Veröffentlicht am April 18, 2024

Der Schlüssel zur erfolgreichen Telefonakquise in der Schweiz liegt nicht darin, den Sterneintrag zu umgehen, sondern ihn als strategischen Qualitätsfilter zu nutzen, der Sie zu wertvolleren Kontakten führt.

  • Das Ignorieren des UWG führt zu empfindlichen Bussen und nachhaltigen Imageschäden, wie zahlreiche SECO-Beschwerden belegen.
  • Ein qualitativer Ansatz, bei dem Kontakte (z. B. über LinkedIn) vorgewärmt werden, ist deutlich profitabler als massenhafte Kaltanrufe.

Empfehlung: Transformieren Sie Ihre Akquise von einer reinen Kaltakquise zu einem mehrstufigen, rechtskonformen Prozess, der auf Beziehungsaufbau und Respekt vor der Schweizer Geschäftskultur basiert.

Der Druck, neue Leads zu generieren, steigt. Gleichzeitig hängt das Damoklesschwert des UWG und des gefürchteten Sterneintrags über jeder Telefonnummer in Ihrem CRM. Viele Vertriebsleiter in der Schweiz fragen sich daher: Ist Telemarketing überhaupt noch eine Option oder ein reines Russisch Roulette mit dem Firmenbudget? Die gängige Meinung lautet oft, die Kaltakquise sei tot, zu riskant, zu ineffizient. Man hört von horrenden Bussen und verärgerten potenziellen Kunden, die sofort auflegen.

Diese Angst ist verständlich, aber sie führt oft zu einer gefährlichen Lähmung. Doch was wäre, wenn der Sterneintrag kein unüberwindbares Hindernis, sondern Ihr bester Qualitätsfilter wäre? Was, wenn die strengen Schweizer Gesetze Sie nicht blockieren, sondern dazu zwingen, eine intelligentere, respektvollere und letztlich profitablere Akquise-Strategie zu entwickeln? Genau hier liegt die Chance. Es geht nicht darum, das Gesetz zu fürchten, sondern es als Rahmen für eine bessere Gesprächs-Architektur zu verstehen.

Dieser Artikel ist kein juristischer Ratgeber, sondern ein pragmatischer Leitfaden aus der Praxis für die Praxis. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die rechtlichen Klippen umschiffen und Telemarketing in der Schweiz nicht nur sicher, sondern erfolgreich gestalten. Wir beleuchten die tatsächlichen Risiken, die Kunst des richtigen Gesprächseinstiegs und warum zehn gut vorbereitete Anrufe mehr wert sind als hundert wahllose Versuche. Zudem werfen wir einen Blick darauf, wie Sie selbst Ihre Inbound-Telefonie von einem reinen Kostenfaktor in eine Umsatzmaschine verwandeln können.

Um diese Herausforderung strategisch anzugehen, haben wir diesen Leitfaden in acht praxisorientierte Abschnitte unterteilt. Jeder Teil liefert Ihnen konkrete Antworten und umsetzbare Taktiken, um Ihre Telefonakquise in der Schweiz auf ein neues, rechtskonformes und erfolgreiches Niveau zu heben.

Warum der Missachtung des Sternchenvermerks Bussgelder und Image-Schäden folgen

Als pragmatischer Leiter muss man die Risiken kennen, nicht um Angst zu haben, sondern um klug zu handeln. Die Missachtung des Sterneintrags (*) im Telefonbuch ist in der Schweiz kein Kavaliersdelikt. Es ist ein klarer Verstoss gegen das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Die Konsequenzen sind real und können weit über eine kleine Verwarnung hinausgehen. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) ist hier sehr aktiv. Jährlich gehen Tausende von Meldungen ein, was die hohe Sensibilität der Bevölkerung für dieses Thema zeigt.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Unerbetene Werbeanrufe sind der absolute Spitzenreiter bei den Beschwerden über unlauteren Wettbewerb. Eine Analyse der SECO-Daten zeigt, dass rund 84% aller UWG-Beschwerden auf dieses Thema entfallen. Das SECO bündelt diese Beschwerden und kann bei genügend Substanz Strafantrag bei der zuständigen kantonalen Staatsanwaltschaft stellen. Dann wird es teuer. Ein bekanntes Urteil des Bezirksgerichts Höfe verurteilte einen Verantwortlichen zu einer Busse von 10’000 Franken und einer bedingten Geldstrafe von 57’000 Franken. Hinzu kamen Verfahrenskosten von über 20’000 Franken. Diese Zahlen sollten jeden Vertriebsleiter dazu bringen, Compliance zur obersten Priorität zu machen.

Doch der finanzielle Schaden ist nur eine Seite der Medaille. Mindestens ebenso gravierend ist der nachhaltige Imageschaden. In einem kleinen und gut vernetzten Markt wie der Schweiz spricht sich schlechtes Geschäftsgebaren schnell herum. Ein Unternehmen, das als aggressiv und respektlos wahrgenommen wird, verliert nicht nur den potenziellen Kunden am Telefon, sondern schadet seiner Marke auf lange Sicht. Der Sterneintrag ist somit ein klares Signal, das zu respektieren ist – nicht nur aus rechtlichen, sondern auch aus strategischen Gründen.

Wie starten Sie ein Gespräch, ohne dass der Hörer sofort aufgelegt wird?

Der Moment der Wahrheit ist die Gesprächseröffnung. Hier entscheidet sich in wenigen Sekunden, ob Sie als Störenfried oder als potenzieller Partner wahrgenommen werden. Eine aggressive, unvorbereitete Eröffnung führt in der Schweiz unweigerlich zum sofortigen „Auflegen“. Der Schlüssel liegt in einer professionellen Gesprächs-Architektur, die auf Transparenz und Respekt basiert. Das UWG gibt hier klare Leitplanken vor, die man nicht als Bürde, sondern als Rezept für einen besseren Einstieg sehen sollte.

Eine rechtskonforme und in der Schweiz akzeptierte Gesprächseröffnung folgt einem klaren Muster. Anstatt mit der Tür ins Haus zu fallen, signalisieren Sie von der ersten Sekunde an Professionalität und Legitimität. Dazu gehören ganz grundlegende, aber oft vernachlässigte Punkte, die von Experten wie der Kanzlei Steiger Legal empfohlen werden. Rufen Sie niemals mit unterdrückter Nummer an, legen Sie Ihre Identität (voller Name und Firma) sofort offen und nennen Sie transparent den Grund Ihres Anrufs. Besonders wirksam ist es, wenn Sie auf eine vorangegangene Interaktion verweisen können, etwa den Download eines Whitepapers. Dies schafft sofort einen legitimen Kontext.

Ein strukturierter und respektvoller Gesprächseinstieg ist essenziell für den Erfolg. Hier sind die wichtigsten Punkte, die Ihre Agenten verinnerlichen müssen:

  • Vollständige Identität offenlegen: Stellen Sie sich immer mit Ihrem vollen Namen und dem Namen Ihres Unternehmens vor.
  • Anrufernummer anzeigen: Das Anrufen mit unterdrückter Nummer (Spoofing) ist nicht nur unprofessionell, sondern gemäss UWG auch explizit verboten.
  • Anrufgrund sofort nennen: Seien Sie transparent. Sagen Sie klar, warum Sie anrufen, z.B. „Ich rufe an, weil Sie sich kürzlich für unser Webinar angemeldet haben.“
  • Bestehende Geschäftsbeziehung betonen: Wenn es bereits eine Kundenbeziehung gibt, ist dies Ihr stärkstes Argument. Verweisen Sie explizit darauf.
  • Recherche zeigen: Eine kurze, relevante Bemerkung zur Firma des Angerufenen („Ich habe auf Ihrer Website gesehen, dass Sie im Bereich X expandieren…“) zeigt, dass dies kein wahlloser Anruf ist.
Nahaufnahme professioneller Gesprächsführung am Telefon mit Notizen

Diese strukturierte Vorgehensweise verwandelt einen potenziell störenden Anruf in ein professionelles Geschäftsgespräch. Es geht darum, dem Gegenüber zu signalisieren, dass seine Zeit respektiert wird und dass der Anruf einen potenziellen Mehrwert bietet. Nur so überwinden Sie die erste Hürde und bekommen die Chance, Ihr eigentliches Anliegen vorzubringen.

100 Anrufe oder 10 gute Gespräche: Was bringt am Ende mehr Umsatz?

Im Vertrieb herrscht oft der Glaube, dass hohe Aktivität automatisch zu hohen Ergebnissen führt. Diese „Mehr ist mehr“-Mentalität ist im kontextsensitiven Schweizer Markt nicht nur ineffizient, sondern auch gefährlich. Reine Kaltakquise, bei der wahllos Nummern angerufen werden, hat eine erschreckend niedrige Erfolgsquote. Eine umfassende Gong-Analyse von über 90.000 Anrufen beziffert die mediane Erfolgsrate von Kaltanrufen auf nur 1,5%. Das bedeutet, dass 98,5% der aufgewendeten Zeit und Energie direkt verpuffen – von den potenziellen UWG-Verstössen ganz zu schweigen.

Die strategische Antwort darauf ist die klare Priorisierung von Qualität vor Quantität. Anstatt 100 Kontakte oberflächlich anzugehen, konzentrieren Sie Ihre Ressourcen auf 10 vielversprechende Leads, die Sie sorgfältig vorqualifiziert und „aufgewärmt“ haben. Hier kommt das Konzept des Beziehungskapitals ins Spiel. Bevor der Hörer überhaupt abgenommen wird, haben Sie bereits eine erste, positive Interaktion geschaffen. Das mit Abstand mächtigste Werkzeug dafür ist im B2B-Umfeld LinkedIn. Mit über 3.66 Millionen aktiven Accounts in der Schweiz ist die Plattform ideal, um Zielpersonen zu identifizieren und einen legitimen Gesprächsanlass zu schaffen.

Eine solche „Vorwärm-Strategie“ macht den späteren Anruf nicht nur rechtskonformer, da ein berechtigtes Interesse argumentiert werden kann, sondern auch ungleich erfolgreicher. Der Anruf ist keine kalte Unterbrechung mehr, sondern die logische Fortsetzung eines bereits begonnenen Dialogs.

Ihr Aktionsplan: Audit Ihrer Lead-Qualifizierungsstrategie

  1. Kontaktpunkte definieren: Listen Sie alle Kanäle auf, über die ein „Vorwärmen“ stattfindet (z.B. LinkedIn-Kommentare, E-Mail-Newsletter, Webinar-Anmeldungen).
  2. Bestandserfassung durchführen: Inventarisieren Sie Ihre bestehenden Lead-Listen und bewerten Sie kritisch deren Herkunft und Qualität. Sind es gekaufte Listen oder organisch gewonnene Kontakte?
  3. Kohärenz-Check vornehmen: Gleichen Sie jeden Kontakt mit Ihrem definierten Ideal-Kunden-Profil ab. Passt die Branche, die Unternehmensgrösse, die Position?
  4. Wert-Analyse erstellen: Identifizieren Sie, welche Kontakte bereits „Beziehungskapital“ aufweisen (z.B. Interaktionen auf LinkedIn, frühere Anfragen) und priorisieren Sie diese.
  5. Integrationsplan entwickeln: Erstellen Sie einen klaren Prozess, wie diese aufgewärmten, hochqualitativen Kontakte ins Telemarketing-Team übergeben und mit Priorität behandelt werden.

Die Umstellung von einem quantitativen auf einen qualitativen Ansatz erfordert ein Umdenken im gesamten Vertriebsprozess. Es ist ein Wechsel von der Schrotflinte zum Scharfschützengewehr. Am Ende des Tages zählt nicht die Anzahl der getätigten Anrufe, sondern die Anzahl der geführten, wertvollen Gespräche, die tatsächlich zu Umsatz führen.

Der aggressive Verkaufsstil, der in der Schweiz garantiert scheitert

Viele Verkaufstrainings propagieren einen direkten, fordernden und abschlussorientierten Stil. Was vielleicht auf anderen Märkten funktionieren mag, ist in der Schweizer Geschäftswelt ein Garant für das Scheitern. Die hiesige Kultur ist geprägt von Konsens, Zurückhaltung und Professionalität. Ein Verkäufer, der Druck aufbaut, in Monologe verfällt oder versucht, den Gesprächspartner zu überrumpeln, wird sofort als unseriös und unangenehm eingestuft. Das Gespräch ist in diesem Moment beendet, bevor es überhaupt begonnen hat.

Der erfolgreiche Ansatz ist das genaue Gegenteil: das „Consultative Selling“. Hier positioniert sich der Anrufer nicht als Verkäufer, sondern als beratender Experte, der ein potenzielles Problem verstanden hat und eine mögliche Lösung anbietet. Der Fokus liegt auf dem Zuhören und dem Stellen offener Fragen. Fragen wie „Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell im Bereich X?“ oder „Wie gehen Sie derzeit mit Y um?“ laden zum Dialog ein und ermöglichen es dem Anrufer, echten Bedarf zu ermitteln. Es geht nicht darum, ein Produkt zu „pushen“, sondern eine Lösung für ein valides Problem zu „pullen“.

Geschäftsleute in respektvollem Dialog in Schweizer Konferenzraum

Diese respektvolle, dialogorientierte Herangehensweise ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von kultureller Intelligenz. Sie zollt der Erwartungshaltung des Schweizer Geschäftspartners Tribut, der eine sachliche und fundierte Diskussion auf Augenhöhe schätzt. Ein Gespräch, in dem der Angerufene den Grossteil der Redezeit hat, ist oft das erfolgreichste. Der Vertriebsmitarbeiter agiert als Katalysator, der durch gezielte Fragen den Bedarf aufdeckt und dann passgenau eine Lösung skizziert. Dieser Stil baut Vertrauen auf, was die Grundlage für jede langfristige Geschäftsbeziehung in der Schweiz ist.

Wann ist der perfekte Zeitpunkt für den Follow-up nach dem Erstgespräch?

Ein erfolgreiches Erstgespräch ist wertlos, wenn der Follow-up-Prozess unstrukturiert oder unpassend ist. Auch hier lauern kulturelle und organisatorische Fallstricke, die den eben aufgebauten guten Willen zunichtemachen können. Penetranz wird in der Schweiz schnell als aufdringlich empfunden. Ein durchdachtes Follow-up-Protokoll, das Timing und Mehrwert kombiniert, ist daher entscheidend, um den Lead weiterzuentwickeln, ohne ihn zu verprellen.

Das richtige Timing ist ein wichtiger Faktor. Während die optimalen Zeitfenster für B2B-Anrufe generell zwischen Dienstag und Donnerstag liegen, typischerweise am Vormittag (10-11 Uhr) oder Nachmittag (14-16 Uhr), gibt es in der Schweiz eine unumstössliche Regel: Respektieren Sie die Mittagszeit. Zwischen 12:00 und 13:30 Uhr geschäftlich anzurufen, gilt als äusserst unhöflich. Ebenso wichtig ist die Beachtung der kantonalen Feiertage. Ein Anruf bei einem Zürcher Unternehmen während des Sechseläutens zeigt mangelnde Vorbereitung und kulturelles Feingefühl.

Ein professionelles Follow-up-Protokoll für den Schweizer B2B-Markt kombiniert verschiedene Kanäle und liefert bei jedem Kontakt einen Mehrwert. Anstatt nur nach dem Stand der Dinge zu fragen, sollten Sie proaktiv nützliche Informationen liefern. Dies unterstreicht Ihre Expertise und hält das Gespräch am Laufen, ohne Druck auszuüben.

  • Tag 1-3: Senden Sie eine kurze Dankes-E-Mail, die die wichtigsten Punkte des Gesprächs zusammenfasst und die nächsten vereinbarten Schritte bestätigt.
  • Tag 7-10: Fassen Sie nicht telefonisch, sondern mit einer E-Mail nach, in der Sie einen relevanten Fachartikel, eine passende Studie oder einen Blogbeitrag teilen, der für den Gesprächspartner von Interesse sein könnte.
  • Tag 14-21: Erst jetzt erfolgt ein kurzer, telefonischer Nachfass-Anruf. Beziehen Sie sich auf das erste Gespräch und die gesendeten Informationen und fragen Sie nach offenen Punkten.
  • CRM-Disziplin: Dokumentieren Sie jeden einzelnen Kontaktversuch und alle vereinbarten Follow-up-Zeiträume lückenlos und rechtssicher im CRM-System. Das ist Ihre Absicherung und die Grundlage für einen professionellen Prozess.

Diese strukturierte und mehrwertorientierte Vorgehensweise zeigt dem potenziellen Kunden, dass Sie ihn und seine Zeit respektieren. Sie bleiben präsent, ohne lästig zu werden, und bauen kontinuierlich Ihre Position als kompetenter Partner aus.

Die Gefahr, kantonale Werbegesetze zu ignorieren

Viele Unternehmen wiegen sich in falscher Sicherheit, wenn sie sich ausschliesslich auf das nationale UWG konzentrieren. Sie übersehen dabei, dass die Schweiz ein föderalistischer Staat ist und die Kantone in bestimmten Bereichen eigene, teils strengere Regeln erlassen können. Im Bereich des unlauteren Wettbewerbs ist das zwar seltener der Fall, aber die Durchsetzung und Auslegung des Bundesrechts obliegt den kantonalen Staatsanwaltschaften. Und hier gibt es durchaus unterschiedliche Härtegrade und Schwerpunkte.

Ein Vertriebsleiter, der in der ganzen Schweiz tätig ist, muss sich bewusst sein, dass die „Temperatur“ von Kanton zu Kanton variieren kann. Was in einem Kanton gerade noch toleriert wird, kann in einem anderen bereits zu einer Strafanzeige führen. Besonders die lateinische Schweiz (Romandie) und das Tessin gelten oft als sensibler gegenüber aggressiven Werbemethoden als Teile der Deutschschweiz. Es ist ein Fehler zu glauben, eine „One-size-fits-all“-Strategie wäre ausreichend.

Ein konkretes Beispiel aus der Rechtsprechung illustriert diese Gefahr. Im Kanton Tessin wurde der Verwaltungsratspräsident eines Unternehmens verurteilt, weil seine Firma Privatpersonen mit Sterneintrag angerufen hatte. Das Berufungsgericht bestätigte die Schuld in mehreren Fällen und machte klar, dass die Verantwortung nicht einfach auf das ausführende Callcenter abgewälzt werden kann. Dieser Fall zeigt, dass die kantonalen Behörden das Bundesrecht durchaus rigoros anwenden und die Auftraggeber in die Pflicht nehmen. Die Ignoranz gegenüber lokalen Gepflogenheiten und der kantonalen Rechtspraxis ist daher ein nicht zu unterschätzendes operationelles Risiko.

Für eine schweizweite Kampagne bedeutet das: Es ist unerlässlich, nicht nur das Bundesgesetz zu kennen, sondern auch ein Gefühl für die lokalen Mentalitäten zu entwickeln. Im Zweifelsfall ist es immer die sicherere Variante, den konservativeren und respektvolleren Ansatz zu wählen. Die operationelle Compliance muss diese regionalen Unterschiede berücksichtigen, um das Unternehmen flächendeckend zu schützen.

Persönlicher Kontakt oder Auswahlmenü: Was erwartet der Schweizer Kunde?

Die Diskussion über Outbound-Akquise darf nicht den Blick darauf verstellen, dass auch der Inbound-Kanal, also eingehende Anrufe, ein entscheidender Kontaktpunkt ist. Hier stellt sich die Frage: Was erwartet ein Schweizer Kunde, wenn er selbst zum Hörer greift? Die Antwort ist klar: Effizienz, Kompetenz und Zugänglichkeit. Lange Warteschleifen und unübersichtliche Auswahlmenüs (IVR-Systeme) sind Gift für jede Kundenbeziehung.

Gerade in der Schweiz, wo Servicequalität hochgehalten wird, ist ein direkter, persönlicher Kontakt oft die bevorzugte Option. Ein gut konzipiertes IVR-System kann zwar helfen, Anrufe vorzusortieren, es muss aber immer eine klare und schnell erreichbare Option bieten, um mit einem Menschen zu sprechen („Für persönliche Beratung, bleiben Sie dran“). Nichts ist frustrierender als in einer Endlosschleife eines Menüs gefangen zu sein. Für ein national tätiges Unternehmen ist zudem eine professionelle Mehrsprachigkeit (DE, FR, IT) im IVR und bei den Agenten absolut zwingend.

Die Erwartungshaltung hat sich jedoch auch durch die Digitalisierung verschoben. Kunden sind es gewohnt, viele Informationen online zu finden und erwarten oft, dass der Mitarbeiter am Telefon bereits über ihre digitale „Reise“ Bescheid weiss. Ein Kunde, der sich auf der Webseite über ein Produkt informiert hat und dann anruft, möchte nicht bei null anfangen. Hier schliesst sich der Kreis zur Outbound-Strategie: Kanäle wie LinkedIn werden nicht nur zum „Vorwärmen“ genutzt, sondern sind Teil einer ganzheitlichen Kundenerwartung. Kunden erwarten eine nahtlose Erfahrung über alle Kanäle hinweg.

Ein gut geführtes Telefonsystem, ob inbound oder outbound, zeichnet sich durch folgende Best Practices aus:

  • Mehrsprachigkeit sicherstellen: Professionelle Ansagen und Agenten für Deutsch, Französisch und Italienisch sind ein Muss.
  • Menüführung kurzhalten: Ein IVR-System sollte maximal 3 Ebenen und 4 Optionen pro Ebene haben, um nicht unübersichtlich zu werden.
  • „Escape“-Option bieten: Immer eine leicht zugängliche Option für den direkten Kontakt mit einem Mitarbeiter anbieten.
  • Wartezeit kommunizieren: Bei Wartezeiten über 30 Sekunden sollte proaktiv ein Rückruf angeboten werden.

Letztlich geht es darum, dem Kunden das Gefühl zu geben, dass seine Zeit und sein Anliegen wertgeschätzt werden. Ob er nun angerufen wird oder selbst anruft – der Anspruch an Professionalität und Respekt bleibt derselbe.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rechtskonformität ist kein Hindernis, sondern ein strategischer Vorteil, der zu qualitativ hochwertigeren Leads führt.
  • Ein aggressiver Verkaufsstil ist in der Schweiz kontraproduktiv; ein beratender, respektvoller Ansatz („Consultative Selling“) ist der Schlüssel.
  • Inbound-Telefonie ist eine ungenutzte Goldgrube, die durch geschulte Mitarbeiter und die richtige Technologie zum Umsatztreiber wird.

Wie verwandeln Sie Inbound-Telefonie vom Kostenfaktor zum Umsatztreiber?

Für viele Unternehmen ist die Inbound-Telefonie primär ein Service-Kanal und damit ein Kostenfaktor. Kunden rufen an bei Problemen, Fragen zur Rechnung oder für technischen Support. Doch in jedem dieser Gespräche liegt eine ungenutzte Chance. Ein Kunde, der von sich aus anruft, signalisiert bereits ein hohes Mass an Engagement. Diese Kontakte sind Gold wert und können mit der richtigen Strategie von einem Service-Fall in eine Verkaufschance umgewandelt werden – das sogenannte „Service-to-Sales“.

Der Schlüssel zur Transformation liegt in zwei Bereichen: geschulte Mitarbeiter und die richtige Technologie. Ihre Service-Agenten müssen darauf trainiert werden, Cross- und Up-Selling-Potenziale zu erkennen. Das erfordert Fingerspitzengefühl. Es geht nicht darum, einem verärgerten Kunden ein neues Produkt aufzudrängen, sondern darum, im Laufe eines gut geführten Service-Gesprächs proaktiv auf Lösungen oder bessere Produkte hinzuweisen, die das ursprüngliche Problem des Kunden langfristig lösen könnten. Ein Beispiel ist die Direct Communication AG, die für einen grossen Kunden wie Tamedia jährlich über 2,2 Millionen Adressen bearbeitet und erfolgreich Telefonmarketing zur Abonnentengewinnung einsetzt, oft aus bestehenden Service-Interaktionen heraus.

Technologisch ist ein modernes CRM-System mit integrierter Telefonie (CTI) unerlässlich. Nur wenn der Mitarbeiter am Telefon sofort die gesamte Kundenhistorie auf dem Bildschirm hat – frühere Käufe, Service-Anfragen, Notizen aus letzten Gesprächen – kann er ein wirklich personalisiertes und relevantes Angebot machen. Das CRM wird so von einer reinen Datenbank zur zentralen Intelligenz Ihres Vertriebs. Für den Schweizer Markt gibt es eine Reihe von etablierten Anbietern, die eine nahtlose Integration ermöglichen.

Die Auswahl des richtigen CRM-Systems ist eine strategische Entscheidung. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über gängige Lösungen, die im Schweizer Markt etabliert sind und eine gute Telefonie-Integration bieten, wie sie in einer vergleichenden Analyse für den B2B-Vertrieb dargestellt werden.

Schweizer CRM-Systeme für Telemarketing-Integration
CRM-System Schweizer Anbieter Telefonintegration Preis ab CHF/Monat
Bexio Ja VoIP-Integration 28.-
PROFFIX Ja CTI-Schnittstelle 45.-
Abacus Ja Telefonie-Modul 65.-
Salesforce Nein Umfassend 125.-

Durch die intelligente Verknüpfung von Mensch und Maschine wird der Inbound-Kanal so zu einer proaktiven Umsatzquelle. Jeder eingehende Anruf ist eine Chance, die Kundenbindung zu stärken und den Kundenwert zu steigern. Anstatt nur Kosten zu verursachen, generiert Ihr Service-Team aktiv Deckungsbeitrag.

Die Neuausrichtung Ihres Service-Verständnisses ist ein gewaltiger Hebel. Prüfen Sie das Potenzial, das in Ihren eingehenden Anrufen schlummert, und ergreifen Sie die Chance.

Beginnen Sie noch heute damit, Ihre Telemarketing-Strategie neu auszurichten. Setzen Sie auf Qualität statt Quantität, respektieren Sie die rechtlichen und kulturellen Rahmenbedingungen der Schweiz und nutzen Sie die hier vorgestellten Taktiken, um Ihre Telefonakquise von einem Risiko in einen planbaren Erfolgskanal zu verwandeln.

Geschrieben von Reto Stalder, B2B-Vertriebscoach und Spezialist für Leadgenerierung in der Schweiz. Experte für die Verzahnung von Marketing und Sales, Telemarketing unter Beachtung des Sternchenvermerks und Social Selling.