Veröffentlicht am März 12, 2024

Die Optimierung von Kundenkontaktpunkten in der Schweiz scheitert weniger an fehlender Kreativität als an unbemerkten, internen Reibungsverlusten zwischen den Kanälen und Abteilungen.

  • Die grössten Chancen liegen in der Identifikation und Harmonisierung „versteckter“ Touchpoints wie Rechnungen, Warteschleifen oder interner Kommunikation.
  • Die Entscheidung, wo investiert wird, muss auf der strategischen Relevanz eines Touchpoints für die gesamte Customer Journey basieren, nicht auf seiner isolierten Performance.

Empfehlung: Beginnen Sie nicht mit der Schaffung neuer Touchpoints, sondern mit einem internen Audit zur Aufdeckung und Beseitigung von Inkonsistenzen in den bestehenden Prozessen.

Als Retailer oder Dienstleister in der Schweiz kennen Sie das Gefühl: Der Kunde informiert sich auf Ihrer Webseite, kauft aber im Laden – oder schlimmer, bei der Konkurrenz. Oder er probiert im Geschäft, bestellt dann aber online, weil ein Rabatt lockt. Diese Fragmentierung des Kaufprozesses ist keine Laune des Kunden, sondern oft das direkte Ergebnis einer inkonsistenten Customer Experience. Viele Unternehmen reagieren darauf mit noch mehr Kanälen, noch mehr Aktionen und noch mehr Komplexität, in der Hoffnung, den Kunden irgendwie einzufangen. Man spricht über „Omnichannel“ und „Phygital“, investiert in Apps und Social Media.

Doch was, wenn das Problem viel tiefer liegt? Was, wenn die entscheidenden Fehler nicht in der Marketing-Strategie, sondern in den operativen Details und den stillen Reibungsverlusten zwischen Ihren Abteilungen verborgen sind? Dieser Artikel argumentiert, dass die wahre Meisterschaft in der Touchpoint-Optimierung nicht im Hinzufügen neuer, glänzender Kontaktpunkte liegt. Sie liegt in der gnadenlosen Synchronisierung der bestehenden – insbesondere jener, die Sie bisher wahrscheinlich übersehen haben. Es geht um operative Kohärenz statt um Marketing-Aktivismus.

Wir werden gemeinsam aufdecken, wo die unsichtbaren, aber profit-killenden Bruchstellen in Ihrer Customer Journey lauern. Anstatt Ihnen eine weitere Liste generischer Tipps zu geben, fokussieren wir auf die strukturellen und kulturellen Hürden, die einem nahtlosen Erlebnis im Wege stehen, und zeigen Ihnen, wie Sie diese gezielt für den Schweizer Markt überwinden. Denn ein zufriedener Kunde ist das Resultat eines perfekt orchestrierten Zusammenspiels, bei dem jeder einzelne Kontaktpunkt, egal wie klein, seine Rolle kennt und erfüllt.

In diesem Artikel führen wir Sie durch die strategischen Schritte, um Ihre digitalen und physischen Kontaktpunkte zu einem nahtlosen Ganzen zu verbinden. Der folgende Überblick zeigt Ihnen die wichtigsten Themen, die wir behandeln werden.

Warum Sie wahrscheinlich 30% Ihrer Kundenkontaktpunkte gar nicht auf dem Radar haben

Die meisten Unternehmen können ihre primären Touchpoints problemlos aufzählen: die Webseite, das Ladenlokal, die Social-Media-Kanäle, der Newsletter. Doch die wahre Customer Journey ist weitaus komplexer und wird von einer Vielzahl sogenannter „versteckter Touchpoints“ geprägt. Dies sind Interaktionen, die oft als rein operativ oder administrativ abgetan werden, aber einen enormen Einfluss auf die Kundenwahrnehmung haben. Denken Sie an die Warteschleifenmusik Ihrer Hotline, den Text auf der Versandbestätigung, das Design der Rechnung oder sogar die Art, wie Ihre Mitarbeiter in der Pause über das Unternehmen sprechen und von Kunden gehört werden.

Diese unsichtbaren Kontaktpunkte sind oft die Quelle stiller Reibungsverluste. Eine unklare Rechnung kann mehr Frustration auslösen als eine schlecht gestaltete Webseite. Eine generische E-Mail-Signatur kann das sorgfältig aufgebaute Markenimage untergraben. Selbst im E-Commerce ist das Erlebnis nicht rein digital. Eine Erhebung zeigt, dass neben dem Webshop durchschnittlich noch zwei weitere Touchpoints bespielt werden, wobei oft die physischen Aspekte wie Verpackung oder Retourenprozess unterschätzt werden. Es ist entscheidend, diese blinden Flecken systematisch aufzudecken, denn hier liegt oft das grösste ungenutzte Optimierungspotenzial.

Der erste Schritt zur Optimierung ist also eine radikal ehrliche Bestandsaufnahme, die weit über das Marketing-Dashboard hinausgeht. Es geht darum, das Unternehmen mit den Augen des Kunden zu sehen und jede einzelne Interaktion, egal wie trivial sie scheint, zu identifizieren und zu bewerten. Nur so können Sie ein wirklich nahtloses Erlebnis schaffen, das nicht an der Oberfläche endet.

Ihr Plan zur Identifikation versteckter Touchpoints

  1. Indirekte Kanäle kartieren: Listen Sie alle externen Plattformen auf, auf denen über Sie gesprochen wird, z. B. Bewertungsportale wie Google Maps, lokale Online-Foren oder Fachgruppen auf Social Media.
  2. Passive Touchpoints analysieren: Inventarisieren Sie alle Elemente, die der Kunde passiv wahrnimmt. Dazu gehören Produktverpackungen, die Gestaltung von QR-Codes, die Atmosphäre in der Warteschleife oder die Beschilderung am Firmengebäude.
  3. Interne Punkte mit Aussenwirkung erfassen: Überprüfen Sie interne Kommunikationsmittel, die nach aussen dringen können, wie E-Mail-Signaturen, Abwesenheitsnotizen oder sogar die Kleiderordnung der Mitarbeitenden mit Kundenkontakt.
  4. Systematisch Feedback sammeln: Implementieren Sie kurze Feedback-Möglichkeiten (z. B. über einen einfachen Smiley-Button) an jedem neu identifizierten, relevanten Touchpoint, um dessen emotionale Wirkung zu messen.
  5. Priorisierung vornehmen: Bewerten Sie alle identifizierten Touchpoints nach der Häufigkeit der Kundeninteraktion und ihrer Relevanz für die Kaufentscheidung oder die langfristige Loyalität, um den Fokus richtig zu setzen.

Wie entscheiden Sie, welcher Kontaktpunkt das meiste Budget verdient?

Sobald Sie eine vollständige Karte Ihrer Touchpoints erstellt haben – inklusive der versteckten –, stellt sich die nächste, entscheidende Frage: Wo investieren Sie Ihre begrenzten Ressourcen am wirkungsvollsten? Der Fehler vieler Unternehmen ist es, das Budget entweder gleichmässig zu verteilen oder sich nur auf die Touchpoints zu konzentrieren, die direkt zur Conversion führen (Last-Click-Attribution). Dies ignoriert die komplexe Realität der modernen Customer Journey, insbesondere das in der Schweiz weit verbreitete ROPO-Verhalten (Research Online, Purchase Offline).

Eine strategische Budget-Allokation basiert nicht auf der isolierten Leistung eines Kanals, sondern auf seiner Rolle im Gesamtgefüge. Ein Blogartikel generiert vielleicht keine direkten Verkäufe, ist aber entscheidend, um Vertrauen in der Informationsphase aufzubauen. Eine persönliche Beratung im Geschäft mag teuer sein, ist aber oft der ausschlaggebende Punkt für den Abschluss eines komplexen Vertrages. Eine nützliche Methode zur Priorisierung ist die Impact-Effort-Matrix. Hier bewerten Sie jeden Touchpoint danach, welchen Einfluss (Impact) eine Optimierung auf die Kundenzufriedenheit und den Geschäftserfolg hat und wie hoch der Aufwand (Effort) für die Umsetzung ist.

Dieser Ansatz lenkt den Fokus auf die „Quick Wins“ (hoher Impact, geringer Aufwand) und hilft, strategische Grossprojekte (hoher Impact, hoher Aufwand) bewusst zu planen. Ein gutes Beispiel ist Digitec Galaxus, das Online-Touchpoints wie detaillierte Produktbewertungen und Verfügbarkeitsanzeigen gezielt nutzt, um den Verkauf in den Filialen zu fördern. Eine Studie von Deloitte unterstreicht dies: 83% aller Kunden in der Schweiz nutzen ein digitales Gerät im Zusammenhang mit dem Einkauf, selbst wenn sie bereits im Laden stehen. Die Investition in diese „assistierenden“ digitalen Touchpoints ist also keine Verschwendung, sondern eine direkte Unterstützung für den physischen Verkaufskanal.

Visuelle Darstellung einer Impact-Effort-Matrix zur Touchpoint-Priorisierung

Webseite oder Ladenlokal: Wo entscheidet sich der Schweizer Kunde wirklich?

Die Debatte „Online vs. Offline“ ist überholt. Für den Schweizer Kunden existiert diese Trennung kaum noch. Die Customer Journey ist fliessend und die Entscheidung für oder gegen einen Kauf wird an einer Kette von Kontaktpunkten getroffen, die beide Welten umspannt. Die eigentliche Frage ist nicht, welcher Kanal wichtiger ist, sondern wie gut die Kanäle zusammenspielen und welche Rolle sie in unterschiedlichen Phasen und für verschiedene Bedürfnisse spielen. Insbesondere im Dienstleistungssektor wie dem Banking zeigt sich diese hybride Realität deutlich.

Digitale Kanäle dominieren den Alltag, doch für wichtige, vertrauensbasierte Entscheidungen bleibt der menschliche Kontakt unersetzlich. Wie die Banking Touchpoints Studie 2024 zeigt, erweisen sich die physische Bankberatung und Events als Treiber eines hohen Net-Promoter-Scores über alle DACH-Märkte hinweg. Dies belegt, dass die Investition in hochwertige physische Erlebnisse direkt auf die Kundenloyalität einzahlt, selbst in einer zunehmend digitalisierten Branche. Der Schlüssel liegt darin, die Stärken jedes Kanals gezielt auszuspielen und sie nahtlos zu verknüpfen.

Der folgende Vergleich, basierend auf Daten der Hochschule Luzern, illustriert eindrücklich die unterschiedlichen Nutzungszwecke der Kanäle im Schweizer Banking. Er zeigt, dass Kunden je nach Anliegen bewusst den für sie passendsten Touchpoint wählen – eine Erkenntnis, die für alle Branchen mit Filialnetz und Online-Präsenz von hoher Relevanz ist.

Nutzung von Online- vs. Offline-Touchpoints im Schweizer Banking
Touchpoint-Typ Nutzungsrate Schweiz Nutzungsrate Deutschland Hauptzweck
E-Banking 90% 75% Alltägliche Transaktionen
Mobile Banking 44% 34% Schnelle Kontoabfragen
Physische Beratung 87% (mind. 1x/Jahr) 72% Komplexe Produkte (Hypotheken)
Contact Center 87% 83% Support bei digitalen Tools

Das Risiko widersprüchlicher Botschaften am Telefon und auf der Webseite

Einer der grössten Saboteure eines nahtlosen Kundenerlebnisses ist die Inkonsistenz. Ein Kunde liest auf Ihrer Webseite von einer „Frühlingsaktion“, doch der Mitarbeiter am Telefon spricht von einem „Saison-Rabatt“. Auf der deutschsprachigen Seite heisst es „Aktion“, auf der französischsprachigen „offre spéciale“. Diese kleinen Abweichungen erzeugen Verwirrung, untergraben das Vertrauen und vermitteln ein unprofessionelles Bild. Sie sind ein klassisches Beispiel für stille Reibungsverluste, die entstehen, wenn Abteilungen und Kanäle in Silos arbeiten.

In der mehrsprachigen Schweiz wird diese Herausforderung potenziert. Inkonsistente Terminologie über die Sprachgrenzen hinweg ist keine Seltenheit und führt zu einem fragmentierten Markenbild. Eine Studie unterstreicht dieses Problem: 47% der Unternehmen erachten die Verbindung und Steuerung der Customer Journey über digitale und physische Touchpoints als schwierig. Das Problem liegt oft in dezentralen Systemen: Das Marketing-Team pflegt die Webseite in einem CMS, der Kundendienst arbeitet in einem separaten CRM und das Ladenpersonal erhält Informationen per E-Mail.

Die Lösung liegt in der Schaffung einer „Single Source of Truth“. Ein zentrales System – sei es ein Product Information Management (PIM) für Produktdaten oder ein fortschrittliches CRM für Kundeninformationen und Marketingbotschaften – muss alle Kanäle mit identischen, freigegebenen und mehrsprachig konsistenten Informationen versorgen. Dies stellt sicher, dass der Kunde an jedem Kontaktpunkt dieselbe Sprache und dieselben Angebote vorfindet. Es geht darum, operative Kohärenz durch technologische Zentralisierung zu erzwingen, um die unvermeidlichen menschlichen und prozessualen Lücken zu schliessen.

Wie messen Sie die Zufriedenheit an einem physischen Point of Sale?

Während die Messung der Kundenzufriedenheit online durch Klickraten, Verweildauer und Conversion-Tracking relativ einfach ist, stellt der physische Point of Sale (POS) eine grössere Herausforderung dar. Wie erfassen Sie die Emotionen und die Zufriedenheit eines Kunden, der durch Ihren Laden schlendert, sich beraten lässt, aber vielleicht nichts kauft? Traditionelle Methoden wie gelegentliche Kundenbefragungen am Ausgang sind oft nicht repräsentativ und erfassen nur einen kleinen Ausschnitt der Realität.

Moderne „Phygital“-Ansätze bieten hier innovative Lösungen. Eine einfache, aber effektive Methode ist der Einsatz von Feedback-Terminals an strategischen Punkten im Geschäft, beispielsweise nach der Anprobe oder an der Kasse. Kunden können mit einem einfachen Tipp auf ein Smiley ihre unmittelbare Stimmungslage mitteilen. Eine weitere Möglichkeit ist die Nutzung von QR-Codes auf Kassenbons oder im Laden, die zu einer kurzen, mobil-optimierten Umfrage führen und oft mit einem kleinen Anreiz (z. B. einem Rabatt auf den nächsten Einkauf) verknüpft werden. Fortgeschrittenere Methoden umfassen anonymisierte Videoanalysen zur Messung von Kundenströmen und Verweildauer in bestimmten Zonen oder den Einsatz von „Mystery Shoppern“, die nach einem standardisierten Kriterienkatalog das Erlebnis bewerten.

Die Messung am POS ist entscheidend, denn die Customer Journey endet selten mit einem einzigen Klick. Aktuellen Studien zufolge braucht es durchschnittlich 8 Touchpoints bis zum Verkauf, wobei jeder einzelne – ob digital oder physisch – zur finalen Entscheidung beiträgt. Die Zufriedenheit an einem einzigen Punkt zu ignorieren, bedeutet, ein potenzielles Leck in der gesamten Kette zu übersehen. Die Herausforderung besteht darin, Messmethoden zu finden, die für den Kunden reibungslos und für das Unternehmen aufschlussreich sind.

Innovative Methoden zur Messung der Kundenzufriedenheit am physischen Verkaufspunkt

Wie sichern Sie eine konsistente Customer Experience, wenn verschiedene Abteilungen involviert sind?

Das grösste Hindernis für eine nahtlose Customer Journey ist fast immer die interne Organisationsstruktur. Marketing, Vertrieb, Kundenservice, IT und das Filialpersonal arbeiten oft in getrennten Silos, mit eigenen Zielen, eigenen Budgets und eigener Software. Diese Zersplitterung führt zwangsläufig zu den bereits erwähnten Inkonsistenzen und Brüchen im Kundenerlebnis. Der Kunde wird von einer Abteilung zur nächsten weitergereicht und muss sein Anliegen oft mehrmals erklären. Die operative Kohärenz, die wir anstreben, ist in einer solchen Struktur schlicht unmöglich.

Die Lösung erfordert einen radikalen Wandel: das Aufbrechen der Silos zugunsten abteilungsübergreifender, kundenzentrierter Teams. Erfolgreiche Unternehmen, insbesondere im agilen Umfeld von Neobanken, setzen zunehmend auf „Squad-Modelle“. Stellen Sie sich ein „Onboarding-Squad“ vor, in dem Experten aus Marketing, IT, Legal und Customer Support gemeinsam die Verantwortung für die ersten 30 Tage eines Neukunden tragen. Ihr gemeinsames Ziel ist nicht der „Marketing-Qualified-Lead“ oder die „Ticket-Lösungszeit“, sondern eine reibungslose und begeisternde Anfangsphase für den Kunden. Die Messgrösse ist der Erfolg des Kunden, nicht der Erfolg der Abteilung.

Dieser Wandel wird durch die Dringlichkeit des Marktes angetrieben. Eine Studie der HSLU zeigt: finden 53% die Verbindung digitaler und physischer Touchpoints heute wichtiger als vor der Pandemie. Um diese Verbindung herzustellen, braucht es organisatorische Brücken. Konkrete Massnahmen umfassen die Ernennung eines „Customer Journey Managers“, der als Koordinator über den Abteilungen steht, die Einführung gemeinsamer, kundenorientierter KPIs (z. B. Customer Lifetime Value statt reiner Conversion-Rate) und die Kopplung von Bonuszahlungen an diese gemeinsamen Ziele. Es geht darum, die gesamte Organisation auf das eine auszurichten, was wirklich zählt: das perfekte Kundenerlebnis.

Die Überwindung interner Barrieren ist die Königsdisziplin. Es ist essenziell zu verstehen, wie Sie eine konsistente Customer Experience sichern, auch wenn viele verschiedene Akteure beteiligt sind.

Wie Sie Kunden auf dem Smartphone erreichen, wenn sie beim Konkurrenten im Laden stehen

Die Szene ist alltäglich: Ein potenzieller Kunde steht in einem Geschäft, zückt sein Smartphone, um Preise zu vergleichen oder nach Alternativen zu suchen. In diesem entscheidenden Moment der Wahrheit – dem „Zero Moment of Truth“ direkt am Regal – haben Sie die Chance, ihn für sich zu gewinnen, selbst wenn er physisch bei der Konkurrenz ist. Aggressive Taktiken wie aufdringliche Push-Nachrichten durch Geofencing sind in der Schweiz aufgrund der strengen Datenschutzgesetze (LPD) nicht nur heikel, sondern werden von Kunden oft auch als störend empfunden.

Der ethische und weitaus effektivere Ansatz ist wertorientiert und kontextbezogen. Statt den Kunden zu „attackieren“, helfen Sie ihm. Dies gelingt durch eine exzellente lokale Suchmaschinenoptimierung (Local SEO). Wenn der Kunde nach „Schuhe kaufen Zürich“ sucht, während er in der Bahnhofstrasse ist, müssen Ihr Geschäft, Ihre Öffnungszeiten und Ihre positiven Bewertungen auf Google Maps an erster Stelle erscheinen. Eine weitere subtile, aber mächtige Strategie ist kontextbezogenes Social Media Advertising. Sie können Anzeigen gezielt an Nutzer ausspielen, die sich in einem bestimmten geografischen Radius aufhalten und Interesse an Ihren Produktkategorien gezeigt haben, ohne dabei deren exakten Standort zu tracken.

Partnerschaften mit in der Schweiz beliebten Apps bieten ebenfalls grosses Potenzial. Eine Kooperation mit Twint kann exklusive Angebote für Nutzer in der Nähe ermöglichen, während eine Partnerschaft mit Too Good To Go nicht nur nachhaltig ist, sondern auch neue Kunden in Ihr Geschäft lockt. Der Fokus liegt immer darauf, einen echten Mehrwert zu bieten – sei es eine nützliche Information, ein relevantes Angebot oder eine einfache Wegbeschreibung –, anstatt den Kunden mit platter Werbung zu bedrängen. In diesem Moment zählt Relevanz und Hilfsbereitschaft mehr als jeder aggressive Werbeslogan.

Strategische Smartphone-Interaktion im lokalen Wettbewerbsumfeld

Das Wichtigste in Kürze

  • Die grössten Schwachstellen im Kundenerlebnis sind oft „versteckte“ Touchpoints wie Rechnungen, Warteschleifen oder die interne Kommunikation.
  • Budget-Entscheidungen sollten auf der strategischen Rolle eines Touchpoints in der gesamten Journey basieren, nicht auf isolierten Conversion-Metriken.
  • Wahre Omnichannel-Fähigkeit ist ein organisatorisches Thema: Sie erfordert das Aufbrechen von Abteilungssilos und die Etablierung gemeinsamer, kundenzentrierter Ziele.

Wie steigern Sie die Conversion-Rate im Schweizer Shop, wo „Rechnung“ immer noch König ist?

Der Checkout ist einer der kritischsten Touchpoints in jedem Online-Shop. Hier entscheidet sich, ob aus einem Interessenten ein Käufer wird. Während international Kreditkarten und digitale Wallets dominieren, hat die Schweiz eine tief verwurzelte kulturelle Präferenz: der Kauf auf Rechnung. Diese Zahlungsart zu ignorieren oder nur versteckt anzubieten, ist einer der häufigsten Gründe für Warenkorbabbrüche in Schweizer E-Commerce-Shops. Es signalisiert mangelndes Vertrauen und missachtet die Gewohnheiten eines grossen Teils der Kundschaft.

Die Optimierung der Conversion-Rate beginnt also damit, die Rechnung nicht als notwendiges Übel, sondern als strategisches Instrument zu betrachten. Moderne Lösungen wie die sofortige Zustellung der QR-Rechnung per E-Mail, die seit ihrem Siegeszug während der Pandemie auf jedem Überweisungsträger in der Schweiz präsent ist, machen den Prozess für den Kunden und den Händler effizienter. Es geht jedoch nicht darum, allen Kunden blind die Rechnung anzubieten. Eine intelligente Segmentierung ist der Schlüssel zum Erfolg und zur Risikominimierung. Für treue Stammkunden sollte die Rechnung prominent und ohne Hürden verfügbar sein. Bei Neukunden mit hohem Warenkorbwert kann eine vorgeschaltete, transparente Bonitätsprüfung (z. B. über CRIF) sinnvoll sein oder alternative, sichere Methoden wie Twint und Kreditkarte priorisiert werden.

Die Kunst besteht darin, Flexibilität zu bieten und die Zahlungsoptionen an das jeweilige Kundensegment anzupassen. Der folgende Überblick zeigt, wie eine solche differenzierte Strategie aussehen kann, um die Bedürfnisse verschiedener Kundentypen zu erfüllen und gleichzeitig das eigene Geschäftsrisiko zu managen.

Optimierungsstrategien für Zahlungspräferenzen nach Kundensegment
Kundentyp Bevorzugte Zahlung Optimierungsstrategie
Stammkunden Rechnung (prominent) QR-Rechnung sofort per E-Mail
Neukunden (hoher Warenkorb) Twint/Kreditkarte priorisiert Rechnung nach Verifizierung
Digital-affine Kunden Twint mit Bonus Gratislieferung als Incentive
Traditionelle Kunden Rechnung (85% wünschen Kontoauszug per Post) Transparente Bonitätsprüfung via CRIF

Die Anpassung an lokale Gepflogenheiten ist kein Detail, sondern ein entscheidender Erfolgsfaktor. Um Ihre Umsätze zu sichern, müssen Sie verstehen, wie Sie die Conversion-Rate im Schweizer Shop steigern können, indem Sie die Rechnung intelligent integrieren.

Die Optimierung Ihrer Kundenkontaktpunkte ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess der Verfeinerung. Jede beseitigte Reibung, jede harmonisierte Botschaft und jeder verstandene Kundenwunsch stärkt die Beziehung zu Ihrer Kundschaft und schafft einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil. Beginnen Sie noch heute damit, Ihr Unternehmen durch die Augen Ihrer Kunden zu sehen und die stillen Saboteure des perfekten Erlebnisses aufzudecken. Für den ersten Schritt ist es entscheidend, sich noch einmal die verborgenen Schwachstellen bewusst zu machen; lesen Sie daher erneut, warum Sie wahrscheinlich 30% Ihrer Kundenkontaktpunkte gar nicht auf dem Radar haben.

Geschrieben von Elena Moretti, E-Commerce Strategin und UX-Psychologin. Expertin für Conversion-Optimierung, Shop-Usability und digitale Kundenbindung im mehrsprachigen Schweizer Markt.