Veröffentlicht am Mai 17, 2024

Im konservativen Schweizer B2B-Umfeld führt der Weg zum Expertenstatus nicht über laute Werbung, sondern über substanzielle Inhalte, die echte Probleme lösen.

  • Tiefgründige Formate wie Whitepapers, idealerweise in Kooperation mit anerkannten Institutionen, schaffen mehr Vertrauen als oberflächliche Blogartikel.
  • Die gezielte Besetzung von Nischenthemen und der Verzicht auf austauschbare Buzzwords demonstrieren wahre Expertise und heben Sie vom Wettbewerb ab.

Empfehlung: Konzentrieren Sie Ihre Ressourcen darauf, ein einziges, fundiertes Content-Stück zu erstellen, das ein spezifisches Kundenproblem löst, anstatt viele oberflächliche Inhalte zu produzieren.

Für Berater und Dienstleister im Schweizer B2B-Markt ist die Positionierung als Experte keine Option, sondern eine Notwendigkeit. Doch wie erreicht man diesen Status in einem Umfeld, das von professioneller Zurückhaltung und einem hohen Anspruch an Substanz geprägt ist? Der Reflex, auf die gängigen Ratschläge des internationalen Marketings zu hören – „mehr Content“, „lauter sein“, „ständig posten“ – führt hier oft in die Irre. Solche Strategien können schnell als aufdringlich oder oberflächlich wahrgenommen werden und das wertvollste Gut untergraben: das Vertrauen.

Die Herausforderung liegt darin, die eigene Kompetenz sichtbar zu machen, ohne in reine Selbstvermarktung zu verfallen. Viele versuchen es mit regelmässigen Blogartikeln oder einer aktiven Präsenz in sozialen Netzwerken, stellen jedoch fest, dass ihre Botschaft im allgemeinen Rauschen untergeht. Es fehlt die strategische Tiefe, die einen Gedankenführer von einem blossen Content-Produzenten unterscheidet. Die Schweizer Geschäftskultur verlangt nach Beweisen, nicht nach Behauptungen.

Doch was, wenn der Schlüssel nicht in der Quantität der Inhalte liegt, sondern in deren strategischer Präzision und kultureller Passgenauigkeit? Dieser Leitfaden bricht mit der Logik des „Mehr ist mehr“. Stattdessen zeigen wir Ihnen einen Weg, der auf den Prinzipien von Substanz, Nischenfokus und dem gezielten Einsatz von Vertrauensankern basiert. Es geht darum, durch die diskrete, aber unübersehbare Demonstration von Problemlösungskompetenz zu überzeugen. Ein Ansatz, der tief in der Schweizer Geschäftskultur verwurzelt ist und nachhaltig Expertenstatus schafft.

In den folgenden Abschnitten analysieren wir präzise, welche Content-Formate bei Entscheidungsträgern Anklang finden, wie Sie unbesetzte Themenfelder identifizieren und wie Sie Ihre Expertise so kommunizieren, dass sie als glaubwürdig und nicht als anmassend empfunden wird. Entdecken Sie eine Strategie, die auf Qualität statt auf Lautstärke setzt.

Warum ein fundiertes Whitepaper mehr wert ist als 10 oberflächliche Blogposts

Im Streben nach Sichtbarkeit verfallen viele Unternehmen in einen Rhythmus der Content-Produktion, der auf Frequenz statt auf Tiefe setzt. Das Ergebnis sind zahlreiche Blogartikel, die an der Oberfläche kratzen, aber bei anspruchsvollen B2B-Entscheidern kaum Eindruck hinterlassen. Im Schweizer Markt, wo Substanz als Währung gilt, ist ein einziges, tiefgründiges Whitepaper strategisch wertvoller als eine Flut von Allgemeinplätzen. Es signalisiert nicht nur, dass Sie ein Thema verstanden haben, sondern dass Sie es intellektuell durchdrungen und neue Erkenntnisse daraus generiert haben.

Ein Whitepaper dient als unmissverständlicher Beweis Ihrer Expertise. Es bietet den Raum, komplexe Zusammenhänge detailliert darzulegen, eigene Daten zu präsentieren und eine fundierte Meinung zu vertreten. Während ein Blogpost oft nach wenigen Tagen an Relevanz verliert, wird ein hochwertiges Whitepaper über Monate oder gar Jahre hinweg als Referenzdokument genutzt und geteilt. Es ist ein digitales Asset, das nachhaltig zur Lead-Generierung und zum Aufbau von Thought Leadership beiträgt, was die Relevanz von Content Marketing als einen der Top-B2B-Trends unterstreicht.

Die ultimative Aufwertung erfährt ein solches Dokument in der Schweiz durch die Zusammenarbeit mit einer anerkannten Institution. Die Kooperation mit einer Hochschule oder einem Forschungsinstitut fungiert als entscheidender Vertrauensanker.

Fallbeispiel: Autoritätstransfer durch Co-Autorenschaft

Die ETH Zürich veröffentlicht jährlich ihre anerkannte Sicherheitsstudie in Zusammenarbeit mit der Militärakademie. Dieses Modell der Co-Autorenschaft zwischen einem Unternehmen und einer renommierten Institution wie der ETH oder der HSG ist im B2B-Umfeld hochwirksam. Die wissenschaftliche Autorität und die wahrgenommene Neutralität der Hochschule werden direkt auf den Inhalt und damit auf das mitwirkende Unternehmen übertragen. Dies erhöht das Vertrauen signifikant und hebt den Content aus dem kommerziellen Rauschen heraus.

Ein solches Vorgehen ist zwar ressourcenintensiv, aber die Wirkung ist ungleich grösser. Es positioniert Ihr Unternehmen nicht als Verkäufer, sondern als ernstzunehmenden Partner und Vordenker, der einen echten Beitrag zur Diskussion in seiner Branche leistet.

Wie finden Sie Nischenthemen, die Ihre Konkurrenz noch nicht besetzt hat?

Der grösste Fehler im Content-Marketing ist, über dieselben Themen zu schreiben wie alle anderen. Wer sich als Experte etablieren will, muss das Terrain besetzen, das die Konkurrenz übersieht. Wahre Thought Leadership entsteht nicht durch das Wiederholen bekannter Fakten, sondern durch das Aufzeigen neuer Perspektiven auf spezifische, ungelöste Probleme. Im diversifizierten Schweizer Markt liegen diese Nischen oft an den Schnittstellen von Branchen, Technologien und regulatorischen Veränderungen.

Die systematische Suche nach diesen „Content Gaps“ ist ein strategischer Prozess. Er beginnt damit, die offensichtlichen Themen zu ignorieren und stattdessen den „Schmerzpunkten“ der Kunden genau zuzuhören. Welche Fragen werden in Verkaufsgesprächen immer wieder gestellt, aber online nie beantwortet? Welche Herausforderungen diskutieren Fachexperten auf Branchenveranstaltungen hinter vorgehaltener Hand? Oft sind die wertvollsten Themen diejenigen, die noch nicht digital dokumentiert sind.

Visualisierung von Schweizer Innovationsclustern und deren Verbindungen

Die Analyse der strategischen Programme von Schweizer Innovationsclustern wie dem Crypto Valley in Zug oder dem Biopôle in Lausanne kann ebenfalls Goldgruben für zukünftige Themen aufzeigen. Diese Organisationen definieren die zukünftigen Herausforderungen und Forschungsrichtungen ganzer Industrien. Indem Sie Content zu diesen aufkommenden Themen erstellen, positionieren Sie sich proaktiv als Vordenker.

Ihr Audit-Plan zur Identifizierung der Experten-Nische

  1. Kontaktpunkte analysieren: Listen Sie die Kanäle auf, wo Ihre idealen Kunden nach Lösungen suchen (z.B. spezifische LinkedIn-Gruppen, Foren, Veranstaltungen von Branchenverbänden wie Swissmem oder economiesuisse).
  2. Bestehenden Content sammeln: Inventarisieren Sie die Top-10-Artikel Ihrer drei Hauptkonkurrenten zu Ihrem Kernthema und identifizieren Sie wiederkehrende, allgemeine Aussagen.
  3. Auf Kohärenz prüfen: Konfrontieren Sie die gefundenen Themen mit den strategischen Zielen von Schweizer Innovationsclustern. Wo gibt es unbesetzte Schnittmengen zwischen aktueller Nachfrage und zukünftigen Technologietrends?
  4. Einzigartigkeit bewerten: Führen Sie Problem-Interviews mit drei langjährigen Kunden. Identifizieren Sie undokumentierte Herausforderungen und vergleichen Sie diese mit den Buzzwords Ihrer Konkurrenz.
  5. Integrationsplan erstellen: Priorisieren Sie zwei bis drei Nischenthemen, die eine hohe Relevanz für Kundenprobleme, aber eine geringe Wettbewerbsdichte aufweisen, und entwickeln Sie dafür Ihr erstes fundiertes Content-Stück.

Ausführlicher Fachartikel oder Erklärvideo: Was konsumiert der C-Level?

Die Frage nach dem richtigen Format für die C-Suite ist entscheidend. Die Annahme, dass Führungskräfte keine Zeit haben und nur kurze „Snacks“ konsumieren, ist eine gefährliche Vereinfachung. Die Realität ist nuancierter: Manager konsumieren Inhalte sehr gezielt und kontextabhängig. Es geht nicht um „entweder/oder“, sondern um „sowohl als auch“. Die Wahl des Formats muss sich an der Absicht und dem Nutzungskontext orientieren, nicht an pauschalen Vorlieben.

Ein ausführlicher Fachartikel mit 1’500 bis 2’500 Wörtern ist ideal, um komplexe strategische Themen zu behandeln. Er erlaubt Tiefgang, die Einbindung von Daten und eine differenzierte Argumentation. Dieses Format eignet sich perfekt für den Konsum auf dem Tablet während einer Zugfahrt oder für die konzentrierte Lektüre am Wochenende. Es signalisiert intellektuelle Seriosität und bietet einen hohen SEO-Wert, da es umfassend auf Suchanfragen antwortet.

Auf der anderen Seite hat das Videoformat stark an Bedeutung gewonnen. Entgegen mancher Vorurteile nutzen auch Top-Manager Videoplattformen für berufliche Zwecke. So belegt eine Studie, dass 95% aller Führungskräfte sich mindestens einmal im Monat berufsbezogene Videos auf YouTube ansehen. Kurze Erklärvideos unter 90 Sekunden sind äusserst effektiv, um ein spezifisches Konzept schnell zu vermitteln oder die Kernaussage eines komplexen Themas auf den Punkt zu bringen. Sie sind leicht teilbar und werden oft mobil, manchmal sogar ohne Ton (mit Untertiteln), konsumiert.

Die folgende Tabelle fasst die Stärken beider Formate für die Zielgruppe der Entscheidungsträger zusammen:

Fachartikel vs. Video für C-Level Entscheidungsträger
Format Vorteile Ideale Länge Konsum-Kontext
Fachartikel Tiefgang, SEO-Sichtbarkeit, Pendelzeit-optimiert 1500-2500 Wörter Zugfahrt, Tablet-Lektüre
Erklärvideo Schnelle Wissensvermittlung, teilbar < 90 Sekunden Mobile, oft ohne Ton

Die beste Strategie ist oft eine Kombination: Ein fundierter Fachartikel bildet die Basis (das „Pillar Piece“), aus dem ein kurzes Erklärvideo als „Teaser“ oder Zusammenfassung abgeleitet wird. So bedienen Sie unterschiedliche Konsumgewohnheiten und maximieren die Reichweite Ihrer Expertise.

Das Risiko, Content nur über sich selbst statt über Kundenprobleme zu schreiben

Einer der gravierendsten Fehler im B2B-Content-Marketing ist der narzisstische Fokus auf das eigene Unternehmen, die eigenen Produkte und die eigenen Erfolge. Dieser Ansatz, oft als „Inside-Out“-Kommunikation bezeichnet, ist in jedem Markt problematisch. Im kulturellen Kontext der Schweiz ist er jedoch fatal. Hier wird direkte Selbstbeweihräucherung nicht nur als uninteressant, sondern schnell als Arroganz oder Angeberei empfunden.

Ein Schweizer B2B-Marketing-Experte fasst die Gefahr treffend zusammen:

In der Schweiz ist das Risiko nicht nur Desinteresse, sondern als ‚Blender‘ oder arrogant wahrgenommen zu werden. Direkte Selbstbeweihräucherung verletzt kulturelle Normen.

– Schweizer B2B-Marketing Experte, B2B Content Marketing Analyse

Ein Experte stellt nicht sich selbst, sondern die Lösung für das Problem des Kunden in den Mittelpunkt. Der Content muss eine „Outside-In“-Perspektive einnehmen: Er beginnt bei der Herausforderung, dem Schmerzpunkt oder der Frage des Kunden und führt ihn zu einer besseren Lösung. Ihre Expertise beweisen Sie nicht, indem Sie über Ihre Genialität sprechen, sondern indem Sie dem Kunden helfen, seine eigene Situation besser zu verstehen und zu meistern. Der Fokus muss unentwegt auf dem Kundennutzen liegen.

Fallbeispiel: Der „Swissness“-Faktor richtig eingesetzt

Ein erfolgreicher Schweizer Maschinenbauer schreibt in seinen Fachartikeln nie über die Präzision seiner eigenen Maschinen. Stattdessen erstellt er detaillierte Leitfäden, wie seine Kunden – beispielsweise Uhrenhersteller – durch höhere Präzision im Fertigungsprozess Ausschussquoten senken und die Qualität ihrer Endprodukte verbessern können. Der Held der Geschichte ist der Kunde, der durch die Anwendung von Expertenwissen seine Ziele erreicht. Die Expertise des Maschinenbauers wird implizit und dadurch umso glaubwürdiger demonstriert.

Dieser Ansatz erfordert ein tiefes Verständnis für die Geschäftswelt des Kunden. Investieren Sie Zeit darin, die wahren Herausforderungen Ihrer Zielgruppe zu verstehen. Ihr Content wird dann nicht als Werbung, sondern als wertvolle Beratungsleistung wahrgenommen – die eleganteste Form der Expertenpositionierung.

Wie Sie aus einem Webinar 5 LinkedIn-Posts und einen Artikel machen

Die Erstellung eines fundierten Content-Stücks wie eines Webinars oder eines Whitepapers ist ressourcenintensiv. Der strategische Fehler wäre, dieses Asset nur einmal zu veröffentlichen und dann zur nächsten Produktion überzugehen. Wahre Effizienz im Content-Marketing entsteht durch intelligentes Content-Recycling, auch Content-Atomisierung genannt. Ein einziges grosses Content-Stück (der „Pillar Content“) ist das Rohmaterial für eine Vielzahl kleinerer Formate („Micro Content“), die über verschiedene Kanäle distribuiert werden.

Nehmen wir das Beispiel eines 45-minütigen Experten-Webinars. Dieses enthält eine Fülle von Informationen, die für verschiedene Formate und Plattformen aufbereitet werden können. Statt nur die Aufzeichnung zu teilen, können Sie eine ganze Kampagne daraus entwickeln. Der Schlüssel liegt darin, die Kernaussagen, Datenpunkte und Zitate zu extrahieren und sie in leicht konsumierbare Häppchen zu zerlegen.

Eine effektive Recycling-Strategie für ein Webinar könnte wie folgt aussehen:

  • Ein ausführlicher Blogartikel (1’500 Wörter): Fassen Sie die wichtigsten Thesen und Argumente des Webinars in einem detaillierten Fachartikel zusammen. Betten Sie die Videoaufzeichnung in den Artikel ein.
  • Zwei Daten-Karussells für LinkedIn: Extrahieren Sie die 2-3 wichtigsten Statistiken oder Datenpunkte aus dem Webinar und visualisieren Sie diese in einem mehrseitigen „Carousel Post“. Aktuelle Benchmarks zeigen, dass solche Formate hohe Interaktionsraten erzielen.
  • Zwei Zitatgrafiken: Wählen Sie die prägnantesten Zitate des Referenten aus und erstellen Sie daraus ansprechende Grafiken für LinkedIn oder andere soziale Netzwerke.
  • Ein Diskussions-Post: Formulieren Sie die provokanteste Frage oder These aus dem Webinar und stellen Sie sie auf LinkedIn zur Diskussion, um das Engagement zu fördern.

Wichtig ist dabei die mehrsprachige Verwertung, ein oft ungenutztes Potenzial im Schweizer Markt. Das Webinar kann auf Deutsch gehalten werden, der Fachartikel auf Französisch publiziert und die LinkedIn-Posts auf Englisch, um eine maximale Zielgruppe zu erreichen. Indem Sie Ihre Inhalte intelligent wiederverwerten, maximieren Sie den Return on Investment jeder einzelnen Content-Produktion und sorgen für eine kontinuierliche Präsenz bei Ihrer Zielgruppe, ohne ständig neuen Content von Grund auf erstellen zu müssen.

Wie nutzen Sie Key Opinion Leader (KOL), um im konservativen Schweizer B2B-Markt Vertrauen aufzubauen?

In einem Markt, der auf persönlichen Beziehungen und langjährigem Vertrauen fusst, ist die Empfehlung eines Dritten oft mehr wert als jede eigene Werbebotschaft. Hier kommen Key Opinion Leaders (KOLs) ins Spiel. Im Schweizer B2B-Kontext sind dies jedoch selten die lauten Influencer, die man aus dem B2C-Bereich kennt. Vielmehr handelt es sich um respektierte Fachexperten, Universitätsprofessoren, Branchenverbandspräsidenten oder anerkannte Berater, deren Meinung Gewicht hat.

Die Zusammenarbeit mit solchen KOLs ist ein äusserst wirkungsvoller Hebel, um Glaubwürdigkeit aufzubauen. Ihr primäres Kapital ist ihre Unabhängigkeit und ihre Reputation. Eine direkte Bezahlung für einen positiven Post wäre in diesem Umfeld kontraproduktiv und würde das Vertrauen zerstören. Stattdessen basiert eine erfolgreiche KOL-Strategie auf dem Prinzip des gegenseitigen Nutzens und des intellektuellen Austauschs. Laden Sie einen Professor ein, als Gastreferent in Ihrem Webinar aufzutreten. Führen Sie ein Interview mit einem Branchenexperten für Ihren Fachartikel. Oder verfassen Sie, wie bereits erwähnt, ein Whitepaper in Co-Autorenschaft.

Vertrauensbildung durch KOL-Netzwerk im Schweizer B2B-Markt

Die Wahl des richtigen Partners ist dabei entscheidend. Die Zusammenarbeit muss authentisch und thematisch passend sein. Besonders hoch im Kurs stehen in der Schweiz akademische Institutionen. Die ETH-Sicherheitsstudie 2024 bestätigt, dass Schweizer Hochschulen und Forschungsinstitute ein überdurchschnittlich hohes Vertrauen in der Bevölkerung und bei Entscheidungsträgern geniessen. Eine Verbindung zu diesen Institutionen färbt positiv auf Ihr Unternehmen ab.

Der KOL agiert als „Vertrauens-Brücke“ zu Ihrer Zielgruppe. Wenn er Ihre Inhalte teilt oder Ihren Namen in einem positiven Kontext erwähnt, ist dies eine äusserst starke Form der Validierung. Es signalisiert dem Markt: „Dieses Unternehmen ist ein ernstzunehmender Akteur mit relevanter Expertise.“ Dieser indirekte Weg ist oft der direkteste Weg zum Aufbau eines exzellenten Rufs.

Die strategische Einbindung von anerkannten Experten ist ein fundamentaler Baustein, um im Schweizer Markt nachhaltig Vertrauen zu schaffen.

Die Gefahr von Buzzwords, die Ihr Angebot austauschbar machen

„Agil“, „disruptiv“, „nachhaltig“, „KI-gestützt“ – die Liste der Buzzwords in der B2B-Kommunikation ist lang. Im Versuch, modern und innovativ zu klingen, greifen viele Unternehmen auf diese Begriffe zurück. Das Problem: Je häufiger ein Wort benutzt wird, desto mehr verliert es an Bedeutung. Buzzwords schaffen keine Differenzierung, sondern Austauschbarkeit. Sie hüllen das eigene Angebot in eine Wolke aus Vagheit und lassen potenzielle Kunden ratlos zurück: Was genau macht dieses Unternehmen anders oder besser?

Im Schweizer Geschäftsumfeld, wo Präzision und Substanz hochgehalten werden, ist die Verwendung von nichtssagenden Schlagwörtern besonders riskant. Ein Kommunikationsberater warnt davor, die Verwendung von Buzzwords direkt mit einer als gering empfundenen „Substanz“ zu verbinden – einer Kardinalsünde im hiesigen Geschäftsumfeld. Wer mit leeren Phrasen wirbt, läuft Gefahr, als nicht vertrauenswürdig eingestuft zu werden.

Der Weg aus der Buzzword-Falle führt über radikale Konkretisierung. Statt zu sagen, Ihre Lösung sei „agil“, beschreiben Sie den exakten Prozess, den Sie anwenden (z.B. „Wir implementieren Scrum-Methoden mit zweiwöchigen Sprints, was zu 30% kürzeren Durchlaufzeiten führt.“). Statt Ihr Produkt als „nachhaltig“ zu bezeichnen, nennen Sie das messbare Ergebnis („Unsere Produktion ist ab 2025 CO2-neutral und reduziert die Emissionen um 75%.“). Wahre Expertise zeigt sich in der Fähigkeit, komplexe Sachverhalte einfach und präzise zu erklären, nicht darin, sie mit modischen Begriffen zu verschleiern.

Führen Sie ein internes Audit Ihrer Kommunikationsmaterialien durch. Ersetzen Sie jedes Buzzword durch eine konkrete Beschreibung, eine Methode oder ein messbares Ergebnis. Die folgende Tabelle dient als Inspiration:

Buzzword-Audit für Schweizer B2B-Kommunikation
Buzzword Konkrete Alternative Messbares Ergebnis
Agile Lösung Prozessoptimierung durch Methode X 30% kürzere Durchlaufzeiten
Disruptiv Neue Marktstandards durch Y-Technologie 50% Kostenreduktion für Kunden
Nachhaltig CO2-neutrale Produktion bis 2025 75% weniger Emissionen

Eine klare, präzise und ehrliche Sprache ist kein Stilmittel, sondern ein fundamentaler Vertrauensbeweis. Sie signalisiert, dass Sie Ihr Handwerk verstehen und nichts zu verbergen haben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Substanz schlägt Volumen: Ein einziges, tiefgründiges Content-Stück schafft mehr Vertrauen und Autorität als zehn oberflächliche Artikel.
  • Vertrauen durch Dritte: Die Zusammenarbeit mit anerkannten Experten (KOLs) und Institutionen (z.B. Hochschulen) ist der wirksamste Hebel für Glaubwürdigkeit im konservativen Schweizer Markt.
  • Sprache schafft Realität: Eine präzise, konkrete Sprache ohne Buzzwords demonstriert wahre Expertise, während ein Fokus auf Kundenprobleme statt auf Eigenlob kulturelle Normen respektiert.

Wie setzen Sie emotionales Storytelling in konservativen Branchen wie Banken oder Versicherungen ein?

Storytelling ist eines der am häufigsten genannten Buzzwords im Marketing. Doch gerade in konservativen Branchen wie dem Finanz- oder Pharmasektor herrscht grosse Skepsis. Die Befürchtung: Emotionale Geschichten könnten unseriös wirken und nicht zur sachlichen, faktenbasierten Kultur passen. Diese Angst beruht jedoch auf einem Missverständnis. Emotionales Storytelling im B2B bedeutet nicht, fiktive Heldengeschichten zu erfinden, sondern Fakten und Daten in einen menschlichen und nachvollziehbaren Kontext zu setzen.

Anstatt über abstrakte Produkteigenschaften zu sprechen, erzählen Sie die Geschichte eines Kunden, der durch Ihre Lösung eine konkrete Herausforderung gemeistert hat (Client Success Story). Zeigen Sie nicht nur das „Was“ (das Ergebnis), sondern auch das „Warum“ (den ursprünglichen Schmerzpunkt) und das „Wie“ (den Weg zur Lösung). Dies macht den Nutzen Ihres Angebots greifbar und schafft Identifikation. Eine weitere wirkungsvolle Methode ist die Nutzung von Mitarbeitergeschichten. Lassen Sie Ihre Ingenieure, Forscher oder Berater erzählen, mit welcher Leidenschaft sie an der Lösung eines Problems arbeiten. Dies humanisiert Ihr Unternehmen und schafft Vertrauen. Eine aktuelle B2B-Studie unterstreicht, dass Corporate Influencer als wichtiger Bestandteil der Kommunikation gesehen werden, da das Vertrauen in Mitarbeiter als Markenbotschafter wächst.

Selbst in hochregulierten Branchen ist dies möglich, wie internationale Beispiele zeigen.

Fallbeispiel: Johnson & Johnson „Road to a Vaccine“

Während der Entwicklung des COVID-19-Impfstoffs nutzte Johnson & Johnson die Plattform LinkedIn Live für ihre Serie „Road to a Vaccine“. Anstatt nur wissenschaftliche Daten zu präsentieren, liessen sie ihre Forscher und Mitarbeiter zu Wort kommen. Diese erzählten von ihren persönlichen Motivationen, den Herausforderungen und den langen Nächten im Labor. Durch die Kombination von professionellem Targeting und diesem authentischen, emotionalen Storytelling erreichte die Kampagne extrem hohe Engagement-Raten im sonst so nüchternen Pharma-B2B-Sektor und baute enormes Vertrauen auf.

Der Schlüssel liegt in der Authentizität. Die Geschichte muss echt sein und die Werte des Unternehmens widerspiegeln. Richtig eingesetzt, ist Storytelling kein Widerspruch zu Seriosität, sondern deren emotionale Verstärkung. Es übersetzt komplexe Fakten in eine Sprache, die nicht nur den Verstand, sondern auch das Herz der Entscheidungsträger erreicht.

Indem Sie Fakten mit menschlichen Geschichten verbinden, können Sie selbst in den konservativsten Branchen eine tiefere Verbindung herstellen.

Um diese Prinzipien strategisch in Ihrem Unternehmen zu verankern und sich als unverzichtbarer Experte in Ihrer Nische zu etablieren, ist eine fundierte Analyse Ihrer aktuellen Content-Massnahmen der nächste logische Schritt.

Geschrieben von Sarah Leutenegger, Social Media Managerin und Content-Strategin für digitales Storytelling. Expertin für Community Management, Influencer-Marketing und Krisenkommunikation im Web 2.0.