
Eine konsistente Customer Experience ist kein Marketing-Projekt, sondern das direkte Spiegelbild Ihrer internen Zusammenarbeit und Kultur.
- Inkonsistenzen entstehen, weil unzufriedene Mitarbeiter keine exzellenten Erlebnisse schaffen können und abgetrennte Datensilos zu widersprüchlichen Botschaften führen.
- Der Schlüssel liegt nicht darin, Kanäle technisch zu verbinden, sondern Menschen und Prozesse hinter den Kulissen durch klare Service-Blaupausen und gemeinsame Ziele zu einen.
Recommandation: Beginnen Sie nicht mit einem neuen Tool, sondern mit einem abteilungsübergreifenden Audit Ihres Service-Designs, um die wahren Bruchstellen zwischen den Abteilungen zu identifizieren und zu heilen.
Jeder C-Level-Manager in der Schweiz kennt das frustrierende Szenario: Die neue Website ist ein Meisterwerk der Benutzerfreundlichkeit, doch ein Anruf beim Kundendienst fühlt sich an wie eine Reise in die Servicewüste. Oder der Vertrieb verspricht Flexibilität, während die Rechnungsabteilung auf starren Prozessen beharrt. Diese Brüche im Kundenerlebnis sind nicht nur ärgerlich, sie untergraben das Vertrauen und kosten bares Geld. Sie sind das äusserlich sichtbare Symptom einer tieferliegenden, internen Krankheit: Abteilungssilos.
Die üblichen Ratschläge – „man müsse Silos aufbrechen“ oder eine „Omnichannel-Strategie implementieren“ – greifen oft zu kurz. Sie behandeln die Symptome, nicht die Ursache. In einer Zeit, in der Produkte und Dienstleistungen immer austauschbarer werden, ist die Qualität des durchgängigen Kundenerlebnisses der entscheidende Wettbewerbsvorteil, besonders im anspruchsvollen Schweizer Markt. Doch wie schafft man diese begehrte Konsistenz, wenn Marketing, Vertrieb, Support und Logistik in ihren eigenen Welten agieren?
Die Antwort liegt in einem Perspektivwechsel. Was wäre, wenn die wahre Lösung nicht in der Technik, sondern in der Organisation liegt? Dieser Leitfaden vertritt eine klare These: Eine exzellente Customer Experience (CX) ist lediglich das Spiegelbild einer exzellenten internen Zusammenarbeit. Es geht darum, das Erlebnis von innen nach aussen zu gestalten. Wir werden untersuchen, wie Sie Dienstleistungen von Grund auf intuitiv gestalten, warum die Mitarbeitererfahrung der Nährboden für Kundenzufriedenheit ist, wie Sie Inkonsistenzen aufdecken und beheben und warum sich dieser ganzheitliche Ansatz für Schweizer KMU langfristig mehr auszahlt als jede teure Neukundenkampagne.
Dieser Artikel führt Sie durch die strategischen Hebel, die Ihnen als COO oder CMO zur Verfügung stehen, um eine wirklich nahtlose und authentische Customer Journey zu schaffen. Entdecken Sie, wie Sie die unsichtbaren Prozesse hinter den Kulissen so orchestrieren, dass der Kunde an jeder einzelnen Station eine konsistente und positive Erfahrung macht.
Inhaltsverzeichnis: Der Weg zur ganzheitlichen Customer Experience in der Schweiz
- Wie gestalten Sie Dienstleistungen so, dass sie intuitiv und angenehm sind?
- Warum unzufriedene Mitarbeiter niemals eine exzellente CX liefern können
- Das Risiko, online freundlich zu sein, aber am Telefon ruppig
- Wie verwandeln Sie eine Panne in einen Moment der Kundenbegeisterung (Service Recovery)?
- Welche Metriken zeigen wirklich, wie sich der Kunde fühlt?
- Das Risiko widersprüchlicher Botschaften am Telefon und auf der Webseite
- Der Fehler, Kanäle gegeneinander auszuspielen statt Synergien zu nutzen
- Warum ist Retention-Management für Schweizer KMUs profitabler als ständige Neukundengewinnung?
Wie gestalten Sie Dienstleistungen so, dass sie intuitiv und angenehm sind?
Ein „intuitiver“ Service ist das Ergebnis bewusster Gestaltung, nicht von Zufall. Er entsteht, wenn ein Unternehmen aufhört, von seinen internen Prozessen auszugehen, und beginnt, konsequent aus der Perspektive des Kunden zu denken. Die grösste Hürde dabei sind die unsichtbaren Mauern zwischen den Abteilungen. Der Kunde erlebt eine einzige Reise, aber intern wird diese Reise oft von mehreren, nicht miteinander kommunizierenden Teams verwaltet. Das Ergebnis sind Brüche, Wartezeiten und Frustration.
Um diese Brüche zu überwinden, ist die Service-Blaupause (Service Blueprint) das mächtigste Werkzeug für Führungskräfte. Im Gegensatz zu einer reinen Customer Journey Map visualisiert die Blaupause nicht nur die sichtbaren Kundenaktionen („Frontstage“), sondern auch die direkt unterstützenden Mitarbeiteraktionen und die unsichtbaren internen Prozesse („Backstage“). Sie deckt schonungslos auf, wo eine Ineffizienz in der IT zu einer Wartezeit für den Kunden führt oder wo mangelnde Absprachen zwischen Vertrieb und Support zu widersprüchlichen Aussagen führen.
Die Erstellung einer solchen Blaupause ist ein Akt der radikalen Transparenz. Sie zwingt Marketing, IT, Logistik und Finanzen an einen Tisch und macht deutlich, dass jede Abteilung Teil eines grösseren Ganzen ist. Laut Experten von fresk.digital ermöglichen Service Blueprints die Identifikation von Engpässen und Chancen, was zur Entwicklung besserer, nutzerzentrierter Produkte führt. Für ein Schweizer KMU bedeutet dies, Ineffizienzen gezielt zu beheben und neue Dienstleistungen von Anfang an so zu konzipieren, dass die internen Abläufe nahtlos auf eine ideale Customer Journey ausgerichtet sind. Es ist der erste, entscheidende Schritt, um die Organisation als Ganzes auf den Kunden auszurichten.
Ihr Aktionsplan zur Auditierung Ihres Service-Designs
- Kontaktpunkte identifizieren: Listen Sie jeden einzelnen Kanal und Touchpoint auf, über den ein Kunde mit Ihrem Unternehmen interagiert – von der Google-Suche über die Rechnung bis zur Service-Hotline.
- Existierende Elemente sammeln: Inventarisieren Sie die konkreten Artefakte an jedem Punkt. Wie sieht die E-Mail-Signatur aus? Welches Skript verwendet der Support? Wie ist die Verpackung gestaltet?
- Auf Kohärenz prüfen: Konfrontieren Sie diese Elemente mit Ihren Markenwerten und Ihrem Positionierungsversprechen. Wirkt die „schnelle und einfache“ Lösung am Telefon genauso unkompliziert wie auf der Website?
- Memos und Emotionen bewerten: Analysieren Sie, welche Kontaktpunkte eine positive emotionale Reaktion auslösen und welche rein transaktional und austauschbar sind. Wo sind Sie einzigartig, wo generisch?
- Integrationsplan erstellen: Priorisieren Sie die grössten „emotionalen Löcher“ und Inkonsistenzen. Erstellen Sie einen Plan, um diese schrittweise zu ersetzen oder zu füllen, beginnend mit den kritischsten Momenten der Customer Journey.
Warum unzufriedene Mitarbeiter niemals eine exzellente CX liefern können
Das vielleicht am meisten unterschätzte Gesetz der Customer Experience lautet: Das Kundenerlebnis ist ein Spiegelbild des Mitarbeitererlebnisses (Employee Experience, EX). Ein gestresster, schlecht informierter oder demotivierter Mitarbeiter kann unmöglich eine authentische, positive und hilfreiche Interaktion schaffen. Jede interne Reibung, jede unklare Zuständigkeit und jede fehlende Wertschätzung überträgt sich direkt oder indirekt auf den Kunden.
Führungskräfte, die in teure CX-Technologien investieren, aber die eigene Firmenkultur vernachlässigen, bauen ein Schloss auf Sand. Die Herausforderung ist in der Schweiz deutlich erkannt: Laut einer Studie der Hochschule für Wirtschaft Zürich sahen 46% der befragten Schweizer Unternehmen im Jahr 2023 die Firmenkultur als grösste Hürde auf dem Weg zu einer besseren Customer Experience. Dies übertrifft technologische oder budgetäre Einschränkungen bei weitem.
Eine positive und kundenzentrierte Kultur befähigt Mitarbeiter. Sie gibt ihnen die Autonomie, im Sinne des Kunden zu entscheiden, versorgt sie mit den richtigen Informationen zur richtigen Zeit und würdigt ihre Rolle als Markenbotschafter. Das Erfolgsbeispiel der Suva, die innerhalb von fünf Jahren CX-Management fest in der Organisation verankert hat, zeigt, was möglich ist: bessere Prozesse, eine kundenzentrierte Denkweise und eine Vielzahl von Mitarbeitern, die als überzeugte „Ambassadoren“ agieren. Für einen COO oder CMO bedeutet das: Die Investition in die eigenen Leute, in ihre Werkzeuge und in ein positives Arbeitsumfeld ist die direkteste und nachhaltigste Investition in die Kundenzufriedenheit.
Das Risiko, online freundlich zu sein, aber am Telefon ruppig
Die wohl häufigste und schädlichste Form der Inkonsistenz ist die emotionale Dissonanz zwischen den Kanälen. Ein Kunde, der von einer warmherzigen, personalisierten Website angelockt wird, erwartet denselben Tonfall und dieselbe Wertschätzung, wenn er zum Telefon greift oder eine E-Mail schreibt. Wird er stattdessen mit einem ungeduldigen, schlecht informierten oder prozessfixierten Mitarbeiter konfrontiert, bricht das mühsam aufgebaute Markenversprechen augenblicklich in sich zusammen.
Dieser Bruch ist mehr als nur ein Schönheitsfehler; er zerstört Vertrauen. Der Kunde fühlt sich getäuscht. Die digitale Fassade wirkt plötzlich unehrlich. Hier ist die Herausforderung für Schweizer Unternehmen besonders gross, da Konsistenz auch sprachliche und kulturelle Nuancen berücksichtigen muss. Wie Customer Experience Experten von Stimmt AG treffend bemerken:
Ein Zürcher erwartet möglicherweise eine andere Art von Effizienz als ein Tessiner.
– Customer Experience Experten, Stimmt AG – CX Beratung Schweiz
Dieses Bild visualisiert den scharfen Kontrast zwischen einer einladenden digitalen Erfahrung und einer kalten, unpersönlichen telefonischen Interaktion, ein häufiges Problem bei mangelnder Omnichannel-Konsistenz.

Emotionale Konsistenz bedeutet also nicht, überall identisch zu sein, sondern in jedem Kanal die gleiche Kernhaltung von Wertschätzung und Hilfsbereitschaft zu vermitteln, angepasst an den jeweiligen Kontext. Die Lösung liegt darin, jedem Mitarbeiter mit Kundenkontakt den Zugriff auf eine vollständige Kundenhistorie zu geben und ihn zu befähigen, über Abteilungsgrenzen hinweg Lösungen zu finden. Es geht darum, eine gemeinsame „Sprache des Kunden“ zu etablieren, die von der Website-Texterin bis zum Call-Center-Agenten von allen verstanden und gelebt wird.
Wie verwandeln Sie eine Panne in einen Moment der Kundenbegeisterung (Service Recovery)?
Kein Unternehmen ist perfekt. Lieferungen verzögern sich, Produkte haben Fehler, Systeme fallen aus. Der entscheidende Moment ist nicht die Panne selbst, sondern wie das Unternehmen darauf reagiert. Ein schlecht gehandhabter Fehler kann einen treuen Kunden für immer vergraulen. Eine exzellent durchgeführte „Service Recovery“ hingegen kann die Kundenbindung sogar stärken und einen unzufriedenen Kunden in einen loyalen Fürsprecher verwandeln. Es ist der ultimative Test für die Kundenzentrierung einer Organisation.
Patrick Meier, Geschäftsführer der Belcolor AG, dem führenden Anbieter von Bodenbelägen in der Schweiz, hat diese Herausforderung früh erkannt. In einem Markt mit austauschbaren Produkten fragte er sich: „Wer garantiert mir, dass wir in 15 Jahren noch erfolgreich sind?“. Gemeinsam mit Experten führte sein Unternehmen zahlreiche Kundeninterviews durch, um die grössten Schmerzpunkte zu identifizieren und die Servicequalität in den Mittelpunkt der Strategie zu stellen. Dieser proaktive Ansatz zeigt, dass Service Recovery nicht erst bei der Beschwerde beginnt, sondern bei der strategischen Vorbereitung auf das Unvermeidliche.
Ein effektiver Service-Recovery-Prozess ist keine Improvisation, sondern ein klar definierter, abteilungsübergreifender Plan. Er befähigt Mitarbeiter an der Front, schnell und grosszügig zu handeln, ohne für jede Kleinigkeit eine Genehmigung einholen zu müssen. Hier sind die entscheidenden Schritte:
- Proaktive Kommunikation: Informieren Sie Kunden sofort über ein Problem, idealerweise bevor sie es selbst bemerken oder sich beschweren müssen. Transparenz schafft Vertrauen.
- Aufrichtiges Verständnis zeigen: Eine ehrliche Entschuldigung und eine klare Erklärung der Ursachen sind wichtiger als jede Ausrede. Zeigen Sie Empathie für die Situation des Kunden.
- Schnelle und grosszügige Wiedergutmachung: Bieten Sie eine unkomplizierte Lösung an. Mitarbeiter sollten über vorab genehmigte Optionen wie Gutschriften, Ersatzlieferungen oder kleine, lokale Aufmerksamkeiten verfügen.
- Persönlicher Kontakt: Ein Anruf ist oft wirkungsvoller als eine standardisierte E-Mail. Es zeigt echtes Interesse und persönliche Verantwortung.
- Systematisches Lernen: Analysieren Sie jeden Vorfall in abteilungsübergreifenden Meetings. Ziel ist es nicht, Schuldige zu finden, sondern den zugrunde liegenden Prozess zu verbessern, damit der Fehler nicht erneut auftritt.
Welche Metriken zeigen wirklich, wie sich der Kunde fühlt?
Unternehmen sind oft in einem Meer von Metriken gefangen: Net Promoter Score (NPS), Customer Satisfaction (CSAT), Klickraten. Doch viele dieser Kennzahlen kratzen nur an der Oberfläche. Sie zeigen, *was* passiert, aber selten, *warum*. Um eine wirklich konsistente Customer Experience zu steuern, benötigen Führungskräfte „Metriken der Wahrheit“ – Kennzahlen, die die tatsächliche, abteilungsübergreifende Realität des Kunden widerspiegeln.
Die gute Nachricht ist, dass die Dringlichkeit erkannt wurde. Eine Umfrage der Hochschule für Wirtschaft Zürich zeigt, dass 86% der Schweizer Unternehmen planen, ihr CX-Budget für 2024 zu erhöhen oder beizubehalten. Nun geht es darum, dieses Geld intelligent zu investieren und den Erfolg messbar zu machen. Anstatt nur das Marketing nach der Lead-Anzahl zu bewerten, müssen die Ziele verknüpft werden. Eine echte CX-Metrik misst beispielsweise, wie lange die Finanzabteilung braucht, um eine Rechnungsfrage zu klären, denn diese Zeit ist ein direkter Teil des Kundenerlebnisses.
Die folgende Tabelle zeigt beispielhaft, wie solche abteilungsspezifischen, aber kundenzentrierten Metriken für ein Schweizer KMU aussehen könnten. Sie verlagern den Fokus von interner Effizienz auf externen Kundennutzen.
| Abteilung | Schlüsselmetrik | Zielwert für Schweizer KMU |
|---|---|---|
| Finanzabteilung | Dauer bis zur Klärung einer Rechnungsfrage | < 24 Stunden |
| Logistik | Liefertreue in Prozent | > 95% |
| Support | First Contact Resolution Rate | > 70% |
| Marketing | Customer Lifetime Value | 3x Akquisitionskosten |
Durch die Etablierung solcher operativer CX-Metriken wird Kundenzentrierung von einem abstrakten Ziel zu einer messbaren, täglichen Aufgabe für jede Abteilung. Es schafft eine gemeinsame Sprache und ein gemeinsames Ziel: die Reibung für den Kunden zu minimieren und seinen Wert für das Unternehmen zu maximieren.
Das Risiko widersprüchlicher Botschaften am Telefon und auf der Webseite
Wenn ein Kunde auf der Webseite einen Rabatt von 10% sieht, der Mitarbeiter am Telefon aber nur 5% anbieten kann, ist das mehr als nur ein Ärgernis. Es ist ein Vertrauensbruch, der auf einem fundamentalen organisatorischen Problem beruht: fragmentierten Informationssilos. Jede Abteilung – Marketing, Vertrieb, Support – pflegt ihre eigenen Daten, Dokumente und Wissensdatenbanken. Ohne eine „Single Source of Truth“, eine zentrale, verlässliche Informationsquelle, sind widersprüchliche Botschaften unvermeidlich.
Dieses Chaos schadet nicht nur dem Kunden, sondern lähmt auch die Organisation. Mitarbeiter verbringen wertvolle Zeit damit, nach den richtigen Informationen zu suchen, anstatt Kunden zu helfen. Entscheidungen basieren auf veralteten oder unvollständigen Daten. Die Lösung liegt in einer klaren Content- und Daten-Governance. Dies ist kein reines IT-Projekt, sondern ein Prozess der Organisationsentwicklung. Es geht darum, klare Verantwortlichkeiten für die Pflege von Informationen zu definieren und Prozesse zu etablieren, die sicherstellen, dass jede Abteilung auf dieselbe, aktuelle Datenbasis zugreift.
Diese visuelle Darstellung symbolisiert, wie vernetzte Datenpunkte zu einem zentralen Informationsknoten zusammenlaufen, dem Kern einer „Single Source of Truth“.

Ein solcher zentralisierter Ansatz stellt sicher, dass Preisinformationen, Produktbeschreibungen, Policy-Änderungen und Werbeaktionen konsistent über alle Kanäle kommuniziert werden. Für ein Schweizer KMU ist es entscheidend, die Tonalität und die Kernbotschaften über alle Kanäle hinweg abzugleichen, wie die folgende Übersicht verdeutlicht.
Die folgende Tabelle bietet einen praktischen Überblick über typische Fehler und Best Practices zur Sicherstellung der Konsistenz über verschiedene Kanäle hinweg, mit spezifischen Empfehlungen für den Schweizer Markt.
| Kanal | Typische Fehler | Best Practice für Schweizer KMU |
|---|---|---|
| Website | Zu förmlich, unpersönlich | Klare, freundliche Sprache in allen 4 Landessprachen |
| Telefon | Gestresst, ungeduldig | Zugriff auf komplette Kundenhistorie während des Gesprächs |
| Standardvorlagen ohne Personalisierung | Individuelle Ansprache mit Bezug auf vorherige Interaktionen | |
| Rechnung | Kompliziert, unverständlich | Klare Struktur mit freundlichem Begleitschreiben |
Der Fehler, Kanäle gegeneinander auszuspielen statt Synergien zu nutzen
Viele Unternehmen betreiben ihre Kanäle – Website, Filiale, Social Media, Aussendienst – immer noch in Konkurrenz zueinander. Jede Abteilung kämpft um ihr eigenes Budget und optimiert für ihre eigenen Ziele, ohne das grosse Ganze im Blick zu haben. Dieses Denken führt zu einer fragmentierten Erfahrung für den Kunden, der die Kanäle je nach Bedürfnis nahtlos wechseln möchte. Ein Omnichannel-Ansatz bedeutet nicht nur, auf allen Kanälen präsent zu sein, sondern sie intelligent miteinander zu vernetzen, um Synergien zu schaffen.
Anstatt Kanäle gegeneinander auszuspielen, sollten sie sich gegenseitig stärken. Der Schlüssel liegt darin, das Budget nicht nach Kanälen, sondern entlang der Customer Journey zu verteilen. Welche Kanäle sind in der Awareness-Phase am wichtigsten? Welche im Kaufprozess? Welche im After-Sales-Service? Diese Perspektive fördert die Zusammenarbeit und zwingt die Abteilungen, gemeinsam am Erfolg der gesamten Kundenreise zu arbeiten. Die Dringlichkeit wird durch die Marktentwicklung unterstrichen: Eine Studie zeigt, dass 90% der befragten Schweizer Unternehmen davon ausgehen, dass die Bedeutung der CX in ihrer Branche weiter steigen wird.
Für Schweizer B2B-Unternehmen gibt es zahlreiche kreative Möglichkeiten, solche Synergien zu schaffen und die Effizienz zu steigern:
- QR-Codes auf Verpackungen: Ein einfacher Scan führt direkt zu Video-Anleitungen, Support-Artikeln oder der Möglichkeit, Zubehör nachzubestellen. Der physische Kanal stärkt den digitalen.
- Messe-zu-Digital-Brücke: Das Scannen einer Visitenkarte auf einer Fachmesse löst automatisch die Anreicherung der Daten im CRM-System und eine personalisierte Follow-up-E-Mail aus.
- Cross-Channel-Anreize: Bieten Sie Kunden im stationären Geschäft einen kleinen Vorteil, wenn sie sich für den digitalen Newsletter anmelden, der sie über neue Produkte informiert.
- Integrierte Datennutzung: Nutzen Sie die Wartezeit in der Telefon-Hotline, um auf neue, zeitsparende Funktionen in der Kunden-App hinzuweisen.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine konsistente Customer Experience ist primär ein Spiegelbild der internen Kultur und der abteilungsübergreifenden Zusammenarbeit, nicht nur ein Technologie-Thema.
- Konsistenz bedeutet nicht Uniformität. Es geht um emotionale und informationelle Stimmigkeit, die auf den jeweiligen Kanal und die kulturellen Gegebenheiten in der Schweiz angepasst ist.
- Wahre CX-Metriken verbinden operative Daten aus allen Abteilungen (z.B. Logistik, Finanzen) und machen so den tatsächlichen Kundennutzen und die internen Reibungspunkte messbar.
Warum ist Retention-Management für Schweizer KMUs profitabler als ständige Neukundengewinnung?
In einem gesättigten und wettbewerbsintensiven Markt wie der Schweiz ist die Jagd nach immer neuen Kunden ein teures Unterfangen. Studien von Bain & Company haben gezeigt, dass es bis zu siebenmal mehr kostet, einen Neukunden zu gewinnen, als einen bestehenden Kunden zu halten. Dennoch konzentrieren viele Unternehmen einen Grossteil ihres Marketing- und Vertriebsbudgets auf die Akquise, während das Potenzial im eigenen Kundenstamm vernachlässigt wird.
Hier schliesst sich der Kreis zur konsistenten Customer Experience. Eine positive, nahtlose und verlässliche Erfahrung über alle Kontaktpunkte hinweg ist der stärkste Treiber für Kundenloyalität. Zufriedene Kunden kaufen nicht nur wieder, sie kaufen mehr, sind weniger preissensibel und werden zu unbezahlbaren Markenbotschaftern. Schweizer Beratungsunternehmen wie Stimmt AG erheben mittlerweile harte Zahlen, die den direkten Zusammenhang zwischen einer guten CX und der Zahlungsbereitschaft, der Produktdurchdringung und der Dauer der Kundenbeziehung belegen. Eine Investition in die Konsistenz des Kundenerlebnisses ist also eine direkte Investition in den Customer Lifetime Value (CLV) und damit in die langfristige Profitabilität.
Für ein Schweizer KMU bedeutet dies eine strategische Neuausrichtung: Weg von der kurzfristigen, teuren Jagd, hin zur langfristigen, profitablen Pflege. Ein systematisches Retention-Management, das auf einer soliden CX-Basis fusst, umfasst konkrete Massnahmen:
- Implementierung eines CRM-Systems: Eine detaillierte Dokumentation aller Kundeninteraktionen und -präferenzen ist die Grundlage für eine persönliche und zielgerichtete Betreuung.
- Personalisierte Kommunikation: Statt generischer Newsletter sollten Inhalte basierend auf dem bisherigen Kaufverhalten und den bekannten Interessen individualisiert werden.
- Entwicklung von Bonusprogrammen: Etablieren Sie einfache, aber wirkungsvolle Systeme wie Punkte oder exklusive Privilegien, um Stammkunden für ihre Treue zu belohnen.
- Etablierung von Feedback-Schleifen: Fragen Sie Ihre Kunden regelmässig nach ihrer Meinung und nutzen Sie dieses Feedback systematisch zur kontinuierlichen Verbesserung Ihrer Prozesse.
Beginnen Sie nicht mit einem neuen Tool, sondern mit einem ehrlichen, abteilungsübergreifenden Audit Ihrer internen Prozesse und Kultur. Das ist der erste Schritt zu einem authentisch konsistenten Kundenerlebnis, das sich für Ihr Schweizer Unternehmen nachhaltig rechnet und Sie vom Wettbewerb abhebt.