
Die Modernisierung einer Schweizer Traditionsmarke ist kein kreativer Bruch, sondern eine chirurgische Weiterentwicklung der Marken-DNA.
- Erfolgreiche Erneuerung basiert auf der Identifikation und behutsamen Modernisierung von Kernelementen, nicht auf deren radikaler Ersetzung.
- Die interne Verankerung durch zentrale Brand-Management-Systeme ist entscheidend für eine konsistente Umsetzung im gesamten Unternehmen.
Empfehlung: Analysieren Sie zuerst den Markenkern und die Kundenloyalität, bevor Sie eine sanfte Evolution oder eine radikale Revolution Ihrer visuellen Identität in Betracht ziehen.
Für ein Schweizer Traditionsunternehmen fühlt sich die Modernisierung der Corporate Identity oft an wie eine Gratwanderung. Auf der einen Seite steht der Druck, in einer digitalisierten Welt relevant und frisch zu wirken. Auf der anderen Seite die berechtigte Angst, mit einer zu radikalen Veränderung genau das zu verlieren, was die Marke über Jahrzehnte aufgebaut hat: Vertrauen, Wiedererkennungswert und eine tief in der Schweizer Kultur verwurzelte Identität. Viele Ratgeber empfehlen dann pauschal einen „modernen Look“ oder den Einsatz „neuer Medien“, übersehen dabei aber die Essenz der Herausforderung.
Die landläufige Meinung suggeriert oft, dass Modernisierung gleichbedeutend mit einem kompletten Neuanfang ist – ein neues Logo, neue Farben, ein lauter Paukenschlag. Doch was, wenn der wahre Schlüssel nicht in der Revolution, sondern in der präzisen Evolution liegt? Was, wenn es nicht darum geht, Altes zu verwerfen, sondern die einzigartige Marken-DNA zu isolieren und sie behutsam in eine neue, zukunftsfähige Form zu übersetzen? Dieser Ansatz respektiert das Erbe und die Loyalität Ihrer Kunden, während er gleichzeitig die Türen für die nächste Generation öffnet. Es ist keine Frage des „Ob“, sondern des strategischen „Wie“.
Dieser Artikel führt Sie durch die strategischen Überlegungen, die für eine solche sensible Transformation notwendig sind. Wir beleuchten, wie Sie Ihre Identität schärfen, Ihre Mitarbeiter für den Wandel gewinnen und Ihre Marke authentisch in das digitale Zeitalter führen, ohne dabei Ihre Seele zu verkaufen. Es ist ein Leitfaden für eine Modernisierung mit Respekt und Weitsicht.
Inhaltsverzeichnis: Strategie zur Modernisierung Ihrer Markenidentität
- Warum Sie das Logo nicht komplett ändern sollten, wenn es seit 50 Jahren bekannt ist
- Wie stellen Sie sicher, dass alle Mitarbeiter die neuen Vorlagen auch wirklich nutzen?
- Sanfte Anpassung oder radikaler Neuanfang: Was verträgt Ihre Marke?
- Der Fehler, ein Print-Logo unverändert für App-Icons zu verwenden
- Wann und wie informieren Sie die Öffentlichkeit über Ihr neues Gesicht?
- Wie steuern Sie die Wahrnehmung Ihrer Marke in der Schweiz, wenn jeder Fehler viral geht?
- Wie Sie Ihre Positionierung nachschärfen, wenn der Markt sich dreht
- Wie setzen Sie emotionales Storytelling in konservativen Branchen wie Banken oder Versicherungen ein?
Warum Sie das Logo nicht komplett ändern sollten, wenn es seit 50 Jahren bekannt ist
Ein Logo, das über Jahrzehnte zum vertrauten Begleiter geworden ist, repräsentiert mehr als nur Ihr Unternehmen; es ist ein Anker für Kundentreue und ein Symbol für Beständigkeit. Eine radikale Änderung riskiert, dieses über lange Zeit aufgebaute Kapital zu zerstören. Der Wert Ihrer Marke liegt oft in genau dieser Wiedererkennbarkeit. Anstatt einen Bruch zu wagen, ist eine visuelle Chirurgie der weitaus strategischere Ansatz. Es geht darum, die ikonischen Elemente – die Marken-DNA – zu identifizieren und sie behutsam zu verfeinern, um sie für die Zukunft fit zu machen, ohne die Verbindung zur Vergangenheit zu kappen.
Das klassische Beispiel ist Coca-Cola, eine Marke, die ihr ikonisches Logo über ein Jahrhundert hinweg nur minimal angepasst hat. Diese schrittweise Evolution sichert den Wiedererkennungswert und transportiert gleichzeitig ein Gefühl von Zeitlosigkeit. In der Schweiz ist dieser Aspekt besonders relevant. Das Label „Swissness“ ist ein enormes Verkaufsargument, das auf Vertrauen und Qualität basiert. Die strengen Swissness-Kriterien verlangen, dass beispielsweise bei Lebensmitteln mindestens 80% des Gewichts der Rohstoffe aus der Schweiz stammen müssen. Ein Logo, das diese Tradition visuell verkörpert, ist ein unschätzbares Gut, das nicht leichtfertig aufgegeben werden sollte.
Die Aufgabe besteht darin, die Balance zu finden: Wie kann ein Logo modernisiert werden, um auf digitalen Plattformen zu funktionieren, ohne seine historische Essenz zu verlieren? Dies erfordert eine tiefgehende Analyse der bestehenden Markenelemente und eine klare Strategie für deren schrittweise Anpassung. Es ist ein Prozess der Schärfung, nicht der Neuerfindung.
Eine sanfte Modernisierung bewahrt also das Vertrauen und stärkt gleichzeitig die Relevanz der Marke für die Zukunft. Dieser Respekt vor dem Erbe ist der erste Schritt zu einer erfolgreichen Transformation.
Wie stellen Sie sicher, dass alle Mitarbeiter die neuen Vorlagen auch wirklich nutzen?
Die eleganteste neue Corporate Identity ist wertlos, wenn sie intern nicht gelebt und konsistent angewendet wird. Einer der häufigsten Gründe für das Scheitern einer Markenerneuerung ist die mangelnde Akzeptanz und Nutzung durch die eigenen Mitarbeiter. Veraltete Vorlagen in E-Mail-Signaturen, falsch genutzte Logos in Präsentationen oder eine inkonsistente Bildsprache untergraben die Professionalität und verwässern die neue Markenbotschaft, bevor sie den Kunden überhaupt erreicht. Das Problem liegt oft nicht am Unwillen der Mitarbeiter, sondern an einem unzureichenden Zugang zu den richtigen Ressourcen.
Die Lösung liegt in der Schaffung einer zentralen, zugänglichen und benutzerfreundlichen Konsistenz-Architektur. Moderne Brand-Management-Plattformen sind hier das Mittel der Wahl. Sie fungieren als „Single Source of Truth“ für alle Markenelemente. Ein herausragendes Schweizer Beispiel hierfür ist Frontify. Diese Plattform ermöglicht es Unternehmen, alle Markenrichtlinien, Designvorlagen, digitalen Assets wie Logos und Bilder sowie Templates zentral zu verwalten. Mitarbeiter finden intuitiv die richtigen Vorlagen für Word, PowerPoint oder die Social-Media-Kanäle und können sicher sein, immer die aktuellste Version zu verwenden.

Durch ein solches digitales Brand Center wird die Markenkonsistenz keine mühsame Pflicht mehr, sondern ein integraler und einfacher Teil des täglichen Arbeitsprozesses. Die Plattform dient nicht nur als Bibliothek, sondern auch als interaktives Werkzeug, das die Zusammenarbeit zwischen Teams fördert und sicherstellt, dass die Marke an jedem einzelnen Kontaktpunkt – von der internen E-Mail bis zur globalen Kampagne – einheitlich und stark auftritt. So wird die neue Identität von innen heraus gestärkt.
Letztendlich ist die Investition in eine solche Plattform eine Investition in die Integrität und den langfristigen Erfolg Ihrer erneuerten Marke.
Sanfte Anpassung oder radikaler Neuanfang: Was verträgt Ihre Marke?
Die Entscheidung zwischen einer behutsamen Evolution und einer radikalen Revolution ist die wohl kritischste Weggabelung bei der Modernisierung Ihrer Corporate Identity. Es gibt keine universell richtige Antwort; die Wahl hängt ausschliesslich von der Stärke Ihrer bestehenden Marke, der Loyalität Ihrer Kunden und Ihrer strategischen Neuausrichtung ab. Eine Marke mit hohem Wiedererkennungswert und einer emotionalen Kundenbindung kann durch einen radikalen Schnitt massiv an Vertrauen verlieren. Eine Marke, die hingegen als veraltet oder irrelevant wahrgenommen wird, benötigt möglicherweise genau diesen Befreiungsschlag, um sich neu zu positionieren.
Ein Blick in die Welt des Sports illustriert diese beiden Wege perfekt. Der FC Bayern München wählte den Weg der Evolution, indem er sein Logo über die Jahre nur minimal anpasste – so subtil, dass es kaum jemandem auffiel. Die Marke blieb modern und digital anwendbar, ohne die Fans zu verprellen. Juventus Turin hingegen vollzog eine gestalterische Revolution mit einem komplett neuen, minimalistischen Logo, das anfangs für grosse Ablehnung sorgte, sich aber durch seine starke digitale Präsenz schnell durchsetzte.
In der Schweiz zeigt eine Studie zum Markenidentitätsindex, wie stark die Bindung zu etablierten Marken ist. Mit mehr als 79,2 Punkten erreicht Migros im Identitätsindex die absolute Spitzenposition. Ein radikaler Bruch mit dem ikonischen orangen „M“ wäre für dieses Unternehmen undenkbar und würde das über Jahrzehnte aufgebaute Vertrauenskapital gefährden. Hier ist die sanfte Anpassung der einzig gangbare Weg.
| Kriterium | FC Bayern München (Evolution) | Juventus Turin (Revolution) |
|---|---|---|
| Ansatz | Kleine Modifikationen am Logo | Revolutionäres neues Logo |
| Änderungen | So minimal, dass sie nur ein geschultes Auge wahrnimmt | Gestalterische Revolution für digitale Kanäle |
| Fanreaktion | Kein medialer Aufschrei | Anfängliche Verwunderung und Ablehnung |
| Ergebnis | Logo bleibt modern und digital anwendbar | Schnelle Durchsetzung durch tägliche Berichterstattung |
Die Wahl des richtigen Weges erfordert daher eine tiefgehende Analyse Ihrer Marktposition und Ihrer Kundenbeziehung. Eine falsche Entscheidung kann teuer werden, die richtige hingegen Ihre Marke für die nächste Generation stärken.
Der Fehler, ein Print-Logo unverändert für App-Icons zu verwenden
In der Ära der Smartphones und digitalen Touchpoints ist einer der grössten Fehler bei der Modernisierung einer Corporate Identity die Annahme, ein Logo sei ein statisches Gebilde. Ein detailliertes, für den Briefkopf entworfenes Logo mit feinen Linien, einer Wortmarke und vielleicht sogar einem Gründungsjahr funktioniert auf einem winzigen App-Icon oder einem Favicon im Browser-Tab schlichtweg nicht. Es wird zu einem unkenntlichen Klecks, der jegliche Wiedererkennbarkeit und Professionalität einbüsst. Diese mangelnde Anpassungsfähigkeit ist ein klares Zeichen für eine veraltete Markenstrategie.
Die moderne Lösung ist das Konzept des responsiven Logos. Ähnlich wie eine responsive Website passt sich ein responsives Logo an die Grösse des verfügbaren Raumes an. Es existiert in verschiedenen Komplexitätsstufen: von der vollständigen Version mit Wort- und Bildmarke für grosse Flächen bis hin zu einer stark reduzierten, rein symbolischen Variante für die kleinsten Formate wie ein App-Icon. Dieser Ansatz stellt sicher, dass die Marken-DNA – das Kernsymbol – auch auf einem 16×16 Pixel grossen Favicon noch sofort erkennbar ist. Es ist ein Akt des „Kulturerbe-Transfers“, bei dem die Essenz der Marke in eine neue, digitale Form gegossen wird.

Die Entwicklung eines responsiven Logos ist kein rein ästhetischer, sondern ein zutiefst funktionaler Prozess. Es erfordert strategische Entscheidungen darüber, welche Elemente der Markenidentität unverzichtbar sind und welche für mehr Klarheit und digitale Resonanz reduziert werden können. Ein Logo muss heute als flexibles System verstanden werden, das auf allen Kanälen – von der Visitenkarte bis zur Smartwatch – konsistent und klar funktioniert.
Ihr Plan zur Logo-Anpassung für digitale Medien
- Skalierbarkeit prüfen: Entwickeln Sie Logo-Varianten, die sich verschiedenen Formaten und Medien anpassen können, von grossen Bannern bis zu kleinen App-Icons.
- Kernelemente destillieren: Identifizieren Sie das eine, unverwechselbare Symbol Ihrer Marke, das auch in stark reduzierter Form noch wirkt.
- Kontext-Tests durchführen: Testen Sie die Lesbarkeit und Wiedererkennbarkeit der Logo-Varianten auf verschiedenen Geräten (Smartphone, Desktop, Smartwatch) und in unterschiedlichen Kontexten (helle/dunkle Hintergründe).
- Funktionalität sicherstellen: Gewährleisten Sie, dass alle Logo-Dateien als Vektorgrafiken (SVG) vorliegen, um eine verlustfreie Skalierung für jede Bildschirmauflösung zu garantieren.
- Guidelines erstellen: Definieren Sie in Ihrem Brand Manual klar, welche Logo-Version in welchem Anwendungsfall zu verwenden ist, um eine konsistente Nutzung sicherzustellen.
Wer diesen Schritt ignoriert, riskiert, im digitalen Raum unsichtbar oder unprofessionell zu wirken, egal wie stark die Marke offline ist.
Wann und wie informieren Sie die Öffentlichkeit über Ihr neues Gesicht?
Die Enthüllung einer erneuerten Corporate Identity ist kein Schalter, der einfach umgelegt wird. Es ist ein strategischer Kommunikationsprozess, der sorgfältig geplant sein muss, um Akzeptanz zu schaffen und die Geschichte hinter der Veränderung zu erzählen. Ein plötzlicher, unkommentierter Wechsel kann zu Verwirrung, Ablehnung und negativen Spekulationen führen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, das „Warum“ hinter dem „Was“ zu kommunizieren. Warum war diese Veränderung notwendig? Welche Werte der Tradition werden bewahrt und wie wird die Marke für die Zukunft gestärkt?
Die Kommunikationsstrategie sollte gestaffelt sein und verschiedene Stakeholder-Gruppen berücksichtigen. Beginnen Sie intern: Ihre Mitarbeiter müssen die ersten Botschafter der neuen Identität sein. Erst wenn sie die Geschichte und die Logik hinter der Veränderung verstehen und verinnerlicht haben, kann die Botschaft authentisch nach aussen getragen werden. In einem föderalistisch geprägten Land wie der Schweiz ist eine differenzierte Ansprache von Regionen und Partnern besonders wichtig, wie die Herausforderungen des globalen Schweizer Konzerns ABB zeigen. Eine globale Botschaft muss lokal relevant gemacht werden.
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Die öffentliche Kommunikation sollte dann wie eine orchestrierte Kampagne ablaufen. Anstatt nur das neue Logo zu präsentieren, erzählen Sie die Geschichte seiner Entstehung. Zeigen Sie auf, welche Elemente des alten Designs respektvoll weiterentwickelt wurden. Erklären Sie, wie die neue Identität die strategische Ausrichtung des Unternehmens widerspiegelt – sei es ein Fokus auf Nachhaltigkeit, Digitalisierung oder eine neue Serviceorientierung. Nutzen Sie alle Kanäle, von einer Pressemitteilung über Social Media bis hin zu einem speziellen Bereich auf Ihrer Website, um Transparenz zu schaffen und den Dialog zu suchen. Ein Slogan, der die Balance zwischen Tradition und Innovation auf den Punkt bringt, kann dabei als kommunikative Klammer dienen.
Eine gut erzählte Geschichte verwandelt eine potenziell riskante Veränderung in einen kraftvollen Beweis für die Weitsicht und die Zukunftsfähigkeit Ihres Unternehmens.
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Wie steuern Sie die Wahrnehmung Ihrer Marke in der Schweiz, wenn jeder Fehler viral geht?
In der heutigen hypervernetzten Welt, insbesondere in einem so qualitätsbewussten und gut vernetzten Markt wie der Schweiz, kann ein einziger Fehltritt die Markenwahrnehmung nachhaltig schädigen. Ein inkonsistentes Design, eine missverständliche Botschaft oder der Missbrauch von Traditionssymbolen verbreiten sich viral und können das über Jahre aufgebaute Vertrauen untergraben. Proaktives und vigilantes Markenmanagement ist daher keine Option, sondern eine Notwendigkeit. Es geht darum, die eigene Markendarstellung aktiv zu kontrollieren und gleichzeitig schnell und konsequent auf externe Bedrohungen oder Fehldarstellungen zu reagieren.
Ein zentraler Aspekt ist der Schutz des „Swissness“-Labels. Die missbräuchliche Verwendung des Schweizerkreuzes oder des Begriffs „Swiss made“ schädigt nicht nur die einzelne Marke, sondern den gesamten Wirtschaftsstandort. Hier zeigt sich die Stärke eines koordinierten Vorgehens. Der Verein Swissness Enforcement, eine Partnerschaft zwischen dem Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum (IGE) und der Industrie, wurde genau zu diesem Zweck gegründet. Er koordiniert die Meldung von Missbrauchsfällen und geht aktiv dagegen vor. Diese Initiative hat Wirkung gezeigt: Laut den befragten Teilnehmenden einer Studie zeigt die Swissness-Gesetzgebung positive Wirkung und Missbrauchsfälle innerhalb der Landesgrenzen sind rückläufig.
Für Ihr Unternehmen bedeutet das zweierlei. Erstens: Sorgen Sie für absolute juristische und gestalterische Konformität Ihrer eigenen Markenkommunikation. Zweitens: Etablieren Sie ein systematisches Monitoring, um die Verwendung Ihrer Marke und verwandter Symbole im Netz zu überwachen. Ein zentrales Brand-Management-System hilft, die interne Konsistenz zu wahren, während Social-Listening-Tools und die Zusammenarbeit mit Branchenverbänden dabei helfen, die externe Wahrnehmung zu steuern und auf Verletzungen schnell zu reagieren. Souveränität entsteht durch Kontrolle und konsequentes Handeln.
So stellen Sie sicher, dass Ihre sorgfältig modernisierte Identität nicht durch Inkonsistenzen oder Missbrauch von aussen geschwächt wird.
Wie Sie Ihre Positionierung nachschärfen, wenn der Markt sich dreht
Märkte sind dynamisch. Kundenbedürfnisse ändern sich, neue Wettbewerber treten auf und technologische Umbrüche stellen etablierte Geschäftsmodelle in Frage. Eine einmal definierte Positionierung ist kein in Stein gemeisselter Grundsatz, sondern muss regelmässig auf ihre Relevanz überprüft und bei Bedarf nachgeschärft werden. Für ein Traditionsunternehmen bedeutet dies nicht, seine Grundwerte über Bord zu werfen. Vielmehr geht es darum, diese Werte in einen neuen Kontext zu setzen und ihre Bedeutung für die aktuellen Herausforderungen des Marktes zu übersetzen. Dies ist ein Akt der strategischen Anpassung, nicht der Kapitulation.
Ein exzellentes Beispiel aus der Schweiz ist die Schokoladenindustrie. Während der Markt sich zunehmend auf Nachhaltigkeit und neue Geschmackserlebnisse ausrichtet, müssen sich selbst ikonische Marken bewegen. Lindt & Sprüngli hat dies erfolgreich getan: Obwohl die Marke für klassische Premium-Schokolade steht, hat sie durch Innovationen und eine klare Positionierung im Heimatmarkt ein beeindruckendes Wachstum erzielt. So setzte Lindt & Sprüngli auf dem Schweizer Heimatmarkt 462 Millionen CHF um, was einem Wachstum von 13,6% im Jahr 2023 entspricht. Dies zeigt, dass Tradition und Wachstum Hand in Hand gehen können, wenn die Positionierung stimmt.
Der Schweizer Identitätsindex 2024 liefert weitere spannende Einblicke. Während Migros und Coop ihre starken Positionen halten, zeigen die grössten Aufsteiger wie die Bank Vontobel (+15,3 Punkte) und die SBB (+12,1 Punkte), dass auch etablierte Unternehmen in traditionellen Branchen ihre Identifikation bei den Kunden massiv steigern können. Dies gelingt durch eine klare Kommunikation der eigenen Relevanz und eine Schärfung der Positionierung an den Bedürfnissen eines sich wandelnden Marktes.
| Marke | Identitätspunkte | Veränderung |
|---|---|---|
| Migros | 79,2 | Spitzenposition |
| Lindt | 71+ | -5,9 Punkte |
| Coop | 68,7 | Platz 3 |
| Vontobel | – | +15,3 Punkte (grösste Steigerung) |
| SBB | – | +12,1 Punkte (neu in Top 10) |
Das Nachschärfen der Positionierung ist somit kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Beweis für strategische Agilität und die Fähigkeit, das eigene Erbe erfolgreich in die Zukunft zu führen.
Das Wichtigste in Kürze
- Modernisierung ist eine strategische Evolution der Marken-DNA, kein radikaler Bruch mit der Tradition.
- Ein responsives Logo, das sich an digitale Kanäle anpasst, ist für die Sichtbarkeit unerlässlich.
- Die interne Verankerung durch zentrale Brand-Portale (z.B. Frontify) sichert die konsistente Umsetzung.
Wie setzen Sie emotionales Storytelling in konservativen Branchen wie Banken oder Versicherungen ein?
In Branchen wie dem Bank- und Versicherungswesen, die traditionell auf Fakten, Zahlen und Sicherheit setzen, wirkt der Begriff „emotionales Storytelling“ oft fehl am Platz. Doch genau hier liegt das grösste ungenutzte Potenzial. Kunden treffen Entscheidungen – selbst Finanzentscheidungen – niemals rein rational. Vertrauen, Sicherheit und das Gefühl, verstanden zu werden, sind zutiefst emotionale Faktoren. Emotionales Storytelling bedeutet in diesem Kontext nicht, kitschige Geschichten zu erzählen, sondern die Fakten und Dienstleistungen in einen menschlichen Kontext zu setzen und zu zeigen, welche realen Probleme sie für die Kunden lösen.
Es geht darum, die Perspektive zu wechseln: Statt über Produkte zu sprechen, erzählen Sie Geschichten über die Lebensziele, die diese Produkte ermöglichen. Eine Hypothek ist nicht nur ein Kredit; sie ist der Schlüssel zum Traum vom Eigenheim für eine junge Familie. Eine Lebensversicherung ist kein Vertrag; sie ist das Versprechen, für seine Liebsten auch in Zukunft zu sorgen. Wie Luca Geisseler von Fehr Advice & Partners treffend bemerkt, führt eine gute Beziehung dazu, dass Kunden eine „rosarote Brille“ tragen:
Eine gute Beziehung zwischen Unternehmen und Kunden führt beispielsweise dazu, dass die längere Wege auf sich nehmen, um zu ‚ihrem‘ Unternehmen zu gelangen, immer wieder dorthin zurückkommen und sogar weniger preissensitiv sind. Sie tragen praktisch eine ‚rosarote Brille‘.
– Luca Geisseler, Fehr Advice & Partners, Identitätsindex Schweiz 2024
Den Beweis, dass dieser Ansatz funktioniert, liefern Schweizer Neobanken wie Neon und Revolut. Obwohl sie ausschliesslich digitale Kontaktpunkte anbieten, haben sie ihre Identifikationswerte bei jungen Kunden dramatisch gesteigert. Der Grund? Sie sprechen die Sprache ihrer Zielgruppe und positionieren sich nicht als traditionelle Banken, sondern als smarte, unkomplizierte Partner für den modernen Finanzalltag. Eine Studie zeigt, dass die Identifikation mit Neon von 22,9 auf 50,7 Punkte stieg. Sie erzählen die Geschichte von finanzieller Freiheit und Kontrolle – ein starkes emotionales Narrativ.
Für Schweizer Traditionsunternehmen in konservativen Branchen bedeutet dies, das eigene Erbe an Stabilität und Vertrauen nicht als nüchternen Fakt, sondern als eine über Generationen gewachsene Geschichte zu erzählen – eine Geschichte, die auch im digitalen Zeitalter Sicherheit und Orientierung bietet.
Häufige Fragen zur Modernisierung der Corporate Identity
Wie agiert die Konkurrenz und wie können wir uns abheben?
Der erste Schritt zur Abhebung ist die klare Definition der eigenen Unternehmenswerte. Fragen Sie sich: Für welche Werte stehen wir, oder möchten wir in Zukunft stehen? Wie möchten wir von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden? Eine authentische Positionierung, die auf Ihren einzigartigen Werten basiert, ist der beste Schutz vor Austauschbarkeit.
Warum ist die Geschichte hinter der Veränderung wichtig?
Die Kommunikation der Geschichte hinter der Modernisierung ist entscheidend, da sie das „Warum“ erklärt. Sie zeigt, dass es nicht um einen willkürlichen Wechsel geht, sondern um die bewusste Entscheidung, traditionelle Werte durch eine sorgfältige Anpassung für die nächste Generation zu bewahren. Dies schafft Verständnis und Akzeptanz bei Kunden und Mitarbeitern.
Mit welchem Slogan möchten wir unsere Zielgruppe überzeugen?
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Ein überzeugender Slogan sollte die strategische Essenz Ihrer Modernisierung einfangen: die Balance zwischen bewährter Tradition und zukunftsorientierter Innovation. Er muss Ihre Kernwerte auf den Punkt bringen und gleichzeitig die Relevanz Ihrer Marke für die heutigen und morgigen Bedürfnisse Ihrer Kunden kommunizieren.