, eigene Normen und eine spezifische Etikette, die besonders im professionellen und oft zurückhaltenden Schweizer Geschäftsumfeld respektiert werden muss. Wer hier die falschen Töne anschlägt, riskiert, als unprofessionell wahrgenommen zu werden und sein Vertrauenskapital zu verspielen.

Der grundlegende Unterschied liegt im Kontext: Facebook ist primär privat und emotional, LinkedIn ist beruflich und rational. Das Teilen von Urlaubsfotos, zu persönlichen Geschichten oder stark polarisierenden politischen Meinungen ist auf LinkedIn deplatziert. Die Plattform mit ihren über 4,17 Millionen Nutzern in der Schweiz ist ein Ort für fachlichen Austausch. Es geht um berufliche Lektionen, Brancheneinblicke, technologische Entwicklungen und Karrieretipps – nicht um private Erlebnisse.

Besonders wichtig in der Schweiz ist die Wahrung einer gewissen professionellen Distanz. Die unaufgeforderte Nutzung des „Du“ bei der ersten Kontaktaufnahme wird oft als übergriffig empfunden. Eine förmliche Anrede („Sehr geehrte/r Herr/Frau…“) ist der sichere und respektvolle Standard. Ebenso tabu ist die öffentliche Kritik an Wettbewerbern. Stattdessen punktet man mit Souveränität und der Konzentration auf die eigene Stärke. Wer die ungeschriebenen Gesetze von LinkedIn missachtet, signalisiert, dass er den Kontext nicht versteht – eine schlechte Voraussetzung für eine erfolgreiche Geschäftsbeziehung.

Wie nutzen Sie Key Opinion Leader (KOL), um im konservativen Schweizer B2B-Markt Vertrauen aufzubauen?

Im Schweizer B2B-Markt, wo Reputation und langjährige Beziehungen alles sind, kann der Vertrauensaufbau ein langwieriger Prozess sein. Eine Abkürzung bietet die Zusammenarbeit mit Key Opinion Leaders (KOLs) – anerkannten und respektierten Fachexperten, deren Meinung Gewicht hat. Ein KOL ist kein typischer „Influencer“, der Produkte in die Kamera hält. Es ist oft ein Branchenanalyst, ein Professor, ein erfahrener Berater oder der CEO eines nicht konkurrierenden Unternehmens, dessen Wort als objektiv und glaubwürdig gilt.

Die Macht von KOLs liegt im Vertrauenstransfer. Wenn eine solche Person Ihr Unternehmen, Ihre Technologie oder Ihren Ansatz positiv erwähnt, färbt ihre Glaubwürdigkeit auf Ihre Marke ab. Dies ist unendlich wertvoller als jede Eigenwerbung. Die Herausforderung besteht darin, diese Beziehungen authentisch aufzubauen. Es geht nicht darum, für einen Post zu bezahlen. Es geht darum, KOLs mit exklusiven Einblicken, Daten oder einem frühen Zugang zu neuen Entwicklungen zu versorgen und sie so organisch von Ihrer Kompetenz zu überzeugen. Beginnen Sie damit, ihre Inhalte intelligent zu kommentieren, sie in Diskussionen einzubinden und einen echten Mehrwert für ihr Netzwerk zu liefern.

Dieser strategische Beziehungsaufbau ist besonders effektiv, weil ein Grossteil des B2B-Kaufprozesses im Verborgenen stattfindet. Wie eine wegweisende Studie zeigt, wird die Kaufentscheidung zu einem überwältigenden Teil autonom getroffen, lange bevor ein Vertriebskontakt überhaupt stattfindet.

83 Prozent einer typischen B2B-Kaufentscheidung werden nicht im direkten Austausch mit dem Vertriebskontakt getroffen. Käufer recherchieren und informieren sich eigenständig.

– LinkedIn & Edelman, Thought-Leadership Studie 2021

In dieser kritischen Phase der eigenständigen Recherche ist die Meinung eines vertrauenswürdigen KOLs oft das Zünglein an der Waage. Eine durchdachte KOL-Strategie ist somit kein Marketing-Gag, sondern ein hochwirksamer Hebel, um das Vertrauenskapital im anspruchsvollen Schweizer Markt gezielt und nachhaltig zu steigern.

Die Zusammenarbeit mit externen Experten kann Ihre Strategie beschleunigen. Um diesen Hebel richtig einzusetzen, sollten Sie genau verstehen, wie Sie KOLs für den Vertrauensaufbau nutzen.

Häufig gestellte Fragen zur B2B-Social-Media-Strategie

Sollte ich automatisierte Tools für die erste Kontaktaufnahme nutzen?

Nein, die erste Nachricht sollte zu 100% manuell und personalisiert sein, mit spezifischem Bezug auf einen Post, gemeinsamen Kontakt oder die Teilnahme an einem Schweizer Event. Automatisierung im Erstkontakt zerstört Vertrauen.

Wofür kann Automatisierung sinnvoll eingesetzt werden?

Nur für Aufgaben im Hintergrund wie die Profilsuche nach spezifischen Kriterien. Eventuell für wertorientierte Follow-ups nach einer bereits erfolgten Interaktion (z.B. Download), die aber niemals verkaufen, sondern nachfragen und weitere Hilfe anbieten.

Wie formuliere ich die korrekte Anrede für Schweizer Kontakte?

Verwenden Sie in der ersten Kontaktaufnahme auf LinkedIn konsequent die förmliche Anrede „Sehr geehrte/r Herr/Frau…“. Ein unaufgefordertes Duzen wird im Schweizer Geschäftskontext oft als unprofessionell und respektlos empfunden.

Geschrieben von Reto Stalder, B2B-Vertriebscoach und Spezialist für Leadgenerierung in der Schweiz. Experte für die Verzahnung von Marketing und Sales, Telemarketing unter Beachtung des Sternchenvermerks und Social Selling.