
Entgegen der gängigen Annahme ist die helvetische Zurückhaltung kein Hindernis für ehrliche Kunden-Insights, sondern der Schlüssel dazu, wenn man sie als Datenpunkt analysiert statt sie durchbrechen zu wollen.
- Qualitative Tiefeninterviews decken verborgene Bedürfnisse auf, die in Massen-Umfragen untergehen.
- Die Analyse von indirekten Signalen und unaufgefordertem Feedback (z. B. auf Social Media oder durch KI-Bots) liefert ungeschminkte Wahrheiten.
Empfehlung: Fokussieren Sie Ihre Marktforschung auf die „Bedürfnis-Archäologie“ – das systematische Freilegen von Motivationen, die hinter der höflichen Fassade verborgen liegen.
Als Marktforscher in der Schweiz stehen Sie vor einer einzigartigen Herausforderung. Sie wissen, dass die Antwort „Es ist gut“ selten die ganze Wahrheit ist. Die tief verwurzelte Kultur der Höflichkeit und Zurückhaltung führt oft zu einem Phänomen, das wir als „soziale Erwünschtheit“ kennen: Befragte geben Antworten, von denen sie annehmen, dass sie der Interviewer hören möchte, anstatt ihre ehrliche, vielleicht kritische Meinung zu äussern. Die üblichen Ratschläge – Vertrauen aufbauen, offene Fragen stellen – greifen hier oft zu kurz. Sie kratzen nur an der Oberfläche dessen, was wir die „Höflichkeits-Fassade“ nennen könnten.
Doch was wäre, wenn diese Fassade nicht als Barriere, sondern als wertvolle Informationsquelle betrachtet würde? Was, wenn die wahre Kunst nicht darin besteht, direkte Antworten zu erzwingen, sondern die subtilen, indirekten Signale zu deuten, die in der Stille, im Zögern und in der sorgfältig gewählten Formulierung liegen? Genau hier setzt ein Paradigmenwechsel in der Schweizer Marktforschung an. Es geht nicht mehr nur darum zu hören, was Kunden sagen, sondern zu verstehen, was sie wirklich meinen. Es ist der Übergang von der reinen Datenerhebung zur analytischen Empathie.
Dieser Artikel führt Sie durch die psychologischen und methodischen Ansätze, um genau das zu erreichen. Wir werden untersuchen, wie wenige Tiefeninterviews aufschlussreicher sein können als hunderte von Fragebögen. Wir decken auf, wie Sie echtes „Schatten-Feedback“ finden, das Kunden hinterlassen, wenn sie sich unbeobachtet fühlen. Wir zeigen, wie Sie aus diesen tiefen Einblicken datengestützte Personas entwickeln und das Ganze datenschutzkonform im Rahmen des neuen Schweizer Datenschutzgesetzes (nDSG) umsetzen.
Die folgende Gliederung dient Ihnen als Wegweiser durch die verschiedenen Facetten der Gewinnung ehrlicher Customer Insights. Jeder Abschnitt baut auf dem vorherigen auf, um Ihnen ein umfassendes methodisches Rüstzeug an die Hand zu geben.
Inhaltsverzeichnis: Der Weg zu unverfälschten Kunden-Einblicken in der Schweiz
- Warum 5 Tiefeninterviews mehr wert sind als 500 angekreuzte Umfragebögen
- Was sagen Kunden wirklich über Sie, wenn Sie nicht dabei sind?
- Wie machen Sie Kundenfeedback zu einem festen Bestandteil jedes Projekts?
- Der Fehler, Personas auf Bauchgefühl statt auf echten Daten zu basieren
- Wie Sie im Beschwerde-Ordner die besten Ideen für neue Produkte finden
- Markenidentität vs. Markenimage: Welches Problem haben Sie wirklich?
- Wie nutzen Sie psychografische Daten statt nur Demografie?
- Wie analysieren Sie die Customer Journey in der Schweiz konform zum neuen Datenschutzgesetz (nDSG)?
Warum 5 Tiefeninterviews mehr wert sind als 500 angekreuzte Umfragebögen
In einer Kultur, in der ein höfliches Nicken alles von „genial“ bis „gerade noch akzeptabel“ bedeuten kann, verlieren standardisierte Skalen an Aussagekraft. Quantitative Umfragen messen oft nur die Spitze des Eisbergs: die bewusste, rationalisierte und sozial gefilterte Meinung. Die wahren Treiber von Kaufentscheidungen – latente Bedürfnisse, unbewusste Frustrationen und emotionale Assoziationen – bleiben verborgen. Hier beginnt die Arbeit der Bedürfnis-Archäologie: das sorgfältige Freilegen tieferer Motivationsschichten durch qualitative Methoden. Fünf einstündige, offene Gespräche, in denen Sie auf indirekte Signale wie Tonfall, Wortwahl und Körpersprache achten, können mehr über die wahren Beweggründe Ihrer Zielgruppe verraten als 500 schnell angekreuzte Online-Formulare.
Dieser Ansatz erfordert ein Umdenken von der reinen Datensammlung zur Interpretation. Es geht darum, nicht nur Fragen zu stellen, sondern eine Geschichte zu verstehen. Eine Studie zu Schweizer KMU unterstreicht diesen Wert, indem sie aufzeigt, dass neben grossen Datenbanken gerade speziell ausgewertete Individualdaten für tiefere Einblicke genutzt werden. Solche tiefen Einblicke sind die Grundlage für echte Innovation und eine präzise Kundenansprache.

Die Kunst besteht darin, die richtigen Fragen zu stellen – und oft sind das gar keine direkten Fragen. Statt „Gefällt Ihnen unser Produkt?“ könnten Sie fragen: „Erzählen Sie mir von der letzten Situation, in der Sie unser Produkt verwendet haben.“ Diese narrative Herangehensweise öffnet den Raum für spontane Assoziationen und enthüllt den Kontext, in dem Ihr Angebot tatsächlich lebt. Es ist diese kontextuelle Tiefe, die quantitative Daten allein niemals liefern können. Die folgende Checkliste bietet einen methodischen Rahmen für die Durchführung solcher wertvollen Tiefeninterviews.
Ihr Plan für erfolgreiche Tiefeninterviews
- Touchpoint-Analyse durchführen: Untersuchen Sie die gesamte Customer Journey mit Methoden wie Mystery Studies oder Co-Creation, um kritische Interaktionspunkte zu identifizieren.
- Online-Tagebücher einsetzen: Nutzen Sie Online-Diaries, um authentische Einblicke in die Kundenerfahrung über einen längeren Zeitraum zu erhalten, frei von sozialem Druck.
- Emotionskurven erstellen: Dokumentieren Sie die emotionalen Hochs und Tiefs, die Kunden erleben, und visualisieren Sie diese entlang der Customer Journey, um Schmerzpunkte und Begeisterungsmomente aufzudecken.
- Experimentelle Designs testen: Prüfen Sie verschiedene Angebote oder Preisvarianten in kontrollierten qualitativen Settings, bevor Sie diese breit ausrollen.
- Quantitative Validierung: Nutzen Sie die qualitativen Erkenntnisse, um gezielte Hypothesen zu formulieren, die Sie anschliessend mit quantitativen Umfragen validieren und priorisieren.
Was sagen Kunden wirklich über Sie, wenn Sie nicht dabei sind?
Der Moment, in dem die Bürotür ins Schloss fällt oder der Zoom-Call endet, ist der Moment der Wahrheit. Was bespricht der Kunde danach mit seinem Kollegen? Was postet er in einem geschlossenen Forum? Dieses ungeschminkte „Schatten-Feedback“ ist von unschätzbarem Wert, da es frei von sozialer Erwünschtheit ist. Die Herausforderung besteht darin, diese authentischen Gespräche zu finden und zu analysieren, ohne die Privatsphäre zu verletzen. Methoden der digitalen Ethnografie wie Social Media Listening oder die Analyse von Bewertungsplattformen sind hierfür entscheidend.
Sie ermöglichen es, Muster in der öffentlichen Meinung zu erkennen und Stimmungen in Echtzeit zu verfolgen. Besonders aufschlussreich sind die Kommentare und Diskussionen, die nicht direkt an Ihre Marke gerichtet sind. Hier, in Nischenforen oder spezialisierten Facebook-Gruppen, entfaltet sich die ehrliche Meinung Ihrer Zielgruppe. Es ist die Beobachtung des natürlichen Verhaltens in der „digitalen Wildnis“, die Ihnen Einblicke gewährt, die kein strukturiertes Interview je könnte.
Eine überraschende Methode, um die Höflichkeits-Fassade zu umgehen, liegt im Einsatz von Technologie. Paradoxerweise neigen Menschen dazu, sich gegenüber einer Maschine mehr zu öffnen als gegenüber einem Menschen. Eine auf dem ESOMAR Kongress vorgestellte Studie zeigte, dass Befragte mit Chatbots offener kommunizieren und die Gespräche trotz längerer Dauer als kürzer empfinden. Ein gut programmierter KI-Bot urteilt nicht, hat keine Erwartungen und erzeugt keinen sozialen Druck. Dies macht ihn zu einem überraschend effektiven Werkzeug, um gerade in einer zurückhaltenden Kultur wie der Schweiz an tiefere, ehrlichere Antworten zu gelangen.
Wie machen Sie Kundenfeedback zu einem festen Bestandteil jedes Projekts?
Das Sammeln wertvoller Insights ist nur der erste Schritt. Ohne eine systematische Integration in die Unternehmensprozesse verpufft ihr Potenzial. Um Kundenfeedback von einer sporadischen Übung zu einem integralen Bestandteil der Kultur zu machen, braucht es klare Strukturen und Verantwortlichkeiten. Eine bewährte Methode ist die Etablierung eines „Insight-Göttis“ oder eines kleinen, abteilungsübergreifenden Teams, das dafür verantwortlich ist, gesammeltes Feedback zu kuratieren, zu analysieren und für verschiedene Abteilungen wie Produktentwicklung, Marketing und Vertrieb aufzubereiten.
Dieser Prozess beginnt damit, die unterschiedlichen Arten von Feedback und ihre jeweiligen Stärken zu verstehen. Qualitative und quantitative Methoden sollten nicht als Konkurrenten, sondern als Partner betrachtet werden. Die qualitative Forschung liefert die tiefen, kontextreichen „Warum“-Fragen, während die quantitative Forschung die „Wie viel“-Fragen beantwortet und hilft, die qualitativen Erkenntnisse zu validieren und zu priorisieren. Es geht darum, eine Feedback-Schleife zu schaffen: Eine qualitative Entdeckung führt zu einer quantitativen Hypothese, deren Ergebnis wiederum neue Fragen für die qualitative Forschung aufwirft.
Der folgende Vergleich verdeutlicht die unterschiedlichen, aber komplementären Rollen der beiden Forschungsansätze:
| Methode | Qualitative Forschung | Quantitative Forschung |
|---|---|---|
| Datentyp | Interviews oder offene Fragen in Umfragen, Fokus auf Verständnis der Kundenmeinungen | Numerische Daten durch Umfragen oder Bewertungssysteme, analysiert mit statistischen Methoden |
| Erkenntnisziel | Tiefes Verständnis von Motivationen und Emotionen | Messbare Trends und Muster identifizieren |
| Erhebungsform | Persönliche Interviews, Fokusgruppen | Online-Umfragen, Bewertungsskalen |
| Auswertung | Antworten in Themen und Kategorien einteilen, um Muster zu erkennen | Durchschnittswerte berechnen und Bewertungsverteilung analysieren |
Die Implementierung eines solchen Systems erfordert auch praktische Massnahmen wie standardisierte Interview-Dokumentationen und abteilungsübergreifend entwickelte Fragenkataloge. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Motivation der Kunden zur Teilnahme. Ein durchdachtes Incentive-System, das über einen einfachen Gutschein hinausgehen kann (z.B. exklusiver Zugang zu neuen Features), erhöht die Bereitschaft zur Mitarbeit erheblich.
Der Fehler, Personas auf Bauchgefühl statt auf echten Daten zu basieren
Personas sind ein mächtiges Werkzeug – wenn sie richtig gemacht sind. Allzu oft sind sie jedoch das Produkt von internen Annahmen, Wunschdenken und Anekdoten aus dem Vertrieb. Solche „Bauchgefühl-Personas“ sind nicht nur ungenau, sie sind gefährlich. Sie führen zu fehlgeleiteten Produktentwicklungen, ineffektivem Marketing und einer strategischen Ausrichtung, die die Realität des Marktes verfehlt. Echte, handlungsleitende Personas sind keine kreative Übung, sondern das Ergebnis einer rigorosen Synthese aus qualitativen und quantitativen Daten.
Die Basis bilden quantitative Daten: demografische Informationen, Kaufhistorien, Nutzungsdaten Ihrer Website oder App. Diese Daten zeigen Ihnen, *was* Ihre Kunden tun. Sie segmentieren Ihren Markt in statistisch relevante Gruppen. Doch diese Segmente bleiben gesichtlos und ohne Motivation. Hier setzt die qualitative Forschung an, um diese Skelette mit Leben zu füllen. Durch Tiefeninterviews mit ausgewählten Vertretern jedes Segments erfahren Sie, *warum* sie sich so verhalten. Sie verstehen ihre Ziele, ihre Frustrationen und ihren Alltag. So wird aus dem Segment „Männer, 40-50, ländliche Region“ die Persona „Markus, der pragmatische Handwerker“, der Wert auf Langlebigkeit legt und Online-Shops misstraut.
In der Schweiz, wo laut den neuesten provisorischen Zahlen des Bundesamts für Statistik 99,7% der Unternehmen als KMU klassifiziert sind, ist dieser datengestützte Ansatz besonders relevant. KMU können es sich nicht leisten, an der Zielgruppe vorbei zu entwickeln. Qualitative Forschung hilft dabei, die entwickelten Segmente für alle im Unternehmen „erlebbar zu machen“ und ihnen ein Gesicht zu geben, wodurch Kommunikation und Produktentwicklung zielgerichteter werden. Eine Persona ist somit keine Fiktion, sondern ein wissenschaftlich fundiertes Modell eines typischen Kunden, das auf echten Verhaltensweisen und verifizierten Motivationen beruht.
Wie Sie im Beschwerde-Ordner die besten Ideen für neue Produkte finden
Kein Unternehmen mag Beschwerden. Sie kosten Zeit, Geld und Nerven. Aus der Perspektive eines Marktforschers und Psychologen ist der digitale „Beschwerde-Ordner“ jedoch eine Goldgrube. Während zufriedene Kunden oft schweigen, sind unzufriedene Kunden hochmotiviert, detailliertes und leidenschaftliches Feedback zu geben. Sie artikulieren präzise, wo Ihr Produkt oder Service versagt, welche Funktion fehlt oder welcher Prozess umständlich ist. Jede Beschwerde ist im Kern ein unausgesprochenes Bedürfnis, das nicht erfüllt wurde.
Die systematische Analyse von Beschwerde-Feedback geht über das blosse Lösen individueller Probleme hinaus. Es geht darum, Muster zu erkennen. Wenn sich zehn Kunden über denselben umständlichen Schritt im Checkout-Prozess beschweren, haben Sie nicht zehn Einzelfälle, sondern einen klaren Hinweis auf einen Designfehler. Wenn mehrere Kunden versuchen, Ihr Produkt auf eine Weise zu „zweckentfremden“, für die es nicht gedacht war, ist das oft kein Anwenderfehler, sondern ein starkes Signal für ein neues, unentdecktes Marktsegment oder eine innovative Produktfunktion.
Diese Form der Analyse ist nicht auf direkte Beschwerde-E-Mails beschränkt. Die gleichen Muster lassen sich in Verhaltensdaten finden. Die Datenanalyse kann genutzt werden, um Muster von Unzufriedenheit in Kundenverhaltensweisen zu entdecken, wie z.B. hohe Warenkorb-Abbruchraten an einem bestimmten Punkt oder eine hohe Bounce-Rate auf einer spezifischen Unterseite. Diese Datenpunkte sind quasi die stummen Schreie Ihrer Nutzer. Sie zeigen Ihnen exakt, wo die Reise abbricht. Indem Sie dieses negative Feedback nicht als Ärgernis, sondern als kostenlose Unternehmensberatung betrachten, verwandeln Sie Ihre grössten Kritiker in Ihre wertvollsten Innovatoren.
Markenidentität vs. Markenimage: Welches Problem haben Sie wirklich?
Viele Unternehmen investieren massiv in die Definition ihrer Markenidentität. In internen Workshops werden Werte formuliert, Mission-Statements verfasst und die gewünschte Positionierung bis ins kleinste Detail ausgearbeitet. Dies ist die Markenidentität – wie das Unternehmen sich selbst sehen *möchte*. Doch oft klafft eine gewaltige Lücke zwischen dieser internen Wunschvorstellung und der externen Wahrnehmung, dem Markenimage. Das Markenimage ist die Summe aller Gedanken, Gefühle und Assoziationen, die Kunden tatsächlich mit Ihrer Marke verbinden. Es basiert auf realen Erfahrungen, nicht auf Strategiepapieren.
Die Gewinnung ehrlicher Customer Insights dient vor allem einem Zweck: diese Lücke zu vermessen und zu verstehen. Wenn Ihre Markenidentität „innovativ und schnell“ lautet, Ihr Kundenfeedback aber wiederholt „umständlich und langsam“ signalisiert, haben Sie kein Kommunikationsproblem, sondern ein fundamentales Produkt- oder Serviceproblem. Etablierte Marken ohne direkten Kundenkontakt, wie etwa grosse Konsumgüterhersteller, erkennen zunehmend diese Gefahr. Sie eröffnen gezielt eigene Flagship-Stores oder Pop-ups, nicht primär für den Umsatz, sondern um direkten, ungefilterten Kundenkontakt zu ermöglichen und wertvolle Daten für die Marktentwicklung zu sammeln.
Die Unterscheidung ist für Ihre Forschungsstrategie entscheidend. Wollen Sie prüfen, ob Ihre internen Werte verstanden werden (Analyse des Images)? Oder wollen Sie herausfinden, welche Werte Ihre Kunden tatsächlich leben, um Ihre Identität daran anzupassen (Grundlagenforschung)? Die folgende Tabelle zeigt die unterschiedlichen Analyseansätze:
| Aspekt | Markenidentität (Interne Sicht) | Markenimage (Externe Wahrnehmung) |
|---|---|---|
| Definition | Wie sich das Unternehmen selbst sieht und positioniert | Datengestützte Beobachtungen, die Unternehmen helfen, ihre Kunden besser zu verstehen |
| Erhebungsmethode | Interne Workshops, Strategiedokumente | Feedback-Umfragen, Marktforschung und Werbekampagnen-Analyse |
| Datenquellen | Unternehmenswerte, Mission Statements | Kundenumfragen, Online-Reviews, Fokusgruppen |
| Analysefokus | Gewünschte Positionierung | Gedanken, Meinungen und Erfahrungen der Menschen |
Das eigentliche Ziel ist die Kongruenz von Identität und Image. Ehrliche Customer Insights sind der Kompass, der Ihnen zeigt, wie weit Sie vom Kurs abgekommen sind, und der Ihnen hilft, die notwendigen Korrekturen an Ihrem Produkt, Ihrem Service oder Ihrer Kommunikation vorzunehmen, um beide Aspekte wieder in Einklang zu bringen.
Wie nutzen Sie psychografische Daten statt nur Demografie?
Demografische Daten wie Alter, Geschlecht und Wohnort sind einfach zu erheben, aber ihre Aussagekraft ist begrenzt. Sie erklären, *wer* Ihre Kunden sind, aber nicht, *warum* sie handeln, wie sie handeln. Zwei Personen mit identischem demografischem Profil können völlig unterschiedliche Wertesysteme, Lebensstile und Kaufmotivationen haben. Hier kommen psychografische Daten ins Spiel. Sie beschreiben die inneren Merkmale einer Person: ihre Einstellungen, Interessen, Meinungen und Persönlichkeitsmerkmale. Sie sind der Schlüssel zum tiefen Verständnis der Kundenmotivation.
Die Erhebung psychografischer Daten erfordert anspruchsvollere Methoden als die reine Demografie. Sie basiert auf der Analyse von Verhaltensweisen (z.B. durch Webtracking oder Social Listening) und der gezielten Erfragung von Einstellungen in qualitativen Interviews oder speziellen Umfragen. Ein besonders aufschlussreicher Bereich ist die Beobachtung der „Zweckentfremdung“ von Produkten. Wenn Kunden Ihr Produkt für etwas verwenden, wofür es nie gedacht war, ist dies ein starkes psychografisches Signal, das auf ein ungelöstes Problem und eine bestimmte Mentalität (z.B. Pragmatismus, Kreativität) hinweist.
Für den Schweizer Markt gibt es bereits hochentwickelte Modelle zur psychografischen Segmentierung. Die neue Konsumstiltypologie b4p 2024 teilt die Bevölkerung in acht prototypische Personas ein. Diese berücksichtigen Grundhaltungen wie Lifestyle-Enthusiasmus, Risikobereitschaft, Nachhaltigkeitsorientierung und Preisbewusstsein. Anstatt also nur zu wissen, dass Ihre Zielgruppe „weiblich, 30-40, städtisch“ ist, können Sie sie als „Hedonistische Performerin“ oder „Bodenständige Traditionalistin“ verstehen. Dieser Sprung von der Demografie zur Psychografie ermöglicht eine viel präzisere, resonantere und letztlich effektivere Marketing- und Produktstrategie, da Sie nicht mehr nur Merkmale, sondern Mentalitäten und Wertesysteme ansprechen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Schweizer Zurückhaltung ist kein Forschungshindernis, sondern eine reiche Datenquelle für indirekte Signale.
- Qualitative Tiefe (Tiefeninterviews) schlägt quantitative Breite (Massenumfragen), wenn es um das Verständnis von Motivationen geht.
- Ehrliches Feedback findet sich oft unbeobachtet; digitale Ethnografie und KI-gestützte Interviews sind Schlüsselmethoden, um es zu heben.
Wie analysieren Sie die Customer Journey in der Schweiz konform zum neuen Datenschutzgesetz (nDSG)?
Die detaillierte Analyse der Customer Journey, von der ersten Google-Suche bis zum After-Sales-Service, ist entscheidend, um Reibungspunkte zu identifizieren. Doch seit der Einführung des neuen Datenschutzgesetzes (nDSG) in der Schweiz sind die Anforderungen an Transparenz und Einwilligung gestiegen. Jede Erhebung und Verarbeitung von Personendaten, wozu auch Tracking-Daten gehören können, muss sorgfältig abgewogen werden. Der Schlüssel liegt in der Balance zwischen datengestützten Insights und dem Respekt vor der Privatsphäre der Nutzer. Dies bedeutet nicht das Ende der Customer Journey Analyse, sondern eine Verlagerung hin zu datenschutzfreundlicheren Methoden.
Ein wichtiger Ansatz ist die konsequente Anonymisierung und Aggregierung von Daten. Tools wie Matomo oder Plausible Analytics ermöglichen ein sogenanntes „Privacy-First-Tracking“, das wertvolle Einblicke in Nutzerströme auf Ihrer Website liefert, ohne dabei persönliche, identifizierbare Informationen wie IP-Adressen dauerhaft zu speichern. Für tiefere Einblicke können KI-moderierte Interviews genutzt werden, bei denen von vornherein klar ist, dass die Daten für Forschungszwecke erhoben werden und die Einwilligung explizit eingeholt wird. Die grosse Kunst, wie Experten betonen, liegt darin, „Daten intelligent zu filtern und Insights strategisch zu kuratieren“, anstatt wahllos alles zu sammeln. So wird die Einhaltung des nDSG von einer lästigen Pflicht zu einem Qualitätsmerkmal, das Vertrauen bei den Kunden schafft – ein besonders wertvolles Gut in der Schweiz.
Daten intelligent zu filtern und Insights strategisch zu kuratieren
– Heiko Nossek, Director Customer and Market Insights
Letztendlich erfordert eine nDSG-konforme Analyse eine bewusste Entscheidung für Qualität statt Quantität bei den Datenpunkten. Anstatt jeden Klick zu verfolgen, konzentrieren Sie sich auf die kritischen Momente der Reise und nutzen Sie explizit eingeholtes, qualitatives Feedback, um das „Warum“ hinter den aggregierten, anonymen Daten zu verstehen. So gewinnen Sie die notwendigen Insights, ohne das Vertrauen Ihrer Kunden zu verspielen.
Beginnen Sie noch heute damit, diese psychologisch fundierten Methoden in Ihre Marktforschung zu integrieren. Analysieren Sie die Nuancen, hören Sie auf das, was nicht gesagt wird, und verwandeln Sie die helvetische Zurückhaltung von einer Herausforderung in Ihren grössten strategischen Vorteil.
Häufig gestellte Fragen zu ehrlichen Customer Insights
Welche KI-Tools sind für die datenschutzkonforme Analyse geeignet?
KI-moderierte Interviews ermöglichen eine schnelle, umfangreiche und effiziente Datenerhebung. Experten zeigen, für welche Fragen die Methode ideal ist und worauf geachtet werden muss, insbesondere bei der Einholung der Zustimmung gemäss nDSG, um die Datenschutzkonformität sicherzustellen.
Wie können Unternehmen Daten sammeln ohne persönliche Informationen?
Privacy-First-Tracking-Tools wie Matomo oder Plausible ermöglichen die Analyse der Customer Journey ohne die Sammlung persönlich identifizierbarer Informationen. Sie fokussieren auf aggregierte Verhaltensmuster wie Seitenaufrufe und Verweildauer, anstatt einzelne Nutzerprofile zu erstellen.
Was bedeutet die KI-Revolution für die Customer Experience?
Die dossier.PLUS: CX Research Days beleuchten, wie KI die Customer Experience verändert, indem Chancen und Risiken der Automatisierung im Vergleich zur menschlichen Betreuung untersucht werden. Der Fokus liegt darauf, wo KI Effizienz steigert und wo menschliche Empathie unersetzlich bleibt.